Dienstag, 20. November 2018

Zukunftspläne der britischen Luxusautomarke "Hybride machen wir nicht" - Rolls-Royce will's gleich ganz elektrisch

Rolls-Royce-SUV Cullinan: Mit reinem Elektroantrieb lassen sich die Briten noch eine Dekade Zeit

Trends als erster besetzen - davon hält sich die Luxusautomarke Rolls-Royce seit jeher lieber fern. Das war bereits bei Nobel-SUVs so: Ende dieses Jahres startet Rolls-Royce die Auslieferung seines Geländegängers Cullinan. Mit dem Wagen hat sich Rolls-Royce ordentlich Zeit gelassen. Erzkonkurrent Bentley verkauft seinen Superluxus-SUV Bentayga bereits seit 2016, auch von Maserati oder Lamborghini gibt es seit einiger Zeit noble SUV-Modelle.

Nun legt sich Rolls-Royce auch bei Elektroantrieben Zurückhaltung auf. "Es gibt eine elektrische Zukunft für Rolls-Royce", erklärte CEO Torsten Müller-Eötvös zwar der Nachrichtenagentur Bloomberg. Doch wann der erste E-Rolls in Serie gehen soll - dazu wollte sich Müller-Eötvös nicht allzu konkret äußern.

Immerhin verriet er so viel: Innerhalb der nächsten zehn Jahre werde es Elektroantriebe bei der Luxusmarke geben. Eines schloss er jedoch aus: Eine Zwischenlösung in Form eines teilweisen Elektroantriebs. "Wir werden keine Hybride machen. Unser Plan ist vollelektrisch. Das kommt in der nächsten Dekade, Schritt für Schritt für Schritt", erklärte der Rolls-Royce-Chef nun. Ein erstes Konzept dazu hat Rolls-Royce schonvor sieben Jahren gezeigt - die Reichweite war allerdings noch alles andere als praxistauglich.

Kein Wunder also, dass Müller-Ötvös am "geliebten Zwölfzylinder"-Aggregat festhalten will "so lange wir können". Und dabei schloss er auch gleich ein paar weitere Dinge aus. Achtzylinder-Verbrennungsmotoren werde es für den Cullinan nicht geben. Damit ließen sich vielleicht die Absatzzahlen steigern, weil solche Autos billiger wären. Doch "das ist nicht das Spiel von Rolls-Royce. Wir bleiben hochexklusiv", gab sich Müller-Ötvös gewohnt selbstbewusst. Die Kunden erwarteten das von der Marke. "Sie wollen ihre eigenen Autos nicht überall sehen. Und deshalb sind sie mehr als glücklich, unserer Preise zu zahlen".

Ein Wagen für die unbeschwerte Fahrt zum Alpen-Chalet

Der neue SUV Cullinan ist mit einem Preis ab 315.000 Euro so teuer wie kein anderes Serien-SUV auf dem Markt. Mit einer Länge von 5,34 Metern und einem Radstand von 3,30 Metern zählt der Cullinan zu den größten seiner Art.

Der wuchtige Auftritt des Wagens sei für seine Kunden wichtig, erklärte Müller-Ötvös in dem Interview. Ein Rolls-Royce brauche Präsenz. Man wolle ohnedies nicht jeden damit zufriedenstellen. Die meisten Vorbestellungen für den Cullinan kämen derzeit aus Nordamerika, gefolgt von Asien und Europa sowie dem Mittleren Osten.

Der Cullinan sei aber kein reines Repräsentationsfahrzeug für die Stadt, bemühte sich Müller-Ötvös um eine Abgrenzung zu Limousinen wie dem Phantom oder dem Wraith. Seine SUV-Kunden wollen das Auto auch abseits befestigter Straßen nutzen - um etwa problemlos zu ihrem Chalet in den Schweizer Alpen zu gelangen.

Im nächsten Jahrzehnt könnten sie das dann auch mit einem vollelektrischen Geländewagen erreichen. Um diesen zu bauen, will Rolls-Royce auch auf Know-How seiner Mutter BMW zurückgreifen - bei manchen Teilen, jedoch nicht im Übermaß. Die BMW-Gruppe wisse, dass Rolls-Royce eine eigene Fahrzeugarchitektur benötige. "Sie verstehen, dass wir super-exklusiv sind und unseren Kunden echten Luxus anbieten." Das sei eben "kein X7, der als Rolls-Royce verkleidet ist. Das würden wir nicht machen", so Müller-Ötvös.

Rolls-Royce sei mit einer Jahresproduktion von etwas mehr als 4000 Fahrzeugen ein kleiner Hersteller. Bei der Entwicklung eines Rolls-Royce-Elektroantriebs sei der Rückgriff auf die Mutter BMW hilfreich. "Anders wäre es uns nicht möglich, unsere Marke zu elektrifizieren", gab Müller-Ötvös zu.

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