Montag, 30. Mai 2016

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Fitnessguru Fitzroy Gaynes "Ausdauer ist unnatürlich"

Fitnessguru Fitzroy Gaynes: Schwitzen für mehr Kraft
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Hans-Jürgen Rösl

Fitzroy Gaynes ist 58, sein Körper sieht sehr viel jünger aus. Mit Genetik habe das nichts zu tun, behauptet er: In seiner Familie seien alle dick. Der Fitnesscoach setzt auf "Lifestyle-Training" statt auf Cardio-Sport. Denn nichts liege der Natur des Menschen ferner als Ausdauertraining, so Gaynes' gewagte These.

mm: Herr Gaynes, Deutschland und England haben die größten Fitnessmärkte Europas. Trotzdem sind viele Menschen nicht fit. Warum?

Gaynes: Viele trainieren nicht, sondern üben. Sie müssen verstehen, dass Bewegung alleine nichts bewirkt. Wenn Bewegung der Schlüssel zum Erfolg wäre, dann wären alle Menschen fit, weil sich alle Menschen irgendwie bewegen. Aber sie tun es nicht intensiv genug.

mm: Was ist schon intensiv? Jemand, der bisher nur auf der Couch gelegen hat, für den sind zwanzig Minuten stramm gehen oder ein Tanzkurs besuchen ganz schön anstrengend.

Gaynes: Richtig. Weil der Körper immer dann reagiert, wenn er mehr beansprucht wird als vorher. Der Tanzkurs bringt also zunächst Ergebnisse. Aber viele denken dann beispielsweise, um mehr abzunehmen gehe ich in noch mehr Tanzkurse. Das ist falsch.

mm: Warum?

Gaynes: Weil ganz schnell der Punkt kommt, an dem noch mehr Ausdauer keine weiteren Fortschritte bewirkt. Die Leute sollten lieber anfangen ihre Muskulatur zu trainieren. Ausdauertraining liegt nicht in der Natur des Menschen. Das ist ein Konstrukt, das wir uns geschaffen haben, von dem wir glauben, es sei gut für uns. Wenn Ihr Ziel ist, einen Marathon zu laufen, dann müssen Sie natürlich Ausdauertraining machen. Aber laufen allein macht Sie nicht fit fürs Leben.

mm: Was steckt hinter ihrem Lifestyle-Fitness-Konzept LST?

Gaynes: Lifestyle Fitness basiert auf unserer natürlichen Lebenswelt. Dabei unterscheide ich zwischen Fähigkeiten, die ich mir aneigne und solchen, die in meiner Natur liegen. Ich kann mir etwas beibringen, wie Tore schießen, oder auf einem Bein hüpfen. Aber wichtig sind die Fähigkeiten, die in meiner Natur liegen und die ich mein Leben lang brauche: Hinsetzen, aufstehen, mich vorwärts bewegen, etwas ziehen, etwas drücken. Und mein Training zielt darauf ab, genau diese Abläufe bis ins hohe Alter ohne Probleme bewältigen zu können. Dafür brauche ich Kraft.

mm: Ich brauche Kraft, um mich hinzusetzen und wieder aufzustehen?

Gaynes: Hinsetzen und aufstehen, das ist nichts anderes als eine Kniebeuge, und die muss ich immer wieder machen, und zwar mit Intensität. Alte Menschen, die über Jahre nichts für ihre Muskulatur getan haben, für die kann hinsetzen und aufstehen zum Problem werden. Oder sie kommen die Treppen nicht mehr hoch. Warum? Weil sie schwach geworden sind, weil sie keine Kraft haben, und nicht, weil ihnen Ausdauer fehlt. Da müssen wir gegenarbeiten.

mm: Die Fitnessindustrie ist erfolgreich mit Ausdauerkursen wie Zumba. Sind solche Konzepte eine Lüge am Verbraucher sind?

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