Von Arne Gottschalck
mm: Herr Storck, ein Fahrrad, das sind zwei Räder, ein Rahmen und eine Lenkstange - einverstanden?
Storck: Nein, es ist viel mehr. Ein gutes Fahrrad, das sind gutes Design und gute Technik gleichermaßen. Beides wollen die Leute, es ist nicht so, dass sie nur das eine oder das andere kaufen.
mm: Ist Fahrradtechnik denn so schwierig?
Storck: Im Autobau rechnet man zu Beispiel bei der Gewichtsersparnis in 100-Kilo-Schritten. Bei der Formel 1 sind es 100-Gramm-Schritte. Und bei Fahrrädern Schritte von einem Gramm. Nehmen wir einmal ein Beispiel. Wir haben einen neuen Zeitfahrrahmen entwickelt.
mm: Für das Rennen gegen die Uhr?
Storck: Genau. Dort sind die Bremsen so in den Rahmen integriert, dass wir an deren Gewicht haben sparen können. Statt 150 Gramm wiegt eine Bremse dann nur noch 50 Gramm.
mm: Ist das dann noch ein Fahrrad für jeden Tag?
Storck: Im Prinzip für jeden Kunden, aber nicht für jeden Tag.
mm: Sprechen wir nochmals etwas über die Technik, was lässt sich da heutzutage machen?
Storck: Die Luft ist inzwischen sehr dünn geworden. Aber mit viel Arbeit gelingt es uns immer wieder, unseren Vorsprung zu halten. Ich mache es mal etwas deutlicher. Bei Rennradrahmen wird inzwischen ein Steifigkeitsgewichtsquotient errechnet, der die Relation zwischen Steifigkeit und Gewicht auf zusammenfasst. Steifigkeit kann jeder - und leicht kann auch jeder. Aber die Kombination aus beiden Faktoren, das ist die Königsdisziplin der Konstruktion.
mm: Lassen Sie mich raten - Sie können es?
Storck: In aller Bescheidenheit, ja. Das bestätigen auch externe Bewertungen, wir haben mit unseren Rennradrahmen etliche Preise von Fachmagazinen gewonnen. Inzwischen beraten wir übrigens sogar Autohersteller - soviel zum Vorurteil der anspruchslosen Fahrradtechnik.
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