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manager magazin



08.04.2006
 

Roman

Schlecht beraten

Von Klaus Ahrens

Stephan Scholtissek, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Accenture, hat zur Feder gegriffen, einen Wirtschaftsroman geschrieben - und kräftig daneben gegriffen.

Hamburg - Fast immer entsteht Erstaunliches, wenn sich Männer der Wirtschaft der Schönen Literatur verschreiben und Romane verfassen. Bestes Beispiel ist der mittelständische Unternehmer Ernst Wilhelm Händler, der im Bayerischen Wald einen Technologiebetrieb führt und nebenher Bücher verfasst, die kenntnisreich und stilistisch auf Höchstniveau aus dem Manageralltag berichten. Und von der Kritik jeweils allerbeste Noten bekommen.

  Stephan Scholtissek ,  Sprecher der Geschäftsführung bei Accenture Deutschland
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Stephan Scholtissek,
Sprecher der Geschäftsführung bei Accenture Deutschland

Aber die Kunstübung des Wirtschaftsmannes kann auch erstaunlich daneben gehen. So jetzt geschehen im Roman "Stromland", verfasst von Stephan Scholtissek, Deutschland-Chef der Beratungsfirma Accenture.

Der schickt seinen heillos hölzernen Helden Sven Laufer, Berater wie sein Erfinder, im Jahre 2020 in eine Welt, in der die Staaten Fruchtland oder Flutland heißen, die Städte Seestadt, Glasturmstadt oder Hilfoding. Und unschwer als Metropolen des Problemstandortes Deutschland, im Roman Stromland geheißen, zu erkennen sind.

Das hatte Laufer vor 20 Jahren verlassen, auf der Flucht vor wirtschaftlicher Stagnation und mentaler Schwerfälligkeit. Weil er statt "Selbstbewusstsein und Tatendrang" nur "Starre und Mutlosigkeit" erlebte, war er aufgebrochen in das gelobte Fruchtland, leicht als die USA zu erkennen.

Und siehe, nun liest er in der Zeitung, wie sich das Land plötzlich zum Guten gewendet hat. Namenloses Heimweh packt ihn und lässt ihn mit einem Beratungsauftrag in der Tasche die Heimat aufsuchen. Und, oh Wunder, aus dem Jammerland ist ein zukunftsfrohes, servicefreudiges, innovationseifriges Experimentierfeld geworden, in dem die Leistungsträger auf Transrapidzügen heizen und von rechnergeführtem Hotelpersonal umsorgt werden.


Stephan Scholtissek, "Stromland"; Roman, Hoffman und Campe,
208 Seiten, 17,95 Euro.

>>Buch bestellen
Und dem Leser fortwährend mit Benennungen wie PremXLog, StromTelX und TranXTruck traktiert werden, als Ausweis des wirtschaftlichen Fortschritts. Ein zweites Wirtschaftswunder also - die herbeigebetete Zukunft des Standorts.

Denn nur darum geht es dem Autor - um den viel beschworenen Standort Deutschland, seine Probleme und deren Lösung.

Das alles aber wird, wo schon nicht wirklich erlebt, auch gar nicht erzählt, womöglich mit einer kunstvoll konstruierten Geschichte verwoben, sondern mit viel Schlagwortgebimmel im Stil von Leitartikeln und Geschäftsberichten heruntergebetet, immer begleitet von "unbestimmten" oder "vieldeutigen Brummtönen", der meistgeübten Artikulationsweise des Helden Laufer. Oder garniert mit unfreiwilliger Slapstick-Komik wie dieser: "Sven schüttelte den Kopf und schob sich gleichzeitig eine Gabel voll gebratenem Butterfisch in den Mund".

Die Werbezeile vom Verlag Hoffmann und Campe orakelt: "Wie Deutschland bald sein könnte". Nach der Lektüre dieses literarischen Versuchs eher eine Drohung denn ein Versprechen.

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