Donnerstag, 20. September 2018

Die Autos der Zukunft So fahren wir im Jahr 2025

Autonomes Fahren: So sehen die Autos von morgen aus
Fotos
Renault/dpa-tmn

Autonomes Fahren
Autonomes Fahren nach Definition der Society of Automotive Engineers SAE International gliedert sich in fünf Stufen:

Autos der Kategorie Level 1 (assistiertes Fahren) setzen heute schon auf adaptive Tempomaten, die den Abstand zum Vordermann automatisch regeln. Der Fahrer muss dabei das Lenkrad in der Hand halten und auf den Verkehr achten.

Manche Fahrzeuge erreichen heute das Level 2 (teilautomatisiertes Fahren): Der Mensch fährt und der Computer unterstützt die Fahrt auf der Autobahn durch Lenk- und Spurassistenten. Im Stop-and-go-Verkehr übernimmt das Auto komplett.

Richtig autonomes Fahren startet ab Level 3 (hochautomatisiertes Fahren). Der Fahrer kann sich für längere Momente ablenken lassen, das Auto übernimmt die Fahrt fast vollständig. Allerdings muss der Fahrer wieder schnell ins Geschehen eingreifen können, wenn eine Warnung kommt.

Bei Level-4-Fahrzeugen (vollautomatisiertes Fahren, ab etwa 2021) übernimmt das Auto länger die Kontrolle. Der Fahrer kann sich anderen Dingen widmen, muss aber in bestimmten Situationen wieder die Steuerung übernehmen. Dazu zählen Schlechtwetter oder schlechte Straßenbedingungen.

Bei Level 5 (fahrerloses Auto) fährt das Auto permanent autonom. Der Pilot benötigt keinen Führerschein mehr, und das Auto hat kein Lenkrad mehr. Die Sitze können entgegen der Fahrtrichtung montiert sein.

Fahrende Glaskästen surren durch die Straßen. Keine Ampel, keine Staus behindern die Fahrt. In den Innenräumen entspannen sich die Passagiere. Glaubt man den Herstellern und ihren Fahrzeugstudien, werden künftige Autos anders aussehen als heutige - und das Leben vereinfachen. Science-Fiction oder realitätsnahe Zukunftsmusik?

Wilko Stark, Produktplaner bei Mercedes-Benz, rechnet mit Tausenden autonom fahrenden Autos schon Anfang der kommenden Dekade. "Die werden aber zuerst bei Mobilitätsdienstleistern wie MyTaxi oder anderen Pooling-Konzepten eingesetzt", sagt er. Denn die speziellen Lidar-Sensoren auf den Dächern der Autos seien noch sehr teuer und für Privatkunden die nächsten fünf bis zehn Jahre unerschwinglich. Lidar-Sensoren rotieren bis zu 20 Mal pro Sekunde und feuern dabei für den Menschen unsichtbare Laserstrahlen ab, fangen sie wieder auf und tasten damit die Umgebung ab.

Autonome Fahrzeuge werden wohl zunächst auch nur in Großstädten eingesetzt. Dort, wo hochauflösende Karten die Straßen sehr genau abbilden. "Die Mobilität der Zukunft können wir nur gemeinsam mit Städten entwickeln", sagt Stark, "autonom fahrende Autos werden ein Teil der Mobilität sein, ergänzend zum öffentlichen Nahverkehr." Die von Mercedes eingesetzten Fahrzeuge werden auf ein Lenkrad sowie einen Fahrer verzichten. Es gibt sie für maximal zehn Personen oder als Limousine wie ein Taxi, natürlich elektrisch angetrieben.

Neben diesen Roboterautos erwartet Stark künftig Autos, die sich von den heutigen kaum unterscheiden. "Autofahrer müssen sich nicht komplett umstellen, ein Auto wird weiter wie ein Auto aussehen und so fahren." Vor allem in ländlichen Gebieten werden solche Autos fahren. Dort, wo noch keine hochauflösenden Karten alle Straßen exakt vermessen haben. Seiner Meinung nach wird es künftig mehr Kunden geben, die Fahrzeuge mieten oder teilen, um von A nach B zu kommen. Aber immer auch Kunden, die auf ein eigenes Fahrzeuge nicht verzichten wollen.

