Samstag, 7. März 2015

Radeln im Wohnzimmer Völlig auf der Rolle

Ergometer: Online-Rennen für die kalten Tage
Fotos
Kettler

2. Teil: Spielerei mit positiven Nebenwirkungen

Bei den Strecken sind den Radler-Fantasien keine Grenzen gesetzt. Klassiker wie die berüchtigte Bergankunft L'Alpe d'Huez bei der Tour de France sind genauso möglich wie eine entspannte Tour an der Ostküste Neuseelands oder die 181 Kilometer lange Strecke des Ironman auf Hawaii mit 1000 Höhenmetern. Einzige Voraussetzung: die GPS-Daten der Strecke müssen vorhanden sein. Für die Ego-Perspektive greifen manche Programme auf DVD-Filme oder Videodateien zurück, die je nach Fahrgeschwindigkeit schneller oder langsamer über den Rechner laufen. Andere nutzen Material von Google-Street-View oder von der Konkurrenz-Suchmaschine Bing - gegen Lizenzgebühren.

Beim niederländischen Hersteller Tacx ist auch das Lenken möglich. Dafür braucht man allerdings ein eigenes Rad, denn bei den Geräten handelt es sich nicht um Ergometer, sondern um Rollentrainer. Die Auswahl an virtuellen Strecken ist groß, richtet sich aber eher an ambitionierte Fahrer. Wer mag, kann sich beispielsweise dem Team Quick Step anschließen und virtuell 100 Kilometer an der spanischen Costa Blanca entlang brausen - Zwischensprints gegen Weltmeister Tom Boonen inklusive. Welches System das richtige ist, ist Geschmackssache. Bei Preisen von bis zu 1800 Euro (Kettlers Racer-S) ist ein ausführlicher Test beim Fachhändler angeraten.

Leistungsschub durch Ablenkung

Alles nur Spielerei? Schon, aber mit positiven Nebenwirkungen. "Rennsimulationen steigern im Vergleich zu einem herkömmlichen Ergometer-Training die Motivation", sagt Linda Schücker vom Arbeitsbereich Sportpsychologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Die Ablenkung von sich selbst kann auch die Leistung beflügeln. Die Wissenschaftlerin hat ein Experiment mit Läufern gemacht, für die es ähnliche Simulationsprogramme gibt. "Schmerzen merkten die Probanden weniger schnell, zudem war der Sauerstoffverbrauch messbar geringer", erklärt Schücker.

Vom Leistungsschub ist bei mir wenig zu spüren. Noch immer lacht mich der Burger höhnisch vom Display aus an. Mir reicht's. "Wollen Sie wirklich aufgeben?", fragt das impertinente Programm. Allerdings. Ich sattel' um und wähle das Weizenbier. Das ist zum Glück in wenigen Minuten weggeradelt.

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