Mittwoch, 24. Januar 2018

Autopremieren in Pebble Beach Im Spielzeugladen der Superreichen

Pebble Beach: Die teuersten Sportwagen der Welt
Fotos
Tom Grünweg

Die Nachfrage nach Luxusautos steigt. Immer neue Kleinserien und Sondermodelle beflügeln das Geschäft. Die schillerndsten Blüten des Trends zeigen sich auf einem Golfplatz in den USA - beim Concours d´Elegance in Pebble Beach.

Monterey - Vor dem Hotel stehen drei Ferraris, zwei Lamborghinis und vier Bentleys. An jeder zweiten Straßenecke begegnet man einem Rolls-Royce. Und sechs verschiedene McLaren P1 sieht man auch nicht alle Tage. Willkommen auf der Halbinsel Monterey in Kalifornien beim Concours d'Elegance von Pebble Beach. Zwar dreht sich bei dem Auto-Schönheitswettbewerb auf dem Golfplatz, der am vergangenen Wochenende zum 64. Mal ausgetragen wurde, eigentlich alles um die edelsten Oldtimer der Welt.

Doch wo reiche Sammler und leidenschaftliche Autoliebhaber zusammenkommen, halten die Hersteller mit neuen Supersportwagen und Luxusmodellen nicht hinter dem Berg.

Bugatti etwa hat am Concours-Wochenende den fast drei Millionen Euro teuren Veyron "Ettore Bugatti" enthüllt. Der auf drei Exemplare limitierte Wagen mit poliertem Aluminium am Bug und schwarzem Sicht-Carbon am Heck schließt die "Legenden"-Reihe ab, mit der die VW-Tochter sechs Persönlichkeiten aus der Markengeschichte ehrte.

McLaren: Haste was, biste was

Ähnlich exklusiv und teuer wie der 882 kW/1200 PS starke Bugatti ist der McLaren P1 GTR. Dieser Supersportler bekommt laut Projektleiter Paul Mackenzie für den Einsatz auf der Rennstrecke eine schnittigere Karosserie, wird um 100 Kilogramm erleichtert und fährt mit einem rund 735 kW/1000 PS starken Plug-in-Hybridantrieb. Wer ab Sommer 2015 eines der etwa 30 Exemplare haben möchte, muss nicht nur knapp 2,5 Millionen Euro überweisen, sondern schon mit einer guten Million in Vorlage gegangen sein: Kaufen darf den P1 GTR nur, wer schon einen normalen P1 bestellt hat, erlärt Mackenzie.

Aber im Wesentlichen geht es beim Concours d'Elegance ja um Oldtimer - und da passt eine Pebble-Beach-Premiere von Jaguar wohl am besten: Neben dem auf 250 Exemplare limitierten und etwa 170 000 Euro teuren Project 7 auf Basis des F-Type Cabrio und dem 404 kW/550 PS starken Range Rover Sport SVR als stärkstem Geländewagen in der Geschichte der Schwestermarke Land Rover stellte Jaguar den Lightweight E-Type vor.

Als Nachbau eines legendären Rennwagens von 1963 schlägt der 250 kW/340 PS starke und dank einer Aluminium-Konstruktion nur rund eine Tonne schwere Zweisitzer die Brücke zwischen Neuwagen und Klassiker. Und der Wagen erfüllt auch sonst alle Kriterien, die in Pebble Beach wichtig sind: Mit nur sechs geplanten Exemplaren ist er sehr selten und mit einem Preis von knapp zwei Millionen Euro extrem teuer.

Kleine Produktionszahlen gesucht

Doch im Grunde genommen sind all diese Neuheiten keine ganz neuen Modelle: Der McLaren P1 GTR ist wie der ebenfalls beim Concours enthüllte Lamborghini Huracán Super Trofeo die Rennversion eines Serienmodells. Der Jaguar ist ein nachgebauter Oldtimer, der Range Rover eine Motorvariante und der Bugatti ein Sondermodell. "Aber hier ein bisschen mehr Leistung, dort etwas mehr Luxus und vor allem eine möglichst kleine Produktionszahl - das reicht, um sich von seinen Bekannten im Golf-Club abzuheben und für Aufsehen zu sorgen", sagt Alain Squindo vom Auktionshaus RM.

Squindo glaubt, dass es solche Modelle sind, mit denen seine Branche in drei oder vier Jahrzehnten ähnliche Rekorderlöse erzielen wird wie in diesem Jahr mit vielen Kleinserien-Sportwagen aus den 60er Jahren. Seine Kollegen von Bonhams etwa haben am Wochenende einen Ferrari 250 GTO von 1962 für 38,1 Millionen Dollar versteigert und damit den höchsten Auktionspreis aller Zeiten erzielt. Das Auto ist ein Mix aus Straßen- und Rennwagen und wurde keine 40 Mal gebaut.

Experten für Extrawürste

Waren solche Kleinserien zuletzt meist Sache von Karosseriebauern und Tunern, engagieren sich die Hersteller hier nun verstärkt selbst. Überall werden Experten für Extrawürste etabliert, für die Individualisierung nicht bei Lack und Leder endet. Die Jaguar- und Land-Rover-Neuheiten aus Pebble Beach stammen aus dem neu gegründeten Bereich "Special Vehicle Operations" mit etwa 750 Beschäftigten. "Der Drang nach Individualität bei den Kunden ist größer denn je. Und mit den modernen Konstruktions- und Fertigungsverfahren sind wir heute viel flexibler", sagt Bereichsleiter John Edwards.

Ein weiteres Beispiel ist ein Projekt von Aston Martin: der Lagonda. Für das Comeback der britischen Luxusmarke entsteht laut Hersteller auf der aktuellen Sportwagenplattform eine Luxuslimousine, die von Hand in Kleinserie gebaut wird und auf Augenhöhe mit Bentley oder Rolls-Royce fahren soll. Dieses millionenschwere Exklusivmodell hätte wohl auch gut nach Pebble Beach gepasst - der neue Lagonda soll vorerst nur in den Emiraten angeboten werden. Auf einem US-Event hatte er deshalb nichts verloren.

Für die exklusiven Kleinserienmodelle müssen die Autobauer zwar teils kräftig investieren. Aber das zahlt sich aus. Denn was Sammlerstücke wie den Bugatti Veyron "Ettore Bugatti", den McLaren P1 GTR oder Jaguars Lightweight E-Type anbelangt, sitzen die Scheckbücher der Superreichen so locker, dass Spätentschlossene überall die gleiche Antwort bekommen: "Sorry, leider schon alle ausverkauft."

Thomas Geiger, dpa

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