Sonntag, 17. Februar 2019

Die teuersten Sportarten Fitness für Millionen

4. Teil: Polo: Auf dem Thema Geld herumreiten

Hoppla: Polo-Sportler Prinz Harry bei einem spektakulären Abgang beim Veuve Clicquot Polo Classic auf Governors Island in New York City, 2010

Was macht man?

Im Grunde eine Mischung aus Reiten und Hockey. Vier Spieler bilden eine Mannschaft, deren Ziel es ist, in vier bis acht Zeitabschnitten (den sogenannten Chukkas) möglichst viele Tore zu machen. Wer nicht ganz so aktiv sein will, kann zur Halbzeit immerhin beim "tread in" mitmachen - da wird das Publikum, Champagnergläser in der Hand, auf das Spielfeld gelassen und darf die von den Pferden losgetretenen Grassoden wieder festtreten. Das ist jedesmal ein gesellschaftliches Ereignis.

Was braucht man?

Pferde. Mindestens vier, denn ein Turnier besteht normalerweise aus vier Abschnitten, von denen jedes eingesetzte Pferd nur einen bestreiten darf. Der gute alte Goethe hatte auch dafür den passenden Spruch auf Lager: "Wenn ich sechs Hengste zahlen kann, sind ihre Kräfte nicht die meine? Ich renne zu und bin ein rechter Mann, als hätt ich vierundzwanzig Beine", argumentiert Mephistopheles im "Faust" (auch wenn er sich damit nicht explizit auf Polo bezieht). Das mit den sechs Pferden kommt aber Pi mal Daumen schon ungefähr hin - denn auch wenn man nur auf jeweils einem Pferd sitzen kann, braucht man schon eine kleine Herde zum Auswechseln. Die müssen natürlich auch warmgeritten und nachher versorgt werden, so dass man auch eine kleine Schar von Helfern entlohnen muss. Und natürlich muss man auch sich selbst ausrüsten: Mit eleganten weißen Hosen, einem tropenhelmartigen Kopfschutz und dick gepolsterten Lederknieschonern. Reitstiefel lässt man gern nach Maß fertigen. Insider tragen dazu das Uhrenmodell "Reverso" von Jaeger-LeCoultre, deren Uhrenglas man zum Spielen nach innen drehen kann und die eigens für den Polosport entwickelt wurde.

Was kostet das?

Ab einer gewissen Leistungsklasse kostet ein turniertaugliches Pferd so ab 20.000 Euro aufwärts. Nach oben gibt es, wie so oft, keine Grenze. Hinzu kommen Transportkosten für all die vielen teuren Tiere, Unterhalt, Tierarzt, Unterbringung, Maßschuhmacher, Sattelzeuge, Champagner zum Feiern der Siege... kurz: Es kommt ganz schön was zusammen.

Wen lernt man dabei kennen?

Natürlich die Windsors - alle wichtigen Mitglieder des britischen Königshauses spielen Polo (Prinz Charles hatte ein fulminantes Handicap) oder begeistern sich zumindest für den Sport. Elite-Unis wie Oxoford, Cambrigde und die London School of Economics haben natürlich auch eigene Teams. Der Genesis-Gitarrist Mike Rutherford spielt ebenso Polo wie Schauspieler Tommy Lee Jones. In Hamburg hat sich der Kaffeekönig Albert Darboven für den Sport stark gemacht und die Hansestadt zum deutschen Polo-Zentrum gemacht. Aber auch in München, Berlin und Düsseldorf gibt es Clubs.

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