Montag, 22. Oktober 2018

Privatchauffeur contra Taxi Luxus für alle

Chauffeurdienste: Gast in der zweiten Reihe
Mydriver

2. Teil: Chaffeurdienste per App und Internet buchen

Im Hause Sixt wird die Haute Volée der Kundschaft schon seit längerem von einem exklusiven Limousinenservice umgarnt. Die neue Tochter My Driver, die seit Jahresbeginn am Start ist, richtet sich dagegen an durchschnittliche Reisende, sagt Bastian Böckenhüser, einer der Geschäftsführer. "Wir fokussieren uns auf alle, die Taxi fahren und dabei längere Strecken zurücklegen."

Blacklane hat dieselbe Zielgruppe im Blick: "70 bis 80 Prozent der Kunden sind Geschäftsreisende", sagt Wohltorf. Privatleute, die sich zum Hochzeitstag, zum runden Geburtstag oder für einen besonderen Abend eine Limousine mit Fahrer mieten, sind zwar ebenfalls gern gesehen, aber in der Minderheit.

War der Markt für Limousinenservice bisher vorwiegend von Klein- und Kleinstunternehmern besetzt, die für handverlesenes Publikum ganz diskret tätig waren, verfolgen die neuen Anbieter eine andere Strategie: Sie rühren kräftig die Werbetrommel für den Chauffeurdienst für jedermann, treten als Vermittler von Limousinenservice auf und reichen die Aufträge dann an ihre Partner weiter - eben solche Ein-Mann- oder Mini-Betriebe, die sonst die Branche prägen.

Buchen können die Kunden über Apps, das Internet oder per Telefon. Der Fahrpreis ist fix und wird vorher genannt, bezahlt wird bargeldlos. Zwischen 15.000 und 30.000 Miet-Limousinen sind derzeit Schätzungen zufolge auf Deutschlands Straßen unterwegs und fahren einen Umsatz von etwa einer Milliarde Euro ein. Die rund 60.000 Taxen kommen demnach auf circa drei Milliarden Euro. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es etwa 220.000 Leihwagen zum Selberfahren und insgesamt 43 Millionen Pkw. Chauffeurdienste sind da eine Nische, die mit etwa 8000 bis 10.000 Unternehmen bereits dicht besetzt ist.

Broker vermitteln an Kleinstbetriebe

Das Geschäft laufe momentan wegen der Krise und der wachsenden Sorgen nicht gut, sagt Peter vom Chauffeurserviceverband BCD. "Die Branche knickt als erstes ein, wenn die Wirtschaft zurückgeht." Der Markt sei inzwischen eher ein Verdrängungsmarkt. Ist die Servicebranche nach außen stets auf Stil bedacht, herrschen hinter den Kulissen raue Sitten, wie viele Kenner berichten. Man gönne sich gegenseitig wenig und versuche, der Konkurrenz wie auch den eigenen Kooperationspartnern die Kunden auszuspannen. Preise unterbieten gehört demnach zum täglichen Geschäft. Manche Anbieter chauffierten Stars und Sternchen sogar umsonst, um sich Folgeaufträge zu sichern, oder schlicht, um bekannter zu werden.

"Wir haben zu viele Eigenbrötler in der Branche", sagt Verbandsvizepräsident Peter. Es gebe tausende Kleinstbetriebe, die mit wenig Anfangskapital und oft nur einem einzigen Auto ins Geschäft einstiegen - und dazu ein Vielfaches illegaler Anbieter, die nicht die nötigen Zulassungen hätten. Auslastung sei für jeden im Markt ein Problem. "Alle kämpfen um ihr Dasein und machen sich gegenseitig das Leben schwer. Den Kleinen wird nichts anderes übrig bleiben als für die Großen zu fahren", sagt Peter. Die Idee von My Driver und Blacklane, als Broker Fahrten zu vermitteln, findet er gut, denn die Unternehmer litten unter den vielen Leerfahrten.

Anders als Taxis müssen Limousinen mit Chauffeur nämlich laut Gesetz nach einer Tour an ihren Betriebssitz zurückkehren - auf der Straße dürfen sie keine neuen Kunden anwerben. Eine Hälfte der Strecke wird so meist ohne zahlenden Passagier gefahren - was Zeit und Geld kostet. Die Online-Anbieter können mit ihren mobilen Buchungsmöglichkeiten gleich während der Fahrt neue Aufträge übermitteln. So werde versucht, den Limousinenservice weniger schwerfällig zu machen, lobt Matthias Schmidt vom Taxiverband Deutschland. "Aber die Verfügbarkeit des Taxis ist im Moment noch unschlagbar. Ich sehe das Taxi noch klar im Vorteil."

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