Mittwoch, 12. Dezember 2018

Elektroautos Extras statt Reichweite

Elektroautos: Ein aktueller Überblick
TMN

Die Hersteller von Elektroautos lassen derzeit nichts unversucht, der Autofahrernation Deutschland Batterieautos schmackhaft zu machen. Doch Fakt ist: Mit den Stromern kommt man nicht sehr weit. Muss man aber auch nicht, kontern die Autobauer.

Berlin - Es hört sich alles so gut an: Elektroautos stoßen während der Fahrt keine Schadstoffe aus, sie sind dank drehmomentstarker E-Motoren gut im Antritt und sehen meist auch noch avantgardistisch aus - ein wichtiges Merkmal für modebewusste Fahrer.

Allerdings sind die in ihrer Entwicklung sehr teuren Batterievehikel auch ein großes Risiko für die Hersteller: Wie wird der Kunde die Elektroware annehmen? Das ist die Frage der Stunde, denn in den kommenden Monaten planen vor allem deutsche Hersteller eine ganze Reihe neuer E-Autos.

Was in der Branche mit Argusaugen beobachtet wird, ist die Sorge um die Reichweite. Noch ist die Batterietechnologie nicht annähernd soweit, Aktionsradien wie bei Benzin-, geschweige denn Dieselmotoren zu ermöglichen. Derzeit geben die Hersteller theoretische Reichweiten von rund 150 Kilometern, manchmal auch 200 Kilometern an - im Autofahreralltag sind oft nur kürzere Strecken möglich. Letztlich wird die vom Kunden wahrgenommene Praxistauglichkeit aber über das Weh und Wohl der Batterieautos entscheiden.

Die Hersteller müssen kreativ sein, um die Reichweitensorgen zu zerstreuen. In vielen Fällen versuchen sie dabei die Batterie immerhin zu promoten - wenngleich ihre Kapazität dadurch nicht steigt.

Hersteller weiten die Garantie aus

Nissan Börsen-Chart zeigen dehnte jüngst die Garantieleistung auf die Stromspeicher des Leaf aus. Nach fünf Jahren garantieren die Japaner eine Gesamtkapazität von noch mindestens 75 Prozent des Ursprungswertes - bei Neuwagen und bereits verkauften Exemplaren des seit Ende 2010 vermarkteten Kompakten. Und BMW Börsen-Chart zeigen verspricht Ersatz, sollte nur eines der acht Akkumodule im für Ende des Jahres erwarteten i3 innerhalb von acht Jahren oder binnen 100.000 Kilometern Laufleistung den Geist aufgeben.

Viele Hersteller setzen auch auf die Einsicht der Autofahrer. Die Botschaft lautet: Der Aktionsradius genügt. Im Durchschnitt lege ein Autofahrer täglich ohnehin nicht mehr als 60 Kilometer zurück, warb Opel bereits bei der Vorstellung des Ampera vor zwei Jahren.

Den gleichen Wert nannte auch das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI). "Insbesondere für Pendler, die täglich eine Strecke von weniger als 100 Kilometern zurücklegen, und für Städter sind die aktuellen Reichweiten bereits heute alltagstauglich", bestätigt Alexander Böhm vom Bundesverband eMobilität.

"Die Sorge um den Aktionsradius ist unserer Meinung nach etwas Psychologisches", sagt Nissan-Sprecher Alexander Sellei. Aber dem Kunden solle auch klar sein, das E-Autos keine Urlaubsautos seien.

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