Montag, 27. Juni 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Bouldern als Kraftsport Einmal richtig die Wand hochgehen

Bouldern: Ideales Training für den Winter
Fotos
TMN / DAV / Marco Kost

Der Sport zieht bei vielen wieder von draußen in die Innenräume. Es gibt aber noch interessante Alternativen zum Fitnessstudio. Bouldern zum Beispiel.

Auf den Laufstrecken wird es einsamer. Und langsam dünnen auch die Bootcamps in den städtischen Parks aus. Je dunkler, regnerischer und kälter es wird, desto weniger haben jetzt noch Lust, draußen zu trainieren. Aber mit all den anderen für die Wintermonate ins übervolle Fitnessstudio wechseln? Lieber nicht. Aber was dann?

Schon einmal ans Bouldern gedacht? Bouldern hat von den Kletterdisziplinen am stärksten geboomt, erklärt Matthias Keller vom Deutschen Alpenverein in München. Früher war das Bouldern eher eine Trainingsform für das echte Klettern. Jetzt entstehen in den Städten immer mehr Hallen eigens dafür.

Bouldern wird definiert als Klettern in Absprunghöhe. Die Sicherung durch ein Seil entfällt. "Es ist die Reduzierung des Kletterns auf das Wesentliche, auf die Bewegung", fasst Keller zusammen. Dabei ist die Absprunghöhe aber sehr subjektiv, schränkt Michael Cronrath ein. Er ist Lehrkraft für besondere Aufgaben im Bereich Klettern und Bergwandern an der Ruhr-Universität Bochum.

In den Hallen hat man maximale Höhen von etwa vier bis fünf Metern. Beim Klettern in der freien Natur liegt es in der Eigenverantwortung der Kletterer, ungesichert nicht zu hoch hinaus zu wollen.

Das Tüfteln an Bewegungsproblemen ist der Hauptreiz

Keller sieht den Vorteil vom Bouldern darin, dass es ein individueller Sport ist: Man braucht keinen Partner, der sichert. Gleichzeitig findet er den Sport sehr gesellig: Die Freunde feuern an, geben Tipps. Aber wofür braucht man Tipps? Genau hier liegt laut Keller der Reiz des Sports: "Das Tüfteln an irgendwelchen Bewegungsproblemen, das ist der Hauptreiz am Bouldern", sagt er. "Das hat fast schon etwas Wissenschaftliches." Es gehe darum, die beste Abfolge von Griffen und Haltepositionen auszumachen - die der Körper dann auch mitmacht.

Denn der muss beim Bouldern Kraft beweisen, besonders in den Armen und dem Oberkörper. Und so werden Arme - und Finger - auch am meisten trainiert, erklärt Ingo Tusk, Vizepräsident der Deutschen Sportärzte (DGSP). Aber auch die Rückenmuskulatur wird kräftiger.

"Das ist ein super Krafttraining", lautet die Einschätzung des Arztes. Vor allem die Beugemuskulatur werde beim Bouldern beansprucht. Auf den Rücken können die Bewegungen - gerade wenn man mit beiden Armen hochklettert - stabilisierend wirken. Wer hier vorbelastet ist, sollte am besten vor dem ersten Hallenbesuch mit dem Arzt sprechen. Gerade wenn es steiler wird, muss das muskuläre Skelett da sein, erklärt Keller.

Dort, wo die Belastungen am größten und das Training am höchsten ist, treten natürlich auch die meisten Schädigungen auf, sagt Cronrath. So kann es etwa zu einer Überlastung der Ringbänder kommen. Denn wenn man manchmal nur an den Fingern hängt, wirken extreme Kräfte darauf, erklärt Tusk.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH