03.02.2009
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Starfotograf Jochen Blume

"Fotografie ist brutaler geworden"

Von Anja Tiedge

3. Teil: Grauenvolles Erlebnis bei den Beatles

mm.de: Würden Sie unter diesen Umständen heute wieder Fotograf werden?

Kennedys "Ich bin ein Berliner"-Rede: Blumes wohl bekanntestes Bild
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Jochen Blume

Kennedys "Ich bin ein Berliner"-Rede: Blumes wohl bekanntestes Bild

Blume: Ja, immer. Aber wahrscheinlich würde ich mit meiner Art, Fotos zu machen, kein Geld mehr verdienen.

mm.de: Welche Eigenschaften müssen gute Fotografen Ihrer Meinung nach mitbringen?

Blume: Sie müssen schrecklich neugierig sein. Und kunstinteressiert. Sie sollten zum Beispiel ein Faible für die Malerei haben. Sich die Porträts der Alten Meister anschauen und sehen, wie sie damals gemalt und mit Licht gearbeitet haben.

mm.de: Kann man von der Malerei auf die moderne Fotografie schließen?

Blume: Ja. Ich bin der Meinung, dass die heutige Fotografie gelinde gesagt stillsteht. Die Impulse kommen vielmehr von Malern wie Neo Rauch und Gerhard Richter.

mm.de: Neugier und Kunstinteresse ist also alles, was man als Profifotograf mitbringen muss?

Blume: Und natürlich Selbstbewusstsein. Den Spruch meiner Urgroßmutter "Wer sich für einen Pfannkuchen ausgibt, wird für einen Pfannkuchen gegessen" habe ich verinnerlicht. Ich würdige natürlich die Leistung bestimmter Personen - aber ich gehe vor keinem in die Knie. Ich hatte auch nie ein Idol. Die Musik der Beatles fand ich damals toll, aber diese Anhimmelung von Popidolen kann ich einfach nicht nachvollziehen.

mm.de: Haben Sie die Beatles fotografiert?

Blume: Ja. Das war ein grauenvolles Erlebnis. Ich saß drei Meter vor den Boxen - mehr brauche ich dazu ja nicht zu sagen. Mir sind jedenfalls die Ohren weggeflogen, auf so etwas war ich nicht vorbereitet. Von vorne kam die laute Musik, von hinten das Schreien und Kreischen der Fans.

Jochen Blume: "Vom richtigen Moment. Bildgeschichten eines Fotoreporters."; Books on Demand GmbH, April 2008, 192 Seiten, 22,00 Euro Buch bestellen

mm.de: Mittlerweile werden die Fotoapparate, mit denen Sie damals täglich arbeiteten, im Museum ausgestellt. Dafür haben kleine und leichte Digitalkameras den Alltag erobert; Bilder sind zum Massenprodukt geworden. Hat die Fotografie dadurch Ihrer Meinung nach an Glaubwürdigkeit eingebüßt?

Blume: Nein, das denke ich nicht. Prinzipiell gilt ja, dass eine Fotografie noch nie glaubwürdig gewesen ist. Es ist ein Fehler, zu sagen, dass dieser Glasklotz namens Objektiv auch objektiv etwas abbildet. Eine Fotografie ist lediglich eine Stellungnahme eines Einzelnen.

Aber man hat heutzutage natürlich viel mehr Möglichkeiten, ein gutes Bild zu machen. Auch dem Künstlerischen sind keine Grenzen mehr gesetzt. Ich habe mir auch so eine kleine Kamera gekauft, um das mal auszuprobieren. Innerhalb von zwei Tagen habe ich bei Luftaufnahmen in Dänemark 1600 Bilder geschossen, die auf zwei kleine Chips gepasst haben. Unglaublich. Aber diese Auslöseverzögerung ist schrecklich. Du drückst drauf, und es passiert viel zu lange nichts. Das macht mir Probleme.

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