Freitag, 16. November 2018

Flugautos Dem Himmel so nah, dem Stau so fern

Flugautos: Drei vielversprechende Modelle
TMN

Nie mehr im Stau stehen und immer den direkten Weg nehmen - seit Jahrzehnten träumen Entwickler von Autos, die nicht nur fahren, sondern auch fliegen können. Drei aktuelle Projekte nähren die Hoffnung auf den Beginn einer neuen Luftfahrt-Ära.

Davis/Bissendorf - Immer, wenn Paul Moller im Stau steht, packt ihn die Wut über die verlorene Zeit. Das Gefühl kennt jeder, doch der Amerikaner will sich damit nicht abfinden: Er forscht an einem Fahrzeug, mit dem man jeder Verkehrsbehinderung entfliehen kann - durch die Luft. Denn der Mann aus Davis im US-Staat Kalifornien will nicht glauben, dass das nur im Film geht, und arbeitet deshalb bereits seit rund 50 Jahren am Flugauto.

Dafür hat er einen etwas wissenschaftlicheren Begriff geprägt: "Wir nennen das Konzept Volantor", sagt der fast 80 Jahre alte Professor über den Senkrechtstarter, der wie ein Hubschrauber nahezu überall abheben und landen können soll. Moller glaubt fest daran, bald den Durchbruch zu schaffen, bezeichnet sich bisweilen aber auch selbst als Träumer. Und er träumt einen teuren Traum.

Über 100 Millionen Dollar hat Moller nach eigenen Angaben inzwischen in das Projekt investiert. Davon ist nicht viel mehr übrig als eine baufällige Produktionshalle vor den Toren Sacramentos, ein paar verstaubte Designmodelle und eine Handvoll klappriger Prototypen, die bislang nur aufgehängt an Stahlseilen abgehoben haben. Aber solche Erfahrungen schrecken Pioniere einer neuen Luftfahrt nicht ab. Im Gegenteil: Ob in Amerika oder Europa - überall arbeiten Visionäre und Ingenieure an einer neuen Fahrzeuggattung, die auf dem Boden genauso zu Hause ist wie in der Luft.

Wie eine Mischung aus Trike und Sumpfboot

In Bissendorf in Niedersachsen zum Beispiel tüftelt Michael Werner seit über zehn Jahren an einem Flugauto. Mit seiner 20 Mann starken Firma Fresh Breeze steht er kurz vor dem Serienstart, wie er sagt. Sein Fahrzeug sieht wie eine Mischung aus Trike und Sumpfboot aus, der 110 kW/150 PS starke Heckmotor treibt wahlweise die Hinterachse oder einen großen Propeller an. Sobald man auf Flugbetrieb schaltet, den Gleitschirm auspackt und kräftig Gas gibt, hebt der unbeladen etwa 300 Kilogramm schwere Zweisitzer ab.

Auch in Bratislava geht das Auto in die Luft. Dort entwickelt der ehemalige Audi- und BMW-Designer Stefan Klein mit seiner Mannschaft das Aeromobil, das einmal auf Landstraßen und Luftwegen unterwegs sein soll. Aus Karbon gefertigt und mit anklappbaren Flügeln ausgerüstet, hat es auf der Straße das Format eines Kleintransporters mit 160 km/h Höchstgeschwindigkeit. Klappt man die Flügel aus und hebt ab, soll der Zweisitzer bis zu 200 km/h schaffen und ohne Zwischenlandung bis zu 700 Kilometer entfernte Ziele erreichen.

Nach dem gleichen Prinzip arbeitet der Transition von Terrafugia, einem Start-up aus dem Umfeld des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Auch die Amerikaner haben eine Art Flugzeug mit Schwenkflügeln konstruiert, das nach Angaben des Unternehmens binnen 45 Sekunden den Betriebszustand wechseln kann. "Länger dauert es nicht, bis die Hydraulik die Flügel in Position bringt und der Fahrer zum Pilot wird und mit bis zu 160 km/h durch die Luft fliegt", erklärt Mitbegründer Carl Dietrich.

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