Dienstag, 18. September 2018

Fitnessmesse Fibo Trampolin-Terror und Cage Fitness

Fitnessmesse Fibo: Die neuesten Workout-Trends
Fotos
Mark Sacro

Powerplate, Spinning und Zumba? Die neuen Fitnesstrends sind nicht nur anders, sondern vor allem retro. Man nehme ein eingestaubtes Sportgerät, gebe ihm einen coolen Namen und eine neue Farbe - fertig ist die Innovation.

Wer hätte gedacht, dass das alte, verstaubtes Ein-Mann-Trampolin vom Dachboden nochmal ein Comeback erleben würde. Dass es regelrecht trendy sein könnte, darauf herumzuhüpfen. Aber wenn man einigen Fitnesskreativen Glauben schenken mag, ist Trampolinspringen die Innovation der boomenden Fitness-Branche schlechthin.

Allerdings muss das Ganze natürlich neu verpackt und umbenannt werden - in "Jumping Fitness". Das Konzept soll die Fitnessstudios Deutschlands erobern. Die Kursteilnehmer springen zu Technomusik auf ihrem eigenen Trampolin, ohne Pause, aber mit Schnappatmung. Das alte, neue Trainingsgerät könnte auch Oktagon des Grauens heißen: Denn es geht so schnell und wild zu, dass es eine Griffstange zum Festhalten gibt, montiert wie bei einem Tretroller. Ohne die würde man sofort herunterfallen.

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Nach wenigen Minuten sind alle nass geschwitzt, das Hüpfen ist schnell in Füßen, Beinen und im Gesäß zu spüren. Vor allem aber ist es ein Herz-Kreislauf-Training. Natürlich könnte man auch einfach durch den Park rennen, aber das macht nicht so viel Spaß. Ein Messebesucher erzählt begeistert, dass seine zweijährige Tochter so etwas Zuhause macht. Er zeigt stolz ein Beweisfoto auf seinem Handy. Es sei toll, sagt er, dass es so etwas jetzt auch für Erwachsene gibt! Ob er so einen Trampolin-Kurs denn regelmäßig besuchen würde? Hm, das wisse er nicht. Er gehe eigentlich lieber in den Kraftraum.

Cage-Fitness für echte Kerle

Vielleicht wäre ja Cage-Fitness etwas für ihn. Das ist nämlich auch viel männlicher; und gerade Männer scheuen den Kursraum im Fitnessstudio ja etwa so wie die meisten Frauen das Bankdrücken. Cage-Fitness, das klingt schon gefährlich. Käfigkampf.

Tatsächlich hat es seinen Ursprung in den MMA-Kämpfen, Mixed Martial Arts, erzählt Markus Liedtke, der das US-Konzept in Deutschland verkauft. "Cage-Fitness ist ein 30-Minuten-Workout für den ganzen Körper. Das ist hardcore. Danach kannst du nicht mehr."

Und das, obwohl es noch nicht einmal einen Gegner gibt, sondern nur einen toten Sack, auf den eingeprügelt wird, als ginge es um Leben oder Tod. Der Sandsack aber hängt nicht wie im Boxkeller an der Decke, sondern ist ein funktionales Allround-Objekt mit Griffen. Sieht ein bisschen aus wie schweres Reisegepäck. Sein Name, und das ist kein Witz: "Cage Fitness Grabbling Dummy". "Die gibt's mit elf und 22 Kilo. Du kannst den Dummy wie eine Hantel benutzen, oder rumwerfen, auf den Rücken nehmen und dabei Kniebeuge machen, oder einfach zwischen die Beine nehmen, wie einen Gegner, und von oben schlagen."

Das Tolle: der Verlierer steht schon vorher fest und der Krieger verlässt das Feld garantiert ohne blaues Auge. Cage-Fitness ist fordernd, aber im Grunde nichts anderes als ein bisschen Militärdrill und Abreagieren an einem harten Kissen. Tatsächlich sehen die Kursteilnehmer aus, als wären sie gerade beim Anti-Aggressionstraining. Durchaus, findet auch Managing Director Markus Liedtke: "Der Kurs ist für jeden offen. Von der Hausfrau bis zum Kampfsportler. In den USA geben Mütter ihre Kinder zum Kinderkarate und machen in der Zwischenzeit den Cage-Fitnesskurs und reagieren sich ab." In den USA gibt es bereits 150 Lizenznehmer, in Deutschland bisher zwei Partner; in Münster und Friedrichshafen.

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