Freitag, 15. Dezember 2017

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Ein Wirtschaftspsychologe erklärt den Erfolg von SUVs Im gepanzerten Selbst auf die Straße

Die Neuheiten der IAA: Alle paar Meter ein SUV
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Ford

Die robusten SUVs sind für die Autoindustrie eine Bank, das hat sich zuletzt wieder bei der Automesse IAA gezeigt. Aktuell machen sie rund ein Viertel der Neuzulassungen in Deutschland aus.

Was und wer steckt hinter dem Erfolg? Machos am Steuer oder ängstliche Frauen mit großem Schutzbedürfnis? Der Wirtschaftspsychologe Rüdiger Hossiep von der Ruhr-Universität Bochum erklärt das Phänomen.

Frage: Wie lässt sich der Erfolg von SUVs erklären - was zieht die Menschen in diese Autos?

Rüdiger Hossiep: Man kann das Auto als gepanzertes Selbst verstehen. Ich kann mich mit einem SUV stärker von der Außenwelt abschotten und transportiere auch etwas nach außen. Es erzeugt so etwas wie ein Überlegenheitsgefühl. Man sitzt höher, ist vermeintlich für jede Lage gut gerüstet und hat mehr Bodenfreiheit. Die geht aber auch mit überproportionalem Spritverbrauch einher. Denn wenn die Autos einige Zentimeter höher liegen und entsprechend große Stirnflächen haben, sorgt das eben für einen schlechten Cw-Wert.

Der meistverkaufte SUV in Europa ist der Volvo XC60. In Deutschland ist etwa die Hälfte davon nur mit Frontantrieb ausgestattet. So ist man bis auf die Höherlegung - und Sie dürfen in Deutschland nicht ohne weiteres querfeldein fahren - tatsächlich nur vermeintlich für jede Lage gut gerüstet.

Frage: Sind SUV-Fahrer also rücksichtlose Machos und neigen zu Protzerei?

Rüdiger Hossiep: In Teilen stimmt das sicherlich für Fahrer und für Fahrerinnen. Wo Rauch ist, ist in der Regel auch Feuer. Sie können ja mal schauen, was sich prominente Fußballspieler zum Teil für Autos kaufen. Da gibt es durchaus Geländewagen mit acht oder zwölf Zylindern, die auf der Autobahn 40 Liter verbrauchen.

Dieses Segment ist von Autos wie dem BMW X6 begründet worden. Der hat in der Branche den Spitznamen "Berlusconi-Car". Weil das ein völlig sinnfreies Auto ist. Ein riesengroßes Coupé, in das Sie quasi nichts hineinpacken können, das aber zweieinhalb Tonnen wiegt. Diese extrem tiefgelegten Sport-SUVs haben kaum Abrollkomfort und wenig Bodenfreiheit. Warum macht man sowas? Das kann keinen rationalen Grund mehr haben. Das ist weitgehend sinnfrei, außer es geht eben um emotionale Aspekte.

Frage: Viele wollen aber einfach nur bequemer ein- und aussteigen.

Rüdiger Hossiep: Das ist eher ein Scheinargument. Das geht ja mit vielen anderen Autos wie einem Kleinwagen oder einem Van auch. Da können Sie ebenso bequem ein- und aussteigen. Der Mensch ist ja kein rationales Wesen, sondern ein rationalisierendes. Das heißt, er hat immer gute Gründe. Der Trend geht Richtung SUV, und wenn sich Waltraud oder Dieter einen Tiguan kaufen, hätte ich auch gern einen.

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