Freitag, 20. Juli 2018

Ein Wirtschaftspsychologe erklärt den Erfolg von SUVs Im gepanzerten Selbst auf die Straße

Die Neuheiten der IAA: Alle paar Meter ein SUV
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Ford

2. Teil: "Mit dem großen SUV lassen Sie die anderen Leute ziemlich in Ruhe"

Frage: Also eine Art von Herdentrieb?

Rüdiger Hossiep: Im Grunde ja. In Deutschland gilt ja auf der einen Seite der Grundsatz "Bloß nicht auffallen". Und man hat wenig Courage, auch mal ein ganz anderes Auto zu fahren. Da wird auf den Vorgesetzten oder den Nachbarn geschielt. Und auf der anderen Seite existieren Leute, die auf den Putz klopfen und sich nach unten abgrenzen wollen. Das ist aber sehr von der Region abhängig. Wenn Sie hier im Ruhrgebiet einen Porsche fahren, dann müssen Sie damit rechnen, dass er Ihnen beschädigt wird. Im Stuttgarter Raum zum Beispiel finden sich Hotel-Parkplätze, da stehen zu 40 Prozent Porsche.

Frage: Aber es gibt auch handfeste Vorteile?

Rüdiger Hossiep: Ein SUV erzeugt ein gewisses Überlegenheitsgefühl. Es ist leiser und es entkoppelt einen mehr von der Umwelt. Man fühlt sich nicht nur sicherer, das ist auch so. Denn im Falle eines Crashs hat in der Regel derjenige den Vorteil, der das schwerere Fahrzeug hat. Und man ist dem Unbill durch andere Verkehrsteilnehmer weniger ausgesetzt.

Frage: Mit einem SUV kann man sich Respekt verschaffen?

Rüdiger Hossiep: Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass Autofahrer, die an einer grünen Ampel stehen bleiben, umso später vom Hintermann angehupt werden, je größer ihr Auto ist. Fahren Sie mal mit einem Kleinstwagen und anschließend mit einem großen SUV rum. Sie werden völlig andere Erfahrungen im Verkehr machen. Mit dem großen SUV lassen Sie die anderen Leute ziemlich in Ruhe.

Frage: Und auch mit einem kleinen SUV lassen mich dann die anderen Kleinwagen in Ruhe?

Rüdiger Hossiep: Das ist dann wohl die Hoffnung, die die Leute damit verbinden, ja.

Frage: Was gilt denn für diese kleinen SUVs, die sehr erfolgreich sind?

Rüdiger Hossiep: Man versucht hier, den Markt auszudehnen, indem man das Produkt diversifiziert und auf möglichst viele Segmente überträgt. Zum einen haben wir ja den Duft von Freiheit und Abenteuer, den die Autos versprechen. Für die Urban-Cowboys und die Cowgirls vor allen Dingen. Denn es fahren ja auch viele Frauen SUVs. Und zum anderen ein gewisses Schutzgefühl. Bei Frauen würde man wahrscheinlich aus tiefenpsychologischer Sicht interpretieren: Als Frau will man vielleicht nicht überall hinkommen, aber möglicherweise von überall wieder weg kommen können.

Frage: Stehen die SUVs allgemein für ein gewisses Schutzbedürfnis?

Rüdiger Hossiep: Ja und diese Schutzbedürftigkeit dürfte sogar noch zunehmen, denn der Straßenverkehr wird ja immer enger und ruppiger. Autofronten werden in diesem Zuge auch immer aggressiver gestylt. Durch die rauer gewordene Verkehrsumwelt, die Dichte des Verkehrs, höheren Zeitdruck und schnellere Fahrzeuge wird sich der Trend verstärken.

Letztlich ist das eigene Auto ja ein Rückzugsort zum Mitnehmen. Öffentliche Verkehrsmittel bieten dies so nicht, so dass man im doppelten Wortsinn eher angreifbar ist. Auch aus diesem Grund erleben wir eine Renaissance des Individualverkehrs gerade bei Frauen, die sich dann sicherer fühlen.

Peter Löschinger, dpa

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