Mittwoch, 22. November 2017

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Von Rolls-Royce bis Renault So individualisieren die Hersteller ihre Autos

Teurer Geschmack: Wie Kunden ihre Autos individualisieren können
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TMN

Weil noch immer kaum ein Produkt so emotional aufgeladen ist wie das Auto, kommen die Hersteller den Kunden mit reichlich Möglichkeiten zur individuellen Anpassung entgegen. Ein gewisser Finanzrahmen kann dabei nicht schaden, ist aber längst kein Muss mehr.

Mr. Li hat gut lachen. Als einer der reichsten Männer in England kann er sich seinen eigenen Geschmack leisten. Und er hat die Mittel dazu, ihn auch umzusetzen. Er hat sich gerade von Rolls-Royce einen Phantom zum Einzelstück umbauen lassen und besitzt jetzt mit dem angeblich über zehn Millionen Euro teuren "Sweptail" den vermutlich teuersten Neuwagen der Welt.

"Besondere Kunden verlangen nach besonderen Autos", rechtfertigt Designchef Giles Taylor den immensen Aufwand, der für Rolls-Royce aber eine gute Tradition sei. Denn erstens seien in den Gründertagen des Automobils alle Luxuslimousinen von sogenannten Coachbuildern individuell eingekleidet worden. Und zweitens gebe es keine andere Marke, die derart ausgeprägte Persönlichkeiten als Kunden habe wie Rolls-Royce.

Vielleicht hat Taylor damit sogar recht. Doch das Bedürfnis, sich selbst mit einem Massenprodukt aus der immer größeren und dichteren Masse abzuheben, haben nicht nur die Superreichen. In einer Zeit, in der man selbst seine Turnschuhe am Computer individualisieren kann und jeder sein Smartphone mit Hüllen und Hintergrundgrafiken selbst gestaltet, wollen die Kunden ihren Geschmack und ihre Persönlichkeit auch im Auto wiederfinden, sagt Renault-Designchef Laurens van den Acker - selbst, wenn sie nicht ganz so vermögend sind wie Mr. Li.

So gibt es nicht nur immer mehr Kombinationsmöglichkeiten für Farben, Zierteile und Dekorelemente bis hinunter zu Kleinwagen wie Renault Twingo oder Nissan Micra. Sondern auch diesseits von Rolls-Royce und Bentley, McLaren oder Maserati boomen die so genannten Bespoke- oder Individualisierungsabteilungen, in denen Heerscharen von Handwerkern den Kunden für hohe Aufpreise exklusive Extrawürste braten.

Diese Abteilungen gibt es zwar auch bei Mercedes, Audi Börsen-Chart zeigen, Porsche Börsen-Chart zeigen oder BMW Börsen-Chart zeigen schon lange. Doch ihr Arbeitspensum wird von Jahr zu Jahr größer. "Mittlerweile wird bei uns zum Beispiel beinahe jeder zweite Porsche 911 individualisiert", sagt Boris Apenbrink, der die gerade gründlich erweiterte Exclusive Manufaktur von Porsche leitet. Darunter sind dann zwar auch ein paar Autos, mit denen die 180 Spezialisten 50, 60 Stunden zu tun haben und dann schnell mal sechsstellige Beträge auf die Rechnung schreiben. Doch oft reichen schon Kleinigkeiten für wenige hundert oder tausend Euro aus, um den Geschmack des Kunden noch besser zu treffen, so Apenbrink.

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