Auch der Kölner Design-Professor Paolo Tumminelli geht davon aus, dass sich die nächste Generation der Autos von heutigen kaum unterscheiden wird. "Die Fahrzeughersteller setzen bisher auf die sogenannte Plattformstrategie, die können sie nicht einfach verwerfen", sagt er. Bei neuen Fahrzeugkonzepten wie reinen Elektroautos oder autonom fahrenden Autos könnten die Hersteller aber neue Wege gehen. Im Grunde gebe es zwei Möglichkeiten: "Weiter auf modulare Plattformen für viele Fahrzeugderivate setzen, dann ändert sich die Designstrategie kaum. Oder einzigartige Mobilitätsformen für den urbanen Raum entwickeln", sagt Tumminelli. Daraus könnten effizientere und kompaktere Raumkapseln entstehen.

Bei autonomen Fahrzeugen dürften Werte wie Sportlichkeit oder Geländegängigkeit an Bedeutung verlieren. "Ein schöner Würfel, der langsam und sicher durch die Stadt fährt, wäre agiler und sinnvoller als aktuelle Fahrzeuggattungen", sagt er. Mit der ersten Generation von neuen Modellen Mitte 2020 wird sich allmählich das Straßenbild ändern, zunächst in der Stadt und in den umliegenden Ballungsräumen.

Im urbanen Raum werden Menschen in naher Zukunft, sei es in einem geschlossenen System aus bestimmten Straßen oder zu bestimmten Uhrzeiten, autonom unterwegs sein. Ampelstopps und Staus würden irgendwann wegfallen, da die Fahrzeuge untereinander vernetzt sind und sich wie ein Schwarm verhalten können. Sobald sich Wasserstoff durchsetzt, werden konventionell angetriebene Fahrzeuge eine Randerscheinung sein.

Volkswagen zeigte auf den vergangenen Automessen eine Reihe von neuen Konzepten. Bei der sogenannten I.D.-Familie setzen die Designer auf kurze Überhänge, große Innenräume, autonome Technik und kurze Außenmaße. Im Innenraum können sich Reisende auf Loungesessel lümmeln. Das neue Zeitalter der individuellen Mobilität ist aus Sicht der Wolfsburger elektrisch und vollautomatisch. "In der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre werden Fahrerassistenzsysteme verstärkt die Steuerung des Fahrzeugs übernehmen und den Fahrer entlasten", sagt Sonja Tyczka von VW. Mit neuen Funktionen wie Sprache, Gesten oder über Augmented Reality mit einer HoloLens-Brille sollen sich neue Inhalte so einfach wie möglich steuern lassen.

Die Elektrifizierung wird aber nicht bei allen Autos zu einem Designwechsel führen, meint Matthias Kempf von der Beratungsfirma Berylls Strategy Advisors in München. Er geht davon aus, dass ein radikal anderes Design erst mit den vollautonom fahrenden Autos eintreten wird. Wenn Autos vollautomatisiert oder fahrerlos unterwegs und die Systeme für den Privatkunden erschwinglich sind, wird sich das Autofahren drastisch verändern. "Fahrerlose Autos können auf ein Lenkrad verzichten, im Innenraum ergeben sich neue Gestaltungsmöglichkeiten", sagt Kempf.

Diese Systeme werden aber anfangs bis zu 20.000 Euro teurer und zuerst für Flottenbetreiber interessant. "Außerdem wird es lange brauchen, damit autonome Autos überall, bei jedem Wetter und mit jeder Geschwindigkeit fahren können, bestimmt über 2030 hinaus.". Denn bisherige autonome Fahrzeuge benötigen hochauflösende Karten und stabile Wetterverhältnisse.

Umgewöhnen muss sich vor allem der Mensch hinter dem Steuer. "Autofahrer müssen lernen, wie sich Roboterautos verhalten - und umgekehrt", sagt Kempf. Denn Robo-Autos fahren defensiver, eventuell auch langsamer und möglichst ruckelfrei. "Starke Beschleunigung oder Höchstgeschwindigkeiten spielen dann für das Marketing der Hersteller keine Rolle mehr." Die Fahrzeuge werden dann leise und ruhig über durch die Straßen surren.

Fabian Hoberg, dpa

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH