Montag, 29. August 2016

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Smart-Chefin Annette Winkler "Innovation wird immer getrieben von Unzufriedenheit"

Lust auf Neues: Smart-Chefin Annette Winkler in einem Smart Brabus tailor made

Wie kann eine Kultur der stetigen Erneuerung gelingen? Das Philosophiemagazin "Hohe Luft" sprach mit Smart-CEO Annette Winkler über die schwierige Kunst, Innovation zu fördern.

Frage: Frau Winkler, warum misslingen Innovationen in Unternehmen eigentlich so oft?

Winkler: Innovation wird immer getrieben von Unzufriedenheit. Entweder mit etwas Bestehendem, das man verbessern will, oder mit etwas, das einen herausfordert, weil es in der Zukunft Probleme erwarten lässt. Und immer wenn es um die Zukunft geht, muss man Neuland betreten - und experimentieren. Das heißt, dass man erst einmal sehr viele Ideen braucht, von denen man die meisten wieder zur Seite legen muss, um zum Schluss einige wenige übrig zu behalten, die einen wirklich nach vorn bringen. Es ist ganz einfach: Ohne den Mut, Neues anzugehen, obwohl Ideen auch immer wieder scheitern können, gibt es keine Innovation.

Frage: Wie stellt sich das bei Ihnen dar? Welche Erfahrungen haben Sie bei der Marke Smart mit Innovationen gemacht?

Winkler: Smart hatte von Beginn an einen großen Innovationsfaktor in den Genen. Sehr früh, schon in den 90er-Jahren, haben die Gründer der Marke bei Daimler eine Herausforderung im Bereich der Mobilität erkannt, die damals noch kaum gesehen wurde. Es ging darum, das Auto neu zu erfinden - und zwar so, dass es der "Herausforderung Stadt" gerecht werden kann. Für solche grundlegend neuen Ideen ist es auch wichtig, innovativ in der Art seiner Mitarbeiteransprache zu sein - und daraus ergeben sich dann wieder ganz andere Innovationen. Für mich heißt Innovation also eben auch, ein neues Führungskonzept zu etablieren, genauso wie in einem bestehenden Auto ein neues Sicherheitskonzept zu installieren. Insofern ist die entscheidende Frage für mich stets: Wie gelingt es, im Unternehmen Innovation als Haltung aufzubauen?

Frage: Woher weiß man, ob das, was man in Frage stellt, für die Menschen auch wirklich relevant ist und die Innovation somit erfolgversprechend?

Winkler: Man muss sich sehr intensiv mit der Situation auseinandersetzen, in der man sich befindet, und so die großen, relevanten Themen erkennen. Bei Smart sind das beispielsweise: Urbanisierung, Individualisierung, Platzmangel, Zeitmangel, Nachhaltigkeit, Elektromobilität ... Und dann braucht es eben Unternehmertypen, die einen starken Impuls verspüren, weil sie genau zuhören und sich ausgiebig mit diesen Themen beschäftigen. Aus diesem Impuls heraus sehen sie dann etwas voraus, von dem sie sagen: Hierzu brauchen wir unbedingt das passende Produkt

An dieser Stelle besteht heute ein großes Risiko: Die immer größere Komplexität, die Hektik durch immer mehr Impulse und eine überbordende Kommunikation sowie eine räumlich und zeitlich fast unbegrenzte Erreichbarkeit führen beinahe zwangsläufig dazu, dass Führungspersönlichkeiten sich immer weniger Zeit nehmen können, um sich mit Muße und Tiefgang mit den zukünftigen Herausforderungen und den daraus für ihren Verantwortungsbereich gewonnenen Erkenntnissen auseinanderzusetzen.

Genau das ist aber die Grundvoraussetzung, um Impulse für Innovationen zu geben und die entsprechende Kultur "zum Schwingen" zu bringen. Diese Gefahr und Herausforderung besteht nicht nur bei Managern, sondern meines Erachtens auch in der Wissenschaft, in der Kirche und auch in der Politik. Ein Musikinstrument funktioniert doch auch nur, wenn es neben der Saite zum Spielen auch einen Hohlraum, einen Resonanzkörper hat. Die Zeit zum Denken war und ist für Gründer, Erfinder und Innovatoren absolut maßgeblich. Das geht heute leider häufig unter.

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