Donnerstag, 27. April 2017

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Privatchauffeur contra Taxi Luxus für alle

Chauffeurdienste: Gast in der zweiten Reihe
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Mydriver

Ein teurer Wagen, vorne lenkt ein Chauffeur - Online-Anbieter wittern ein lukratives Geschäft in der Vermittlung von Chauffeurdiensten zum Taxipreis. Auch Sixt mischt mit. Experten zeigen sich eher skeptisch.

München - Wenn eine schwere, dunkle Limousine vorfährt, der Chauffeur nach hinten eilt und dem Fahrgast im Fond die Türe öffnet, dann steigt meist ein wichtiger Politiker, ein angesagter Prominenter oder eine wohlhabende Privatperson aus. Bald sollen es häufiger Banker, Berater oder andere "normale" Berufstätige sein. Neue Anbieter wie die Sixt-Tochter My Driver oder das Berliner Start-up Blacklane wollen den in Deutschland noch als Luxus geltenden Limousinenservice in breitem Stil etablieren - mithilfe von Preisen ähnlich wie im Taxi.

Die Online-Firmen, die nur Fahrten vermitteln statt selbst Fuhrparks zu betreiben, haben vor allem Geschäftsreisende im Blick, denen sie mehr Komfort für das gleiche Geld versprechen. Die Taxibranche gibt sich gelassen angesichts der neuen Rivalen, andere Anbieter von Chauffeurdiensten sind verärgert über die Billigkonkurrenz. Die Internetplattformen suggerierten, man könnte diese Dienstleistung "für einen Appel und ein Ei verkaufen", kritisiert Bernard Rogge von der Vereinigung der Chauffeur- und Limousinenserviceunternehmen Deutschland (VLD). Experten gehen indes nicht davon aus, dass sich mit Kampfpreisen viel Geld verdienen lässt.

My Driver, Blacklane und der in Deutschland noch in den Startlöchern stehende US-Anbieter Uber setzen darauf, dass fast jeder Reisende schon einmal schlechte Erfahrungen im Taxi gemacht hat: unfreundlicher Fahrer, ungepflegtes Auto oder ein unkalkulierbarer Preis, der durch Staus oder gar Umwege laufend höher wird. "Ein schlampiges Taxi ist unser bester Verkäufer", sagt Justus Peter vom Bundesverband der Chauffeur- und Limousinenserviceunternehmen in Deutschland (BCD).

Die Taxibranche stellt zwar in Umfragen regelmäßig fest, dass die Kunden vor allem Wert auf einen freundlichen Fahrer und ein sauberes Auto legen, muss aber einräumen, dass die neuen Konkurrenten ihren schwachen Punkt treffen: die Qualität.

Oberklasse mit Standards

In den noblen Limousinen mit geschultem Fahrer soll das Niveau dagegen immer gleich sein. Blacklane hat einen "Chauffeur-Knigge" zusammengestellt mit Regeln, die in der gesamten Branche gelten. Darin heißt es etwa, dass der Fahrer oder die Fahrerin dunkle Kleidung mit weißem Hemd oder weißer Bluse tragen, nicht im Auto rauchen und den Weg kennen sollen. Sich vorstellen, Gepäck abnehmen, Tür aufhalten, hinten um das Fahrzeug herumgehen, den Gästen Wasser anbieten und kein Gespräch aufdrängen sind weitere Punkte, um die Fahrt in einer Limousine angenehm zu machen.

Bei den Autos selbst soll es sich um ein neueres Modell aus der Oberklasse handeln, sprich: einen Mercedes, BMW oder Audi in dunklen Farben und mit gediegener Ausstattung. E-Klasse, 5er oder A6 sind bei den meisten Chauffeurdiensten üblich, auch Fahrzeuge der sogenannten First Class wie S-Klasse, 7er oder A8 sind beliebt. Wenn der Kunde es wünscht, ist vom Kompaktmodell über den Kleinbus bis hin zum Spezialfahrzeug mit Panzerung oder der Stretchlimousine mit Champagnerkühler alles zu haben.

Die Preise steigen mit der Wagenklasse - vom taxiähnlichen Niveau entfernen sie sich dabei auch bei den Online-Vermittlern rasch. Je größer das Auto, desto edler in der Regel das Interieur. Service rund um die Uhr und überall hin versteht sich für die Limousinenservice-Betreiber von selbst. Um in der stark zersplitterten und hart umkämpften Marktnische zu punkten, bieten manche Firmen außer Autos noch Helikopter oder Privatjets an oder werben damit, dass ihre Chauffeure mehrere Sprachen sprechen oder zusätzlich als Stadtführer ausgebildet sind.

Besonders bei Touristen aus den USA oder Japan sei der Limousinenservice beliebt, berichtet Rogge vom Branchenverband VLD. Und die hätten hohe Ansprüche. Denn gerade in den USA ist das Chauffiertwerden in einem Wagen mit professionellem Fahrer nicht nur für Superreiche an der Tagesordnung. In Deutschland dagegen gilt es als elitär. Der Otto-Normal-Verbraucher hierzulande kenne Limousinenservice nur aus dem Fernsehen, von Politikern oder Stars, "und denkt, er könnte sich das nicht leisten", sagt Jens Wohltorf, Mitgründer und einer der Geschäftsführer von Blacklane.

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