Mittwoch, 24. Januar 2018

Elektroauto-Extremfahrer Hansjörg von Gemmingen "Ich habe mich gefühlt wie Bertha Benz"

400.000 Kilometer im Roadster: Der Elektroauto-Pionier und sein blauer Blitz
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Freiherr Hansjörg von Gemmingen hat mit seinem Tesla Roadster 400.000 Kilometer zurückgelegt. Unterwegs erlebte der Elektroauto-Pionier kleinere und größere Katastrophen. Doch seinen persönlichen Abschied vom Verbrenner bereut er keine Sekunde.

mm: Herr von Gemmingen, wir hätten uns auch am Telefon unterhalten können, doch nun sind Sie hier in Hamburg. Hand aufs Herz - sind Sie extra für dieses Gespräch aus Karlsruhe gekommen?

Gemmingen: Das Interview ist ein schöner Anlass für eine kleine Rundreise im Norden. Ich muss doch meinem Selbstverständnis als Vielfahrer gerecht werden.

mm: Sie bezeichnen sich als "Privatier" und haben in knapp sechs Jahren 400.000 Kilometer mit Ihrem Tesla Roadster abgerissen. Warum um Himmels Willen tun Sie das?

Gemmingen: Ich hatte schon immer viel Spaß am Fahren. Mein alter Mercedes-Benz hatte 600 Ölwechsel hinter sich und mehr als 600.000 Kilometer auf dem Tacho, bevor er in Rente ging.

mm: Schon mit dem Benziner sind häufige Langstreckenfahrten nicht jedermanns Sache. In einem Tesla Roadster, der eine Reichweite von gut 300 Kilometern hat, dürfte eine zusätzliche Portion Leidensfähigkeit erforderlich sein.

Gemmingen: Vordergründig betrachtet war der Umstieg ein Rückschritt. Aber die Technik hat mich fasziniert. Auch die eigenen Abgase, die ins Fahrzeug hinein gelangen, gehören jetzt der Vergangenheit an. Außerdem suchte ich nach einer Herausforderung. Es ist langweilig, immer dasselbe zu tun. Und schließlich werden Technik und Infrastruktur ja stetig besser.

mm: Das Netz von Schnellladestationen ist immer noch kümmerlich ausgebaut.

Gemmingen: Es hat sich verbessert, aber in den ersten Jahren habe ich mich wie Bertha Benz gefühlt, die unterwegs an der Apotheke Benzin für ihren Patent-Motorwagen nachkaufen musste. Ich habe dann einen Blick für Orte entwickelt, an denen ich schnell laden kann. Gut sind beispielsweise Hotels und Restaurants, die über eine Müllpresse verfügen. Dort gibt es meistens einen Starkstromanschluss. Geholfen hat mir auch, dass ich in einem landwirtschaftlichen Betrieb großgeworden bin. Daher weiß ich, welche Bauernhöfe über den notwendigen Anschluss verfügen.

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