Dienstag, 23. Oktober 2018

Nach Kollaps des BMW-Chefs So riskieren Manager ihre Gesundheit

Prominente Burnout-Fälle: Wenn zuviel Arbeit krank macht
DPA

BMW-Chef Harald Krüger brach heute morgen zusammen - beim Hochamt der Autobauer, der IAA, vor der versammelten Weltpresse. Angeblich ein Kreislaufkollaps, Krüger habe sich schon am Morgen nicht wohlgefühlt und sei erst kürzlich von Auslandsreisen zurückgekehrt, so BMW. Doch kneifen geht nicht als CEO eines Weltkonzerns. Ihm sei es wichtig gewesen, für den IAA-Auftritt zur Verfügung zu stehen, so BMW.

Krüger ist ein Paradebeispiel eines Topmanagers - immer on, unterwegs durch die Welten, entkoppelt von Zeit und Ort und den eigenen Bedürfnissen. Eine der Anforderungen für einen Job wie seinen ist eine robuste Gesundheit. Manager brüsten sich geradezu, mit wie wenig Schlaf sie auskommen, wie jeder noch früher aufsteht, Emails schon kurz nach vier bearbeitet.

Doch dieses Wettrennen ist fatal: Sechs von zehn Führungskräften schlafen so wenig, dass sie damit ihre Gesundheit gefährden. Dies ist eines der Ergebnisse einer Befragung unter 1000 Führungskräften der Max Grundig Klinik. Lediglich bei 39 Prozent der Befragten war demnach ausreichender und gesunder Schlaf gewährleistet. Einen Mittagsschlaf gönnten sich 14 Prozent.

Nahrungsergänzungsmittel statt Schlaf

Stattdessen nutzt knapp ein Drittel der Führungskräfte Nahrungsergänzungsmittel, um seine Leistungsfähigkeit zu steigern. "Nahrungsergänzungsmittel sind außer in bestimmten Fällen und Indikationen unnötig, nutzlos und gelegentlich sogar gefährlich. Es verwundert, dass sich doch so viele Führungskräfte von der Werbung dieser Industrie verführen lassen," sagt Curt Diehm, ärztlicher Direktor der Max Grundig Klinik.

Dabei zeigen sich die meisten Manager durchaus aufgeklärt, wenn es um den Nutzen und die Sinnhaftigkeit eines gesunden Lebenswandels geht: 67 Prozent der Männer und 57 Prozent der Frauen treiben regelmäßig Sport, sechs von zehn achten auf ihre Ernährung und verzichten beispielsweise häufiger als früher auf Fleisch. Nur noch jeder zehnte raucht. Doch müssen die meisten eingestehen, dass sie eigentlich viel gesünder leben würden, wenn sie nur dazu kämen: Jeder zweite Befragte gibt zu, dass er gesunde Rituale zwar gerne pflegen würde, jedoch nicht die Zeit dafür hat - oder ihm der nötige Wille fehlt, sich dazu aufzuraffen.

Lediglich 27 Prozent wenden regelmäßig Entspannungstechniken an, das Bewusstsein über die Vermeidung von Burnout, Depressionen und Stress ist gering.

Dabei gibt es effiziente, einfache Regeln, um auch psychisch gesund und leistungsfähig zu bleiben. Wer über seinen Burnout spricht, sich nicht mehr völlig in den Dienst der Leistungsgesellschaft, des Schneller-Höher-Weiter stellt, bricht ein Tabu (so wie Manager Rüdiger Striemer in diesem sehr persönlichen Beitrag).

Prominente wie Tim Mälzer oder Sven Hannawald haben es trotzdem getan. Und könnten somit manchem Manager zum Vorbild werden - vielleicht auch für einen Automanager.

Auch das könnte Sie interessieren: Warum immer mehr Manager um 4 Uhr aufstehen

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH