Mittwoch, 29. Juni 2016

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Marathon, Karate, kein Kaffee So halten sich Top-Manager fit

Luftsprung oder Karate? Manche Manager haben sogar den schwarzen Gürtel

Sie wollen eine gute Figur machen - oder etwas für sich selbst tun. Aber welche Sportarten wählen Manager wie Bahn-Chef Grube oder Facebook-Gründer Zuckerberg? Und was verrät das über sie?

Sag mir, welchen Sport du machst, und ich sag dir, wer du bist. Oder anders herum. Viele Chefs laufen, golfen oder gehen ins Fitnessstudio. "Sie machen vor allem Einzelsport", sagt Bewegungstrainer Thomas Frankenbach. "Sie sind es ja gewohnt, Aufgaben selbst anzugehen und sich nicht auf ein Team zu verlassen." Der Gesundheitswissenschaftler hat das Buch "Warum Läufer beharrlich sind und Surfer das Leben genießen" geschrieben.

Er unterteilt Sportler in zwei Kategorien. Surfer zum Beispiel seien Fun-Sportler, sagt er. "Sie nutzen zur Fortbewegung die Kraft der Elemente." Anders als Läufer: Die bewegten sich aus eigener Kraft, und das sei Arbeitssport. Dafür brauche man Durchhaltevermögen und eigenen Antrieb. Wie für einen Führungsjob. "Manager sind meist Arbeitssportler", so der Autor.

Es gibt Parallelen zwischen Wirtschaft und Sport. Oft bewegen sich die Chefs, weil sie einen Ausgleich suchen - dabei ist im Training ganz ähnliches gefragt wie im Job: Sie müssen sich Ziele stecken, ihren Schweinehund überwinden und hartnäckig sein. Dann werden Ausdauersportarten zur Fortsetzung der Arbeit mit anderen Mittel.

Viele Menschen übertragen laut Frankenbach ihre Lebensprinzipien auf den Sport. Höher, schneller, weiter - das Motto gilt Managern also auch beim Training. Sie könnten nicht einfach vor sich hin joggen. "Führungskräfte trainieren dann direkt für den nächsten Halbmarathon", so Frankenbach. "Sie müssen aufpassen, dass sie es mit dem Ausgleich zum Job nicht übertreiben."

Rüdiger Grube, DB

Der Bahn-Chef läuft, und zwar fast täglich. Um 6 Uhr morgens geht Rüdiger Grube im Berliner Tiergarten joggen, mindestens zehn Kilometer. Er nutzt die Zeit, um ungestört nachzudenken: "Beim Laufen bin ich nicht abgelenkt", so Grube im Interview mit Laufexperte Achim Achilles. "Ich bleibe viel länger bei einem Gedanken, ich komme tiefer." Und das, obwohl er beim Joggen stets sein Handy dabei hat: "Wie ein Arzt. Immer in Bereitschaft."

Thomas Rabe, Bertelsmann

Thomas Rabe, Vorstandschef bei Bertelsmann, macht Sport nach Zahlen. Tausend Meter auf der Rudermaschine geben einen Punkt, jeder gejoggte Kilometer ebenfalls. Für jeden Kilometer auf dem Fahrrad gibt er sich einen halben. Rabe versucht, 100 Punkte pro Woche zu sammeln. Beim Bergsteigen in den Ferien erreiche er das locker. "Aber in Arbeitswochen sind 80 Punkte auch gut", sagte er der "Zeit". Er verausgabe sich nicht, höre sehr genau auf seinen Körper. Dazu gehört auch eine gesunde Ernährung: Seit 2011 trinkt Rabe keinen Alkohol. "Und statt Kaffee trinke ich jetzt Ingwertee."

Richard Branson, Virgin

Virgin-Chef Richard Branson war Kapitän der Fußball- und der Cricket-Mannschaft seiner Schule. Wegen einer Knieverletzung habe er sich damals nicht weiter auf den Sport konzentriert, sagte er der amerikanischen Nachrichtenseite "Entrepreneur". Er steckte Kraft und Ausdauer ins Business. Aber Sport ist weiter wichtig für ihn. "Ich habe mich mehrfach bemüht, sportliche Rekorde zu brechen – besonders in der Ballonfahrt und beim Kitesurfen." Bransons letzter Rekord: 2012 hat er mit 61 Jahren als ältester Mann der Welt den Ärmelkanal auf einem Surfbrett durchquert.

Mark Zuckerberg, Facebook

Der Chef und Gründer von Facebook, Mark Zuckerberg, trainiert mindestens dreimal pro Woche, normalerweise direkt nach dem Aufstehen. Das verriet er kürzlich bei einer Fragestunde auf Facebook. Fitness schenke ihm Energie. Darum versuche er auch, wann immer möglich, mit seinem Hund laufen zu gehen. Der Fragesteller war nicht irgendwer - sondern Arnold Schwarzenegger: "Mark, ich sage den Leuten immer, dass niemand zu beschäftigt ist, um nicht Sport zu treiben, vor allem wenn sogar Päpste und Präsidenten dafür Zeit finden." Der ehemalige Bodybuilder hatte auf Zuckerbergs Pinnwand geschrieben und nach dessen Trainingsplan gefragt.

Bettina Volkens, Lufthansa

Bettina Volkens, Mitglied im Vorstand der Lufthansa, hält sich ebenfalls mit Laufsport fit. Manchmal zieht Volkens einfach in der Mittagspause los. Als sie das Bürogebäude zum ersten Mal im Jogging-Outfit verließ, sollen die Mitarbeiter gestaunt haben. "Das hat hier bislang noch keiner gebracht", sagte ein altgedienter Airliner der "Welt".

Satya Nadella, Microsoft CEO

Auch Microsoft-Chef Satya Nadella hat durch den Sport für die Führungsetage gelernt. Er begeistert sich für Cricket. Seine wichtigste Lektion habe er in Indien in der Schulmannschaft mitgenommen, sagte Nadella der US-amerikanischen Nachrichtenseite "GeekWire". Er sei bei einem Spiel nicht auf der Höhe gewesen - trotzdem habe der Mannschaftskapitän ihm wieder den Ball überlassen. "Das hat mich beeindruckt", so der Microsoft-Chef.

Bruno Sälzer, Bench

"Ich bin militanter Nicht-Golfer", sagt Bruno Sälzer, Chef der Modemarke Bench. Golf sei langweilig und zeitraubend, mache weder stark noch schnell, erklärte er der "Welt" in einem Interview. Stattdessen geht Sälzer zweimal pro Woche laufen, jeden zweiten Tag trainiert er im Fitnessstudio. Er müsse sich nicht mal überwinden, sagt er. "Das ist für mich wie Zähneputzen." Sportliches Aussehen ist in der Modewelt schließlich wichtig. "Natürlich ist das eine optische Branche", sagt Sälzer. "Aber der Fitnessdrang kam bei mir vor der Berufswahl." Früher machte er Karate, hat sogar den schwarzen Gürtel.

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