Dienstag, 11. Dezember 2018

Testfahrt im Jaguar I-Pace Spaß kostet Reichweite

Mit dem I-Pace, Teslas erstem Großserienrivalen, zeigt Jaguar, wie sich Elektromobilität in der Premiumklasse anfühlt.

An Jaguars erstem Elektromobil ist alles neu: von der Architektur über den Antriebsstrang, das Fahrwerk, das Design bis hin zur Ausstattung. Technikchef Wolfgang Ziebart, ehemals Vorstand bei BMW und Conti, hat den ersten echten Tesla-Fighter in nur vier Jahren zur Großserienreife entwickelt. Herausgekommen ist ein SUV mit den Außenmaßen eines BMW X3 und dem Raumangebot eines Audi A8, mit der Leistung eines Porsche Macan Turbo und fast so spurtstark wie ein 911 Carrera.

So atemberaubend der I-Pace beschleunigt, so bedingungslos bremst er ab, sobald man mit dem Fuß vom Gaspedal geht. Dann nämlich polen sich die Elektromotoren blitzschnell um und laden die Batterie auf.

Erstaunlich ist vor allem die Geräumigkeit: Den Kofferraum schmälert kein Sprittank, und weil der Allradantrieb mit einem E-Motor an jeder Achse kaum Platz einnimmt, bietet der Jaguar unter der Vorderhaube noch ein zweites Gepäckabteil. Auf der Rückbank genießt man viel Kopf- und Beinfreiheit, sogar bei zurückgeschobenen Vordersitzen. Auch die Connectivity überzeugt: Der I-Pace lässt sich per App sowie durch heimische Smart Speaker wie Amazons Echo fernprogrammieren.

I-Pace
Technik
400 PS
294 kW aus zwei Permanentmagnet-Elektromotoren
90 kWh Batteriespeicher ergeben eine Reichweite von 470 km
Dynamik
4,8 Sekunden Beschleunigung von 0 auf 100 km/h
200 km/h Spitzengeschwindigkeit
Preis
ab 77.850 Euro

Beim Fahren muss man sich entscheiden, ob man gesittet Strecke machen will oder Spaß haben möchte. Denn Spaß kostet Reichweite, statt der laut Testnorm ermittelten 470 Kilometer ist die Batterie des I-Pace dann schon nach gut 250 Kilometern leer. Das gilt vor allem fürs Gelände, dafür ist das SUV dort trittsicher. Weder auf Steilhängen noch im Schlamm oder auf grobem Geröll muss ich Rücksicht auf die Drehzahl nehmen. Dank des E-Antriebs fährt der Jaguar bereits mit dem maximalen Drehmoment an und lässt nie nach.

Beim Durchqueren eines Baches werde ich dann aber doch kurz nervös: Was, wenn das einen halben Meter tiefe Wasser in die Elektrik eindringt? Macht der Kurzschluss meinen Fahrersitz dann zum elektrischen Stuhl? Der I-Pace erweist sich als absolut wasserdicht.

Die größte Überraschung erlebe ich auf dem Rennkurs. Die digitale Kraftverteilung des I-Pace gleicht jeden Fahrfehler souverän aus: Weil die Achsen unabhängig voneinander angetrieben werden, ziehen die Vorderräder den Wagen bei drohendem Übersteuern sofort wieder auf Kurs. Nie bin ich schneller und schärfer durch Kurven geschlenzt.

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