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03.01.2013
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Lauf-Gefahren
Soweit die Knie tragen

Von Malte Laub

Joggen gilt als gesund und gut für jedermann. Doch das stimmt nicht. Untrainierte und ältere Sportler übertreiben häufig und setzen Kreislauf und Gelenke einer zu hohen Belastung aus. Übermotivierte Manager mit der Marathonteilnahme als Ziel laufen Gefahr, ihre Knie zu ruinieren.

  Belastung:  Sportler sind sich den Belastungen für ihren Körper oft nicht bewusst.
Corbis

Belastung: Sportler sind sich den Belastungen für ihren Körper oft nicht bewusst.

Hamburg - Es hat etwas von der Zeitlupe eines Treffers beim Boxen: Alles wackelt. Allerdings landet in der Slow Motion, die der Biomechaniker Gert-Peter Brüggemann zeigt, keine harte Rechte mitten im Gesicht des Gegners, das - den Gesetzen der Physik folgend - daraufhin bedenkliche Formen annimmt. Hier setzt bloß der Fuß einer Läuferin auf dem Boden auf, doch der Effekt ist ähnlich: Die Erschütterung geht sichtbar vom Fuß ins Sprunggelenk, das zu allen Seiten hin wackelt, über Unterschenkelmuskulatur, Schien- und Wadenbein ins ebenfalls sichtlich belastete Knie.

Dieser Beanspruchung setzten sich in Deutschland - je nach Umfrage - zwischen zehn und 17 Millionen Menschen regelmäßig aus, darunter auch immer mehr ältere Athleten. Doch gerade für die ist die so häufig mit Gesundheit und Lebensqualität assoziierte Volkssportart Laufen nicht unbedingt ratsam, sagen Wissenschaftler.

"Ab dem vierten bis fünften Lebensjahrzehnt hat nur noch ein recht kleiner Anteil der Bevölkerung wirklich gesunde Kniegelenke", sagt Biomechaniker Brüggemann, "doch das ist das Alter, in dem viele Menschen anfangen zu laufen - oft auch mit sehr hohen Ansprüchen." Studien hätten gezeigt, dass bei untrainierten Läufern die Knorpelsubstanz im Knie überdurchschnittlich stark abnehme, sagt der Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln. Die Folge könne Osteoarthrose sein, also Gelenkverschleiß.

Die Last eines Trabis

Die Sportler seien sich den Belastungen, die ihr Sport mit sich bringt, oft nicht bewusst. "Beim Laufen mit gut zwölf Kilometern pro Stunde wirkt bei jedem Schritt das Achtfache des eigenen Körpergewichts auf das Knie - das entspricht ungefähr einem Trabi", sagt Brüggemann. Bei Leistungssportlern oder gut trainierten Freizeitläufern, die sich regelmäßig fit hielten, sei das unbedenklich, sagt sein Kölner Kollege, der Kreislaufforscher und Sportmediziner Hans-Georg Predel. Problematisch sei die Belastung aber für Untrainierte, die es plötzlich sportlich wissen wollen. Und von denen gebe es immer mehr: Der Durchschnittläufer bei deutschen Stadtmarathons sei 45 Jahre alt, männlich, untrainiert und nicht sportmedizinisch betreut. "Der versammelt alle Risikofaktoren auf sich", sagt Predel.

Ohnehin bringe der "Mythos Marathon" viele Probleme mit sich, wie auch die deutsche Marathon- und Ultralangstreckenläuferin Birgit Lennartz-Lohrengel beklagt. Die Athleten seien zu sorglos: "Die Läufer haben sich früher ernsthaft auf die Strecken vorbereitet, heute ist das nicht mehr so." Training und langsame Steigerungen der Laufdistanz seien aus der Mode gekommen: "Es zählt nur noch der Marathon, alles andere interessiert nicht mehr", sagt die ehemalige Spitzensportlerin, die mittlerweile Laufseminare gibt.

Diese Fokussierung auf die traditionsreichen 42,195 Kilometer sei auch darauf zurückzuführen, dass die Läufe zu Events hochstilisiert werden und nicht mehr zu ernsthaften Sportveranstaltungen, so Mediziner Predel. "Immer mehr Menschen verlieren den Respekt vor großen Sportveranstaltungen", sagt er. Oft seien es Manager, die sich aus purem Ehrgeiz den nächsten Marathon zum Ziel setzten - ganz egal, ob die Vorbereitungszeit dafür ausreiche oder nicht.

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