Dienstag, 16. Oktober 2018

50 Jahre Ford Capri Das Anti-Spießer-Mobil

Ford Capri: Der Mustang vom Rhein
Thomas Geiger/dpa-tmn

Deutschland zum Ende der 1960er: Im Wohnzimmer stand noch der Nierentisch, im Radio spielten sie Heintje, Peter Kraus oder Conny Froboess, und am Sonntag trug man Anzug und Krawatte. Doch die Jugend begehrte auf und zettelte eine Revolution an gegen das Spießertum, die selbst die Autohersteller erfasste.

Zwar kaufte deren Neuwagen nach wie vor die Elterngeneration, doch so ein bisschen Lebensfreude konnte offenbar nicht schaden. Das dachten sich zum Beispiel die Planer bei Ford Börsen-Chart zeigen in Köln und trumpften mit dem Capri auf. Entwickelt wurde er seit Mitte der 1960er Jahre, die Produktion in Köln begann 1968, und seinen Einstand vor großem Publikum gab er im Januar 1969 auf der Motorshow in Brüssel.

Damit reagierte der Konzern nicht nur auf die wilde Stimmung im Land, sondern vor allem auf den Absatzrückgang ab Mitte der 1960er und kopierte deshalb ein Rezept, das in den USA bereits erfolgreich funktioniert hatte: den Ford Mustang. Genau wie das Ponycar aus Amerika sollte deshalb auch das europäische Auto den bezahlbaren Sportwagen geben, der optisch etwas hermacht, schnell und vor allem kein bisschen spießig ist. Selbst beim Namen orientierten sie sich am Wilden Westen und planten das Coupé als "Colt". Dummerweise war da allerdings Mitsubishi bei der Anmeldung schneller, und aus dem rollenden Schießeisen wurde deshalb kurz vor der Premiere eine Urlaubsinsel vor der Amalfiküste.

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Zwar gab das Coupé das, was man heute wohl ein Lifestyle-Auto nennen würde, weckte Emotionen und fühlte sich dem Fahrspaß verpflichtet. Doch rühmte Ford den Zweitürer in der Werbung nach wie vor als Zwitter zwischen Sportwagen und Familienauto und gab sich betont bodenständig. Kein Wunder, dass deshalb die Basisversion auch mit einem mageren 1,3-Liter von 37 kW/50 PS auskommen musste.

Der brauchte nach Angaben des Ford Oldtimer und Motorsport Club Cologne stolze 22,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und war schon bei Tempo 133 km/h außer Atem. Doch dafür kostete der 1300er auch nur 6995 D-Mark. Zum Vergleich: Ein Porsche 911 T, der zwar schneller und stärker war, aber auch nicht viel mehr Aufsehen erregte, stand mit knapp 22.000 D-Mark in der Liste.

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