Donnerstag, 8. Dezember 2016

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Erkenntnisse aus der Stress-Medizin Das Geheimnis der Gesundheitsspirale

Sport und gesunde Ernährung machen fit, aber wie sieht es mit der Psyche aus? Was muss man tun, um Burn-out, Depressionen und Stress zu vermeiden? Autorin Carola Kleinschmidt weiß Rat.

Auf der Suche nach Kraft
Für die körperliche Gesundheit gibt es so etwas wie Formeln, an denen man sich festhalten kann: 30 Minuten Bewegung am Tag, drei Mal die Woche 20 Minuten Herz-Kreislauftraining sowie fünf Mahlzeiten täglich, mit drei Portionen Gemüse und Salat gelten als gesunde Richtwerte. Aber wie sieht es mit der Seele aus? Gibt es für die psychische Gesundheit auch derartige Eckdaten?

Durchaus. Die amerikanische Psychologin Barbara Fredrickson von der University of North Carolina bringt sie sogar auf eine knackige Formel und sagt: "Menschen beginnen regelrecht aufzublühen ("flourishing") und ihre Potenziale im Leben zu entfalten, wenn sie mehr als drei Mal so viele positive wie negative Gefühle empfinden." Fredricksons Studien zeigen: Diese Personen haben gute Chancen, psychisch gesund durchs Leben zu gehen und von Stress bedingten Krankheiten, wie Burnout, Depressionen oder Angsterkrankungen verschont zu bleiben.

Barbara L. Fredrickson ist eine Pionierin. Lange Zeit waren die positiven Gefühle so etwas wie die Stiefkinder der psychologischen Forschung. Man beschäftigte sich vor allem mit den negativen Emotionen. Schließlich sind Ärger, Angst, Wut oder Trauer starke Gefühle. Jeder weiß, wie stark sie unser Handeln bestimmen können: Sind wir wütend, möchten wir das Gegenüber am liebsten schlagen. Sind wir traurig, geistern dunkle Wolken durch unser Hirn und trüben unseren Blick. Es sind auch die negativen Emotionen, die dem Menschen die größten Probleme bereiten, zum Beispiel in Form von Angsterkrankungen, Depressionen, als unbändiger Wutanfall oder krankhafte Eifersucht.

Erst die Studien der amerikanischen Psychologin brachten ans Licht, dass die Wirkung der positiven Emotionen für die gesamte Entwicklung der Menschheit mindestens so wichtig sind wie die negativen. Warum? Wenn wir positive Emotionen wie Freude oder Zuversicht empfinden, verändert sich unser gesamter Körper und Geist: Die visuelle Aufmerksamkeit steigt, ebenso die neugierige Offenheit für neue Erfahrungen - kritisches Feedback eingeschlossen.

Ohne Neugier keine Entdeckungen

Die kreativen Fähigkeiten und die Vielfalt der möglichen Verhaltensweisen in einer bestimmten Situation nehmen zu. Das Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen steigt. "Positive Emotionen ermöglichen einen temporären Zustand des Bewusstseins, der geprägt ist von einer größeren Spannbreite von Gedanken, Handlungen und Empfindungen", erklärt Fredrickson aufgrund ihrer Studienergebnisse. Gute Voraussetzungen, um dem Abenteuer Leben erfolgreich und relativ stressfrei zu begegnen.

Wenn man diese Zusammenhänge weiter denkt, bekommen die positiven Gefühle einen völlig neuen Stellenwert: Sie sind für den Menschen einer der stärksten Motoren für persönliches Wachstum ebenso wie für körperliche und seelische Gesundheit. Positive Emotionen machten es möglich, dass ein Da Vinci in Wissenschaft und Kunst über sich hinauswuchs.

Positive Emotionen ebneten einem Kolumbus und anderen Entdeckern innerlich den Weg, um über den Tellerrand des herrschenden Weltbildes hinauszublicken und sich auf den Weg zu neuen Ufern zu machen. Positive Emotionen motivieren Entwicklungshelfer genauso wie Erfinder immer wieder aufs Neue, ihre Energie in ihre Projekte zu investieren. Sie sind die Wegbereiter aller bahnbrechenden Erfindungen und gesellschaftlichen Entwicklungen.

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