Dienstag, 19. März 2019

Fahrräder für Individualisten Purismus zwischen Retro und Moderne

Fahrräder: Schicke Modelle für Individualisten
Bella Ciao

2. Teil: Der Schrottplatz als Alternative

Die Räder von Bella Ciao - der Name entstammt dem Refrain eines alten Partisanenliedes - glänzen durch eine gelungene Mischung aus modernen Designelementen, klassischer italienischer Rahmengeometrie und traditioneller Handwerkskunst. Hergestellt werden die Rahmen in einer kleinen Manufaktur in der Nähe von Treviso in Venetien und dann in Sachsen-Anhalt lackiert und zusammengeschraubt.

Heraus kommen dabei so wunderschöne Objekte wie das "Ingegnere", das es stilecht mit einem Gang oder mit verschiedenen Schaltlösungen gibt. Der Rahmen ist aus Columbus-Rohren gefertigt, der Sattel kommt von Brooks aus England.

Ebenfalls auf die Verbindung von italienischer Stahlrahmenkunst und einem Design, das angenehm zwischen Retro und Moderne changiert, setzen die Macher von Abici. Das in Viatana (Mantua) ansässige Unternehmen wurde 2006 von Giuseppe Marcheselli, Stefano Seletti und Cristiano Gozzi gegründet, angeregt von einem alten Katalog aus den 50er Jahren.

Inzwischen produziert Abici 1200 ihrer klaren und puristischen Räder im Jahr. Gelötet werden die Rahmen in einer wieder ins Leben gerufenen Manufaktur der Nähe von Padua. Das Ergebnis ist etwa das herrliche "Sveltina Uomo", eine Mischung aus Touren- und Rennrad, derzeit erhältlich in drei Farbtönen, ausgestattet mit hochwertigen Komponenten, einer 8-Gang-Schaltung und natürlich einem Sattel von Brooks.

Pashley produziert seit 1971 die Diensträder der Royal Mail

Überhaupt gilt: Gleichgültig in welchem Lebensbereich, ob Sportwagen, Anzüge, Hemden oder Schuhe: wenn nicht Italien dann England. Vielleicht sogar umgekehrt. So auch bei Fahrrädern. Seit 1926 produziert Pashley Räder in Stratford-upon-Avon, der Geburtsstadt Shakespeares - britischer geht's nimmer. Selbstredend werden Pashley-Bikes auch tatsächlich in Stratford-upon-Avon gefertigt und nicht irgendwo in den Weiten des Commonwealth. Anfangs produzierte Pashley vor allem Transporträder für Eisverkäufer und Lieferanten und seit 1971 die Diensträder der Royal Mail.

Das Design hat sich seit der Firmengründung durch William Rathbone Pashley nicht wesentlich verändert. Wunderbare, schlanke Stahlrohrrahmen mit weitem Radstand und hocheleganter Ausstattung - eine rollende Absage an die hässliche Alu-Optik der Massenware. Ihr Vollendung findet diese Ästhetik in dem "Guv'nor", das auf einem Bahnrad der 30er Jahre basiert und neben der klassischen Variante ohne Schaltung auch mit 3 Gängen lieferbar ist.

Wem das alles zu nostalgisch ist oder zu museal, der ist bei modernem skandinavischen Design gut aufgehoben, wie es Cyklemageren aus Kopenhagen liefert. Gründer und Chefdesigner des seit 1996 existierenden Unternehmens ist Rasmus Gjesing. Dessen Grundidee waren Räder in einem modernen Design, die vollständig unter einem Dach gefertigt werden - ohne Zukäufe gängiger Komponenten. An einem "Cyklemageren" ist, von der Pedale über den Bremsgriff, alles von Cyklemageren. Zudem wird jedes Rad individuell bei Bestellung gefertigt. Dafür ist bei der Farbwahl, angefangen beim Rahmen über die Schutzbleche bis zur Klingel, alles möglich.

Für all jene, denen die bisher vorgestellten Räder zu extravagant sind, zu prätentiös oder auch nur zu teuer, bleibt noch eine einfache, aber effektvolle Möglichkeit: Beim nächsten Schrottplatz, bei Ebay oder im heimischen Radkeller nach einem schönen, alten italienischen Rennstahlrahmen von Gios, Pinarello, Colnago und Konsorten Ausschau halten und mit modernen Komponenten zu einem eleganten Stadtflitzer umbauen. Das sieht nicht nur fantastisch aus und ist wirklich individuell, sondern auch noch selbst gemacht. Kaufen kann schließlich jeder.

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