Samstag, 18. November 2017

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Fahrräder für Individualisten Purismus zwischen Retro und Moderne

Fahrräder: Schicke Modelle für Individualisten
Fotos
Bella Ciao

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Die meisten marktgängigen Fahrräder sind furchtbar hässlich. mmo-Autor Alexander Grau hat sich auf die Suche nach stilvollen Alternativen begeben und ist bei kleinen Manufakturen in Deutschland, Dänemark und England fündig geworden.

München - Fahrradfahren ist etwas Wunderbares, zumindest im Sommer, wenn einem der warme Fahrtwind um die Nase streicht, ein paar harmlose Cumuluswölkchen am blauen Himmel dahinziehen und die Abende lang sind und die Nächte mild. Was ist dann herrlicher, als entspannt durch den lauen Morgen zum Büro zu fahren und abends, nach einem kleinen Umweg über den nächsten Biergarten, durch die noch warme Luft wieder nach Hause zu radeln?

Der Spaß am Velo wird einem allerdings kräftig verleidet durch die unterirdische Optik, die den konfektionierten Fahrradmarkt beherrscht. Da trägt man schon einen Anzug von der Savile Row oder aus Neapel, Hemden von der Jermyn Street und Schuh von Tricker's und dann das: billig verarbeitete Rohre mit übergroßem Querschnitt, plumpe Rahmen mit unsäglicher Geometrie, grobe Reifen auf ebensolchen Felgen und eine Ausstattung, die vielleicht das Herz jedes Verkehrspädagogen höher schlagen lässt, deren brachiale Klobigkeit jedoch selbst das filigranste Rad in ein monströses Ungetüm verwandeln würde.

Schuld an dem Desaster ist die unsägliche Mode so genannter Trekkingbikes, die den Radmarkt seit gut zwei Jahrzehnten überschwemmen. Produziert werden diese trostlosen Massenprodukte zumeist in Fernost und erhalten dort im günstigsten Fall den Aufkleber einer ehemaligen europäischen Traditionsmarke.

In ihrer Not greifen viele verzweifelte Radler zum Hollandrad. Doch ein Hollandrad ist schwer und seine Geometrie macht es unmöglich, schneller als Schrittgeschwindigkeit zu fahren. Hollandräder sind etwas für Studentinnen, die damit im Sommerkleid zum Markt radeln, um in ihrem Lenkerkörbchen dekorativ Tomaten, Salat und Schnittblumen zu arrangieren.

Italienische Rahmen, in Deutschland regensicher gemacht

Dennoch gibt es Rettung für den stilbewussten Pedalisten. Jenseits des Mainstreams der Radindustrie sind in den letzten Jahren eine Reihe kleiner Fahrradfirmen entstanden, die alte Rahmenbautraditionen fortführen oder, beeinflusst von der Modewelle der Fixie-Bikes, alte Handwerkskunst mit modernen, klaren und nüchternen Designs verbinden.

Ein herausragendes Beispiel hierfür ist das Berliner Label Bella Ciao. Es wurde 2009 von Matthias Maier gegründet. Der war zuvor Manager in einem IT-Unternehmen. Bei einem beruflichen Aufenthalt in Italien entdeckte er in einem alten Fahrradgeschäft in der Nähe von Mailand ein Rad in bester Tradition italienischer Radbaukunst, das ihn spontan begeisterte.

Entnervt von seinem Job und auf der Suche nach einer neuen Perspektive beschloss Maier diese herrlichen italienischen Kunstwerke, wie sie im Grunde seit 80 Jahren unverändert produziert werden, nach Deutschland zu importieren. Allerdings zeigte sich bald, dass die italienischen Räder den deutschen Witterungsbedingungen nicht gewachsen waren. Kurzerhand ließ Maier in Italien eigene Rahmen produzieren - und in Deutschland regensicher lackieren.

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