Mittwoch, 7. Dezember 2016

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Wissensarbeiter auf Hochtouren Nach vier Jahren ist Schluss

Börsenhändler: Investmentbankern bleiben sieben bis neun Jahre

Wissensarbeiter wie Investment-Banker, IT-Experten, Unternehmensberater oder Juristen geben gerne alles. In Branchen, in denen die geistige Kraft der Motor für den Erfolg ist, arbeiten die Beschäftigten extrem motiviert und leistungsorientiert. Aber das geht nicht lange gut.

Hamburg - Wer sein Geld mit Geisteskraft verdient, gibt gern alles. Wissensarbeiter wie Investment-Banker, IT-Experten, Unternehmensberater oder Juristen arbeiten extrem motiviert und leistungsorientiert. Im Gegenzug verdienen sie ja auch häufig eine Menge Geld und genießen maximale Freiheit in ihrem Tun. Ein traumhaftes Leben, oder?

In den ersten Jahren schon.

Doch Alexandra Michel, Dozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin von der Marshall School of Business der University of Southern California, Los Angeles, begleitete das Arbeiten und Leben von Investmentbankern neun Jahre lang und stellt fest: Die Rechnung ist mit dem Teufel gemacht. Nach vier Jahren sind die ehrgeizigen Aufsteiger gesundheitlich am Ende.

Für eine Langzeit-Studie begleitete Alexandra Michel vier Gruppen Investmentbanker in zwei verschiedenen Banken von ihrem Berufseintritt bis zum Ausscheiden aus dem Unternehmen. Investmentbanker bleiben nur sieben bis neun Jahren in der Bank.

Arbeiten rund um die Uhr - freiwillig!

Spätestens nach dieser Zeit geht man und macht den neuen Absolventen Platz, die aus den Hochschulen direkt im Berufsleben durchstarten möchten. Das durchschnittliche Eintrittsalter der Investmentbanker war 28 Jahre. Mit Mitte 30 sind sie wieder raus aus der Firma. Genauere Hinweise auf die Datenbasis der Studie darf Michel nicht geben. Die Banken haben es ihr untersagt.

Für ihre ethnografische Fallstudie begleitete Michel die Banker an den Arbeitsplatz, befragte sie nach ihrem Befinden und ihrem Umgang mit dem enormen Arbeitsdruck. Dabei kam ihr zugute, dass sie selbst eine Weile in einer Investmenbank arbeitete, bevor sie Wissenschaftlerin wurden: "Sie behandelten mich wie jemanden von ihnen."

Michels Ergebnis: Nicht wenige Investmenbanker arbeiten 120 Stunden pro Woche und alle sind selbstverständlich 24 Stunden pro Tag elektronisch erreichbar. Sieben Tage die Woche. Ihre Arbeit ist ihr Leben. Jeder Investmentbanker würde eher die Hochzeit seines besten Freundes sausen lassen als einen guten Deal für einen Kunden.

Wenn man sie fragt, was ihr Motiv für dieses überbordende Engagement ist, dann sagen sie: "Das mache ich, weil ich es möchte. Ich gebe meine gesamte Zeit und Energie freiwillig in meine Arbeit."

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