Montag, 20. August 2018

Oldtimer-Kultwerkstätten Hinterhofschrauber und Luxusgaragen

Schrauberparadiese: Wo Oldtimer-Fans glücklich werden
Fotos
Thomas Duffé

Corinna Connelly ist Oldtimerfan und liebt es auch, selbst zum Schraubenschlüssel zu greifen. Gemeinsam mit dem Fotografen Thomas Duffé hat sie einen Bildband über die wunderbarsten Werkstätten in Norddeutschland verfasst - vom Hinterhofschrauber aus Passion bis zu Luxus-Operationssälen für automobile Kostbarkeiten.

manager-magazin.de: Was fasziniert Sie an Autowerkstätten?

Corinna Connelly: Diese Schrauberparadiese sind wahre Biotope. Manche sind wie Wohnzimmer eingerichtet, das sind Freiräume, in denen der Familienkodex nicht gilt, der sonst herrscht: Hier darf die ölige Harley stehen. Für die Leute, die hier arbeiten, ist das viel mehr als ein Broterwerb. Die Werkstätten drücken sehr viel über diese Personen aus - es gibt die ordentlichen und die chaotischen, Underdogs und Freunde technischer Finessen, geniale Improvisateure und solche, die lieber in einer Art OP-Saal arbeiten. Das Gefühl, das man in solchen Räumen bekommt, hatte man vielleicht zuletzt als Kind: Im Spielzimmer die Welt um sich herum vergessen.

mm.de: Wie sind Sie auf das Thema gekommen?

Connelly: Ich bin selbst immer schon Klassiker gefahren. Ich bin mit einem drei Jahre älteren Bruder groß geworden und habe schon früh auf dem Motorrad gesessen. Dann hatte ich einen Mini, konnte mir keine teuren Reparaturen leisten und habe viel selbst gemacht. Ich hatte mit Freunden zusammen selbst eine Hobbywerkstatt. Da steckt man dann knietief in der Materie drin. Ich habe darüber viele Leute kennengelernt - auch den Fotografen Thomas Duffé, der die Bilder in unserem Buch gemacht hat. Die Ästhetik dieser Welt begeistert uns beide.

mm.de: Haben solche Werkstätten noch eine Zukunft, angesichts der Digitalisierung der automobilen Welt?

Connelly: Es mag ein aussterbendes Gewerbe sein. Aber die Werkstätten, die mit Klassikern arbeiten, haben alle eine Zukunft. Denn dafür werden Leute sich immer begeistern. Viele kaufen sich die Auto-Ikonen ihrer Jugend, wenn sie in ein Alter kommen, in dem sie sie sich endlich leisten können.

mm.de: Haben Sie eine Lieblingswerkstatt?

Buchtipp

T. Duffé, C. Connelly
Garage: Die kultigsten Werkstätten Norddeutschlands

Delius Klasing, 190 Seiten, März 2018, 15 Euro

Jetzt kaufen

Connelly: Schwer zu sagen. In die Schwalbenwerkstatt von dem auf Kleinkrafträder spezialisierten Holger Jeschke wäre ich am liebsten eingezogen, so heimelig war es dort. Faszinierend ist auch Claus Erbrecht, der sich auf Rolls-Royce und Bentley spezialisiert hat. Der ist als junger Mann schon einen Phantom-III-Leichenwagen gefahren - und sagt heute: "Jede Minute, die man in einem Auto verbringt, ist verschwendete Lebenszeit." Der fährt lieber Bahn und liest ein gutes Buch. Sagt er.

mm.de: Was fahren Sie selbst?

Connelly: Ich habe zwei Autos: Einen Jensen Interceptor und einen Reliant Scimitar. Die habe ich als Teenager in Großbritannien gesehen und wusste damals schon: Die will ich haben, wenn ich mal groß bin. Ich solche Autos steckt man viel Geld und viel Arbeit. Aber ich fahre sie auch zum Einkaufen. Das ist viel schöner als nur zu sammeln. Solche Fahrzeuge sind ja irgendwann als Alltagsgegenstände gebaut worden, und so sollte man sie auch nutzen. Vieles Herumstehen ruiniert Autos auch.

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