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26.02.2013
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Fahrradrennen
12.000 Kilometer durch Afrika

Von Alexandra Knape

Tour d'Afrique: Bilder vom Rennen
Fotos
Hardy Grüne

Wer die Tour d'Afrique bestehen will, dem darf es an Willenskraft, Ausdauer und Durchsetzungsvermögen nicht fehlen. Das längste Radrennen der Welt führt quer durch Afrika - von Kairo nach Kapstadt. Eine extreme Herausforderung für Körper und Seele, vier Monate lang.

Hamburg - Ein bisschen verrückt muss man wohl sein, wenn man sich auf den Weg macht, die Tour d'Afrique mitzuradeln. Doch für alle, die Abenteuer auf einem fremden Kontinent suchen, und dabei auf jeglichen Luxus verzichten können, ist das längste Radrennen der Welt eine der größten Herausforderungen.

Hardy Grüne ist einer von denen, die sich auf die rund 12.000 Kilometer lange Strecke abseits der Touristenwege begeben haben. "Ohne Willenskraft, Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen ist diese Fahrt nicht zu bestehen", sagt der Sportjournalist im Gespräch mit manager magazin online. Und davon zeugt auch sein Buch "Tour d'Afrique", das gerade erschienen ist. Auf 278 Seiten schildert der Hobbyradfahrer, welchen Strapazen, Entbehrungen und körperlichen Herausforderungen die Reisenden während der vier Monate währenden Tour von Kario nach Kapstadt ausgesetzt sind.

Keine gewöhnliche Abenteuerreise

Es geht durch Ägypten, Sudan, Äthiopien, Kenia, Tansania, Sambia, Botswana, Namibia nach Südafrika, teils auf ausgebauten Straßen, oft auf Schotter- und Sandpisten. Unter schwierigsten Bedingungen müssen sich die Fahrer einen Weg durch den mitunter lebensgefährlichen Verkehr suchen, an Ziegenherden vorbei oder sich durch drängelnde Passanten schlängeln. Grüne beschreibt in seinem Buch jede Tagesetappe, die meist deutlich über 100 Kilometer lang ist.

Dabei fängt die Tour schon bei der Planung aufregend an: Denn das erste Abenteuer mag sicherlich darin bestehen, alle Visa rechtzeitig zu erhalten. Doch was dann folgt, ist ein Wettkampf mit sich selbst. "Die Tour d'Afrique ist keine gewöhnliche Abenteuerreise", schreibt Grüne im Vorwort. Nicht das bereiste Objekt stehe im Fokus und Interesse des Reisenden, sondern das eigene Wohlbefinden und der Erhalt der körperlichen Fitness.

"Das schlimmste an der Fahrt waren die Camps", erzählt Grüne im Gespräch. Auf teilweise unwirtlichsten Plätzen schlugen die über 60 Fahrer jeden Tag ihre Zelte auf, oft bei sengender Hitze von über 40 Grad Celsius, ohne Schatten und ohne die Möglichkeit, eine Dusche zu nehmen oder eine Toilette zu besuchen. So manches Mal sind sie umringt von Einheimischen, die jede Bewegung genaustens beobachten, während die Reisenden sich im steten Kampf mit ihrem eigenen Körper befinden, der die vielen Fahrradkilometer des Tages, die mörderische Hitze und das Essen nicht gewöhnt ist.

Bizarre Landschaften

Warum er die Fahrt macht? Grüne zählt sich zu der Gruppe der "Das kann noch nicht das ganze Leben gewesen sein". Er wollte einfach mal eine Pause vom Berufsleben und ist damit nicht alleine unter den Teilnehmern. Andere stehen dagegen erst am Anfang ihres Berufslebens und suchen das Abenteuer. Eine Handvoll Herren um die 60 will es vor der dritten Lebensphase noch einmal wissen.

Sie alle werden durch einzigartige Erlebnisse belohnt. Bizarre Landschaften, atemberaubende Ausblicke, reiche wie arme Menschen, freundlich winkende Passanten, aber auch Steine werfende Kinder begegnen Grüne und seinen Mitstreitern. "Das intensivste Erlebnis war", meint der eigentliche Fußballexperte im Nachhinein, "als in Kenia ein mit traditioneller Kleidung bekleideter Massai mich bei einem Stopp beobachte, als ich eine Cola trank". Der Massai zückte sein Handy und schoss ein Foto von dem Deutschen. "Da wird einem noch einmal der Exotenstatus sehr deutlich", sagt er. Nur wenige Kilometer weiter streckte ihm ein von Hunger gezeichnetes Kind die Hände entgegen und bettelte um Wasser. "Das hat mir lange nachgehangen", so Grüne.

Stolz, es geschafft zu haben

Und dennoch schwingt sich der damals 48-Jährige unermüdlich auf den Sattel. "Die Gruppe motiviert, weiter mitzufahren", auch wenn man zwischendurch einfach keine Lust mehr hat und nicht mehr kann. Sie helfen sich gegenseitig und versuchen, den anderen aus dem Loch zu ziehen. "So war es bei mir und so war es bei anderen." Privatsphäre gibt es auf dieser Tour nicht. Geheimnisse auch nicht. Jeder müsse seinen eigenen Stil und Rhythmus finden. Sein persönliches Doppingmittel: weiße Schokolade. "Der Gedanke an einen Riegel hat mir so manches Mal geholfen, die Tagesetappe zu schaffen."

Grüne ist einer von 63 Radfahrern, die sich für die Tour angemeldet haben. Streckenweise fahren noch andere Radler mit, so schwillt das Peloton manchmal auf 80 Fahrer plus Begleitpersonal an. "Grenzwertig" , befindet Grüne. Die Fahrer können wählen, ob sie als "Racer" oder "Touristen" fahren. Für die einen spielt die schnellste Zeit eine Rolle, die anderen gönnen sich auch mal eine Pause, um die Landschaft zu genießen. Das Gepäck wird auf Lastwagen transportiert. Die Tour begleitet unter anderen ein Rettungssanitäter, ein Mechaniker und ein Koch.

"Ich habe Afrika nie in seiner Größe erfassen können", resümiert Grüne. Das sei ihm auch jetzt noch nicht gelungen. "Am Ende der Tour war ich einfach nur noch stolz, dass ich es geschafft habe", sagt der Wahlgöttinger. Für das kommende Jahr plant der reisefreudige Fahrradfahrer bereits die nächste Herausforderung. Dann will er an dem Südamerikarennen "Anden Trail" teilnehmen. Grüne kann offenbar nicht genug bekommen. Otto Normalfahrer dürfte sich dagegen auch nach der durchaus faszinierenden Reiselektüre wohl lieber für die heimischen Fahrradwege entscheiden.

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Buchtipp

Hardy Grüne:
Tour d'Afrique: 12.000 Kilometer Radrennen von Kairo nach Kapstadt

Moby Dick, 272 Seiten, Januar 2013, 19,90 Euro

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