Freitag, 26. August 2016

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Krafttrainingexperte Werner Kieser "Zu Kieser gehen ist nicht lustig"

Kieser Training: Weniger Spaß, mehr Kraft
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Ein starker Rücken kennt keine Schmerzen: Unter diesem Motto brachte Werner Kieser vor 46 Jahren sein Krafttraining auf den Markt. Heute ist sein Konzept eines der erfolgreichsten der Branche. mmo-Autorin Sarah J. Tschernigow ließ sich vom Kraft-Guru Trainingstipps geben.

mm: Herr Kieser, Sie haben drei neuartige Fitnessgeräte auf den Markt gebracht. Was können die?

Kieser: Es sind drei Geräte, die es noch nie irgendwo gab. Eine Beckenbodenmaschine und eine für die Innen- und Außendrehung der Füße. Ich habe mich immer gewundert, warum es so etwas nicht gibt. Jetzt weiß ich warum. Es ist unglaublich teuer. Ich habe über eine halbe Million Euro investiert, bis der Prototyp da war.

mm: Moment, bitte... Ein Gerät für die Außendrehung der Füße? Braucht man das?

Kieser: Wissen Sie, die Fitnessindustrie produziert das, was gefragt ist. Nicht das, was gebraucht wird. Dabei sind es die kleinen, feinen Muskeln, die Probleme machen. Es sind nicht Bauch, Beine, Po, wofür es viele Geräte gibt. Aber gucken Sie sich die Füße von Joggern oder Fußballern an. Total kaputt. Manche fallen um, weil sie die Kontrolle über die Fußgelenke verloren haben. Deshalb sind solche Geräte wichtig. Wir haben sie zusammen mit der Universität Essen entwickelt.

mm: Die Fitnessbranche kommt ständig mit neuen Trends daher. Fühlen Sie sich mit Kieser als Traditionsmarke mit eingestaubtem Image unter Druck gesetzt, trendiger zu werden?

Kieser: Nein. Die Konkurrenz interessiert mich nicht. Sie kopiert mich ja dauernd. Der Vorteil, wenn man so alt ist, wie ich, besteht darin, dass man erkennt: alter Wein in neuen Schläuchen. Das vermeintlich Neue gab es schon alles.

mm: Aber kein Power Plate.

Kieser: Doch natürlich! Elektrostimulation, Vibration... heute hat es nur einen englischen Namen. Es hat damals nicht funktioniert, und es funktioniert heute nicht. Natürlich gibt es Innovationen, die mich interessieren. Aber nicht so etwas.

mm: Ist der Besuch bei Kieser womöglich auch eine Generationsfrage?

Kieser: Wir haben eine ziemlich genaue Zielgruppenanalyse. Unsere Kunden gehören zur gebildeten Mittelschicht. Das ist aber nicht die Mehrheit der Bevölkerung. Aber die müssten auch kommen, die haben ja auch Probleme. Unsere Zielgruppe ist auch älter als in anderen Fitnessstudios, im Schnitt 53 Jahre. Und ja, sicher ist eine bestimmte Generation mit uns aufgewachsen. Wir haben angefangen mit "Ein starker Rücken kennt keine Schmerzen". Und das Rückenproblem beginnt auch für gewöhnlich erst mit 30. Aber in letzter Zeit kommen auch Jüngere zu uns. Krafttraining hat bekanntlich einen kosmetischen Effekt: Sie sehen besser aus. Und den Schönheits- und Jugendwahn gibt es in jeder Altersklasse.

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