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11.09.2012
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Stressabbau
"Herzinfarkt war das Maß aller Dinge"

Von Arne Gottschalck

Stress lass nach: Wie dagegen vorgehen?
Corbis

Stress lass nach: Wie dagegen vorgehen?

Die Arbeitsbelastung nimmt zu - und damit auch der Stress. Ein Naturgesetz? Nein, sagt der Burnout-Experte Peter Buchenau. Jeder Einzelne kann sich wappnen. Und das sogar schon frühzeitig.

mm: Herr Buchenau, Stress - gab es den nicht auch schon früher? Oder wurde darüber einfach nicht gesprochen?

Buchenau: Beides, auf der einen Seite hat sich die Arbeit vom Körperlichen zum Geistigen verändert. Früher klagte man über Muskel-, Magen- oder Rückenbeschwerden. Der Herzinfarkt war das Maß aller Dinge. Auf der anderen Seite war es die typische Aufbaugeneration. Selbst ich habe noch gehört: "Junge, beiß die Zähne zusammen und durch".

mm: Welche Rolle spielt eigentlich die Selbstwahrnehmung bei Stress?

Buchenau: Eine sehr große Rolle. Kenne ich die Signale meines Körpers, kann ich darauf reagieren. Der Körper "versendet" sogenannte Alarmreaktionen, wie Müdigkeit, Unwohlsein, Unruhe, Abfall der Leistungsfähigkeit. Auch Schlaf- oder Essstörungen gehören dazu. Wenn ich das wahrnehme, kann ich auch darauf reagieren. Deshalb ist das Trainieren der eigenen Wahrnehmung einer der größten Bausteine in einer guten Antistress- oder Burnout-Präventionsausbildung.

mm: Gibt es Menschen, die stressempfänglicher sind als andere?

Buchenau: Natürlich, Perfektionisten zum Beispiel. Warum muss ich immer 100 Prozent leisten, reichen 95 nicht auch? Oder auch chronische "Ja-Sager". Ein kräftiges "Nein" hilft ab und zu Wunder. Außerdem beeinflusst Sport, frische Luft und gesunde Ernährung maßgeblich die Stressempfindlichkeit. Je "gesünder" ich lebe, desto weniger kann mir Stress etwas ausmachen. Daran sieht man, dass Stress von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Beispiel: Ein Marathonläufer nimmt einen Zehnkilometerlauf locker und leicht hin, ein adipöser Mensch bekommt schon bei dem Gedanken an den Lauf höchsten Stress.

mm: Was kann der Einzelne präventiv machen?

Buchenau: Zum Beispiel die 50-Minuten-Stunde leben, sich bewegen, viel an der frischen Luft sein und sich gesund ernähren. Auch in der Firma und privat mal Nein sagen und vor allem viel lachen und Spaß haben. Lachen ist die beste Medizin.

mm: Und was kann der Arbeitgeber für das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter tun?

Buchenau: Mein neues Motto: "Gesundheit wird zur Chefsache". Das Thema gesunde Führung und dadurch gesunde Mitarbeiter werden zum Schlüsselfaktor für künftigen Unternehmenserfolg. Firmen, welche nicht ein aktives Gesundheitsmanagement, auch auf der psychischen Seite, einführen und pflegen, werden zu den zukünftigen Verlierern gehören und vom Markt verschwinden. Ich wiederhole, Gesundheit wird zur Chefsache.

mm: Inwieweit hat sich die Gefahr bei den Unternehmen herumgesprochen und vor allem auch im allgemeinen Prozedere durchgesetzt?

Buchenau: Kaum, man schaut weg. Nach wie vor wird in Unternehmen zu wenig in Prävention investiert. Erst muss das Kind in den Brunnen fallen, bevor etwas dagegen unternommen wird. Ich habe vor Kurzem erst gehört, dass sich in Deutschland nicht einmal 1 Prozent aller Unternehmen mit dem Thema Gesundheitsmanagement befassen. Wenn es dann doch passiert, dass jemand an Burnout erkrankt, wird das tot geschwiegen. Dieses könnte eine negative PR-Wirkung haben, denn wer möchte schon in einer Firma anfangen zu arbeiten, von der man weiß, da gibt es permanent Burnoutfälle?

mm: Lässt sich eigentlich so einfach sagen, dass wirtschaftlich schwierige Zeiten auch mehr Stress mit sich bringen?

Buchenau: Nein, ganz und gar nicht. Schwierige Zeiten sind auch immer eine neue Chance. Es ist immer wichtig, wie der Einzelne oder das einzelne Unternehmen damit umgeht. Es gibt genügend Bespiele, dass gerade in Konjunkturzeiten der Stress ansteigt. Die Aussage "Schwierige Zeiten - mehr Stress" halte ich für absolut daneben gegriffen. Es gibt ja auch den Begriff "Boreout" - Stress durch Langeweile. Also das verneine ich.

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