Montag, 10. Dezember 2018

Korruption "Lieber wird ein Verkehrssünder verfolgt"

4. Teil: "Da gab es den Gerhard Glogowski"

An einem Beispiel sind die Verflechtungen besonders deutlich zu machen. Da gab es den niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Glogowski.

Der war nicht nur Politiker, sondern auch Mitglied des Aufsichtsrats der Braunschweigischen Kohlebergwerks AG und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stadtwerke Braunschweig. Deshalb kam er jedoch nicht in die Schlagzeilen - sondern im Jahr 1999 wegen anderer "Lappalien".

 Gerhard Glogowski gibt am 26. November 1999 vor Journalisten in Hannover seinen Rücktritt als niedersächsischer Ministerpräsident bekannt (Archivfoto vom 26.11.1999)
REUTERS
Gerhard Glogowski gibt am 26. November 1999 vor Journalisten in Hannover seinen Rücktritt als niedersächsischer Ministerpräsident bekannt (Archivfoto vom 26.11.1999)
Für seine Hochzeitsfeier lieferten die beiden Brauereien Wolters und Feldschlösschen das Bier, und eine andere Firma spendierte den Kaffee. Über den Vorstand des Reiseunternehmens Tui Börsen-Chart zeigen buchte Glogowski vom 31. März bis 14. April 1999 eine Hochzeitsreise in den Robinson-Club von Hurghada in Ägypten.

Die Rechnung für den Flug in Höhe von 1654 Mark bezahlte Glogowski erst nach einigen Wochen, nachdem bei ihm ein Kabinettsmitglied nachgefragt hatte. In Widersprüche verstrickte sich sein Regierungssprecher Jürgen Koerth zur Abrechnung des Besuchs auf Einladung des ägyptischen Tourismusministers vom 11. bis 13. Oktober 1999 in Kairo.

Höhepunkt war ein Besuch der Oper "Aida" an den Pyramiden. Den Flug hatte die Tui bezahlt und nicht in Rechnung gestellt.

Koerth beteuerte zwei Tage lang, man habe wiederholt Rechnungen angemahnt. Als Tui und deren Mutterkonzern Preussag entschieden dementierten, gab Glogowski die falschen Darstellungen zu. Die Flugkosten wurden erst später bezahlt.

Auch bei einer offiziellen Polenreise mit Unternehmern am 19. Juli 1999, die zunächst von der Norddeutschen Landesbank (NordLB) finanziert wurde, forderte die Staatskanzlei erst sehr viel später am 1. November eine Rechnung an.

Bei der Abrechnung eines Opernbesuches in Wien gab es nach internen Informationen ebenfalls Unregelmäßigkeiten. Die Eintrittskarten für Glogowski und Ehefrau und vier weitere Gäste hatte die Salzgitter AG Börsen-Chart zeigen besorgt.

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH