Sonntag, 18. November 2018

Training mit Faszienrollen Dahin gehen, wo es weh tut

Training mit der Blackroll
BLACKROLL / Sebastian Schöffel
Training mit der Blackroll

Viele Sportler schwören auf die Faszienrolle, deren bekanntester Hersteller "Blackroll" ist, genannt, und deren Wohlfühleffekt. Die langfristigen Folgen des Geräts sind allerdings sportmedizinisch noch wenig untersucht.

Paul Reinborn sitzt mit ausgestrecktem linken Bein auf einer Gymnastikmatte. Unter der Wade liegt eine schwarze Hartschaumrolle. Die Faszienrollen sind vor allem unter dem Markennamen "Blackroll" bekannt. Der Physiotherapeut vom Olympiastützpunkt Stuttgart stützt sich auf beiden Händen ab, hebt das Gesäß an und schiebt seinen Unterschenkel langsam nach vorn und hinten, so dass die Wade von der Rolle massiert wird.

Die Effekte, die Reinborn und viele andere Therapeuten, Ärzte oder Sportler solchen Übungen zuschreiben, klingen vielversprechend. Man könne Verspannungen lösen, die Beweglichkeit erhöhen, die Koordinationsfähigkeit verbessern und kräftiger werden, sagt Reinborn, der viele Leistungssportler behandelt. Anwenden könne man die Rolle, die es auch von anderen Herstellern als dem Unternehmen "Blackroll" gibt, von den Füßen bis zum Kopf. Nur vom Bauchbereich würde er wegen des Drucks auf die Organe abraten.

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Faszien sind das faserige Bindegewebe, das wie ein Netzwerk den ganzen Körper durchzieht. Es umschließt nicht nur alle Muskeln, sondern auch Organe oder Gelenke. Um gesund zu bleiben und nicht zu verkleben, braucht es Bewegung und Stimulation. Die Faszienrolle kommt dabei vor allem in der Regeneration nach dem Sport zum Einsatz. Reinborn empfiehlt, sie zwei- oder dreimal pro Woche für fünf Minuten anzuwenden.

Den Wohlfühleffekt und gesundheitlichen Nutzen der Faszienrolle führt der Buchautor Kay Bartrow auf mehrere Ursachen zurück. Zum einen verbessere der Druck auf das Gewebe die Durchblutung und damit den Einbau von Nährstoffen sowie den Abtransport von Stoffwechsel-Abfallprodukten, erklärt der Physiotherapeut aus Balingen. Zum anderen sorge die Rolle dafür, dass sich die einzelnen Schichten des Bindegewebes gegeneinander verschieben und sich dadurch Verklebungen lösen - so jedenfalls die Theorie. Dieser Effekt erzeuge ein Gefühl der Entspannung, beuge Verletzungen vor und mache den Körper belastbarer.

Faszienrollen gibt es in unterschiedlichen Härtegraden. Wobei die härteste Variante meist nur von Leistungssportlern genutzt werde, erklärt Reinborn. Ihr Druck sei für Freizeitsportler zu hoch und daher zu schmerzhaft. "Eigentlich braucht man aber nur einen Härtegrad, man kann den Druck ja selbst variieren." Also eine bestimmte Körperpartie mehr oder weniger fest auf die Rolle drücken.

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