Mittwoch, 13. Dezember 2017

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Das Stoffdach für Cabrios kommt wieder Die reinen Roadsters sind zurück

Cabrios: Nach dem Sommer ist vor dem Sommer
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TMN

Nach dem Sommer ist vor dem Sommer: Als BMW-Designchef Adrian van Hooydonk vor ein paar Wochen beim Concours d'Elegance in Pebble Beach das erste Mal das Tuch vom nächsten Z4 zog, wollte er die Spannung zwar noch hochhalten und den Roadster in seiner ganzen Offenheit zeigen. Doch seine Techniker haben ihm die Überraschung längst verdorben: Wenn die Studie im nächsten Sommer in Serie geht, so bestätigen es die Ingenieure in München, wird der Z4 kein Klappdach aus Kunststoff mehr haben, sondern zur Stoffmütze zurückkehren.

Auch bei Mercedes ist unter der Hand zu hören, dass der nächste SL künftig die Klappe halten und wie früher wieder ein Textilverdeck bekommen wird. Und das Ende von Hartschalen-Cabrios wie dem VW Eos, dem Peugeot 307 CC, dem Nissan Micra oder dem offenen Ford Focus kommt auch nicht von ungefähr.

Als das versenkbare Hardtop in den 1990ern nahezu zeitgleich im Peugeot 206 CC und im Mercedes SLK in Serie ging, war das eine Innovation, die schnell die Runde machte. "Erstens, weil es neu und spektakulär aussah, wenn sich die Hartschalen auf Knopfdruck in einem elektrohydraulischen Ballett in den Kofferraum gefaltet haben", sagt Hans-Georg Marmit von der Sachverständigen-Vereinigung KÜS. "Und zweitens, weil das versenkbare Hardtop aus reinen Sommerautos Fahrzeuge fürs ganze Jahr gemacht hat, die man auch bei Schnee und Regen draußen parken und im Winter auf kuschelige Temperaturen bringen konnte."

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Doch rund 30 Jahre später hat sich das geändert. Denn zumindest technisch haben die Textildächer längst nachgezogen, sagt Audi-Sprecher Josef Schloßmacher: "Temperatur-, Wind- und Geräuschdämmung eines Stoffdaches wie beim A5 Cabrio sind gleich gut oder sogar besser als bei einem versenkbaren Hardtop, und Angst vor Vandalismus muss auch niemand mehr haben." Denn selbst mit Messergewalt sei so ein Dach nicht mehr zu knacken.

Nachdem der Reiz des Neuen längst verflogen ist, sehen die Entwickler offenbar zunehmend die Nachteile der versenkbaren Hardtops: Sie sind in der Regel schwerer als Stoffverdecke, bewegen sich langsamer, brauchen die aufwendigere Mechanik und brauchen mehr Platz im ohnehin schon knappen Kofferraum, sagt Marmit. Die Designer stöhnen, dass sie die Frontscheibe möglichst weit nach hinten ziehen müssen, um die Spannweite zu beschränken, und dass die Heckpartie schnell aus der Form geht, um Platz für das abgelegte Dachsandwich zu schaffen.

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