Sonntag, 19. August 2018

Privatchauffeur contra Taxi Luxus für alle

Chauffeurdienste: Gast in der zweiten Reihe
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Mydriver

3. Teil: Konkurrenz der Taxis groß

Autoanalyst Frank Schwope von der Nord LB sieht die Chancen der neuen Anbieter skeptisch: "Ich glaube nicht, dass das ein großer Renner wird." Auf mobile Anwendungen und IT-Buchungssysteme könnten auch Taxis zurückgreifen. "Gegen etablierte Taxiflotten wird man nicht leicht ankommen." Die rüsten angesichts der Konkurrenz durch Limousinenservice und Taxi-Apps auf. Bis Ende des Jahres wollen sich die Taxizentralen aller deutschen Großstädte per Smartphone-Applikation miteinander vernetzen, damit Fahrgäste unterwegs nicht mehr umständlich unterschiedliche Telefonnummern heraussuchen müssen oder gar einen Wagen mit Chauffeur buchen.

Mittel- und langfristig rechnet sich die gesamte Limousinenservice-Branche gute Wachstumschancen aus. "Bei großen Konzernen wird der Fuhrpark zusammengestrichen", sagt Peter vom BCD. "Die Industrie hat sich geändert", berichtet auch Rogge vom Konkurrenzverband VLD, der seit Jahrzehnten im Geschäft ist. "Heute hat vielleicht noch ein Vorstandsvorsitzender einen hauseigenen Chauffeur." Für andere Fahrten würden Limousinen punktuell angemietet oder Taxis benutzt. "Sogar die Bundesministerien haben nicht mehr so viele Fahrzeuge."

Böckenhüser von My Driver verweist darauf, dass die Taxizahlen in Berlin über die letzten Jahre recht konstant geblieben seien, während sich die Zahl der Limousinen von etwa 500 vor zehn Jahren bis heute verdreifacht habe. "In den nächsten Jahren wird die Nachfrage steigen, weil die Firmen sparen wollen und trotzdem auf Qualität Wert legen." Während es für Flüge oder Mietwagen bereits sehr genaue Vorschriften gebe, seien die Regeln für Taxifahrten oft völlig unklar, sagt Böckenhüser. Da könnten sich die Taxikosten schnell auf Millionenbeträge summieren.

Für Konzerne sei Limousinenservice finanziell besser planbar. "Bei uns wird der Preis sofort angezeigt. Wir haben keine versteckten Kosten." Außerdem erkenne die Bestell-Software, wenn zwei Mitarbeiter einer Firma zu einer ähnlichen Uhrzeit zum gleichen Ziel, etwa zum Flughafen, wollten. Auch so lasse sich Geld sparen. "Wir sind im Grund ein Krisenkind", sagt Wohltorf vom Online-Vermittler Blacklane, der 2012 gegründet wurde. Viele Firmen wollten die Kosten senken, ohne bei Komfort und Effizienz der Dienstfahrten Abstriche zu machen. Beschäftigte im Vertrieb oder Mitarbeiter von Banken, Versicherungen, Unternehmensberatungen oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben nicht nur viele dienstliche Termine, sondern müssen auf dem Weg im Wagen arbeiten.

Diskretion hinterm Steuer

Für die meisten Geschäftsreisenden bedeutet Qualität beim Transport in erster Linie Diskretion. Anders als bei Taxis oder Leihwagen zum Selberfahren prangt auf den Chauffeurs-Limousinen keine Werbung. Im Innern gilt das Gebot der Verschwiegenheit. "Die Damen und Herren sitzen im Auto und nutzen es wie eine Telefonzelle", sagt Peter vom Limousinenverband BCD. Was mit wem besprochen wird, soll nicht nach außen dringen, auch wenn der Mann oder die Frau am Steuer meist mithören kann. Welche Prominenten aus Politik, Wirtschaft oder Glitzerwelt wohin gefahren werden, bleibt ebenfalls geheim.

My Driver und Blacklane schweigen sich über ihre Kunden aus; etliche große Firmen sollen bereits regelmäßig bei den Online-Vermittlern buchen. Die beiden neuen Anbieter treten dabei mit recht ähnlichen Geschäftsmodellen auf. Über eine Zusammenarbeit haben Blacklane und My Driver bereits verhandelt, allerdings wurden sie nicht handelseinig. Die Konkurrenz zwischen diesen Unternehmen und ihr Ringen um Marktanteile bringe alle Anbieter unter Druck, befürchten Vertreter von Taxi- und Limousinenbranche und schimpfen unisono über die Kampfpreise der Neuen. Rogge vom VLD sagt, die neuen Anbieter machten oft Verlust, weil ihre Offerten nicht kostendeckend seien. "Klassischer Limousinenservice ist wie Champagner und Kaviar nicht für jedermann zugänglich."

Peter vom Chauffeurverband BCD bemängelt, wenn ein Limousinenservice bei einer Auftragsspitze die Hilfe anderer Firmen brauche, könne er inzwischen manche Subunternehmer günstiger über Blacklane buchen, als wenn er direkt mit ihnen verhandle. Die niedrigen Preise, so glauben die alteingesessenen Anbieter, werden die Neuankömmlinge nicht lange durchhalten. "Das sind nur Werbemaßnahmen. Irgendwann werden sie die Preise hochdrehen oder den Betrieb wieder einstellen", sagt Rogge.

In Berlin habe es in der Vergangenheit bereits Versuche gegeben, das Geschäft mit Flughafentransfers neu aufzurollen, mit Preisen auf Taxiniveau. "Das Ding ist kläglich gescheitert", erinnert sich der Verbandsvertreter. Die Online-Vermittler versichern indes, sie würden ihre Preise nicht erhöhen. "Das ist nicht geplant", betont Wohltorf von Blacklane. "Wir sind für Firmen und Geschäftsreisende nur interessant, wenn wir für günstige Preise stehen", sagt Böckenhüser von My Driver. Beide Unternehmen sehen sich nur als Konkurrenz zu Taxis, nicht zu den Limousinenservice-Betrieben. Letztere seien schließlich ihre Partner, denen sie durch die Vermittlung Zusatzgeschäft böten. So rechne sich das für alle.

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