Samstag, 30. Juli 2016

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Tesla Model S - Fazit (I) Dieses Auto ist zu gut für Deutschland

Staunende RWE-Mitarbeiter: Teslas Model S in Dortmund
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Staunende RWE-Mitarbeiter: Teslas Model S in Dortmund

Nach drei Tagen in Teslas Model S ist klar: Das Auto hat seinen Autobahn-Test bestanden. Der Wagen widerlegt eindrucksvoll das Vorurteil, Elektroautos hätten generell ein Reichweitenproblem. Zugleich ist er eine Ohrfeige für die Autonation Deutschland.

Auf der Autobahn sollte Teslas Model S uns zeigen, was es kann - doch es ist ein Überholmanöver auf der Bundesstraße, das mir prägend in Erinnerung geblieben ist. Die Leichtigkeit, mit der der 2,2-Tonnen-Wagen sich von 80 auf 110 Stundenkilometer beamt, ist kaum zu beschreiben.

Während sich auch der edelste Luxuswagen mit Verbrennungsmotor die Anstrengung deutlich anhören lässt, ist da beim Tesla einfach nur der Wind. So mühelos und unmittelbar setzt der Fahrer den Wagen um eine Position nach vorn, wie ein Spieler beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht seine Figur schwungvoll vorrückt. Das ist Science-Fiction hinterm Lenkrad.

Auf der Autobahn hat der Wagen im Wesentlichen gehalten, was er verspricht. Bei gemäßigten 120 Stundenkilometern sind etwa 400 Kilometer drin, bei Tempo 88 haben wir die versprochenen 500 Kilometer nur knapp verfehlt. Wer richtig Gas gibt, schafft 250-300 Kilometer. Das mag eingefleischten Rasern zu wenig sein, und doch räumt das Model S rückstandslos mit dem Vorurteil auf, alltagstaugliche Elektroautos hätten generell ein Reichweitenproblem. Insofern ist das Model S ein Meilenstein des Automobilbaus.

Blamable Rolle mancher Kommunen

Für die Autonation Deutschland ist das Model S allerdings eine schallende Ohrfeige. Zunächst für die hiesigen Autobauer. Sie betrachten Elektroautos überwiegend als Pendlerfahrzeuge für den städtischen Raum. Nur 150 Kilometer seien mit einem Elektroauto zu schaffen, erklärte VW-Chef Martin Winterkorn noch im Herbst. Mehr lasse die Zellchemie nicht zu, er wisse das als Werkstoff-Spezialist. Entweder führt Winterkorn die Öffentlichkeit gezielt hinters Licht, oder er weiß nicht, wovon er spricht - das Model S hatte zu dem Zeitpunkt in den USA schon längst das Gegenteil bewiesen.

Geradezu blamabel muten die Bemühungen mancher deutscher Kommunen an, die Elektromobilität zu fördern, auch das hat die Testfahrt mit dem Tesla entlarvt. So hat Frankfurt am Main zwar ein respektables Ladesäulennetz errichtet. Doch leider ist es völlig unbrauchbar, weil Nicht-Elektroautos die Stationen legal zuparken. Reisende mit einem leistungsstarken Elektroauto können in Frankfurt deshalb faktisch nicht übernachten und müssen um Strom betteln - ein Desaster. Facebook-User nannten uns zahlreiche weitere Orte an denen sie Ähnliches beobachtet haben.

Unter diesen Umständen sollte der Frankfurter Versorger Mainova Börsen-Chart zeigen sofort damit beginnen, die Säulen wieder abzubauen. Wie es besser geht, zeigt Flensburg: Dort ist die Ladesäule im absoluten Halteverbot aufgestellt. Knöllchen gibt es jedoch nur für Verbrenner.

Ausgerechnet die Autonation Deutschland ist beim Thema Elektromobilität auf dem besten Wege, zu versagen - das macht der Test überdeutlich. Vom eigenen Anspruch, Leitmarkt für diese Technologie zu sein, ist die Bundesrepublik meilenweit entfernt. Die diesjährigen Modelle von BMW Börsen-Chart zeigen (i3) und Volkswagen Börsen-Chart zeigen (E-Up) sind deshalb bereits zum Erfolg verdammt.

Teslas Model S ist wie ein Raumschiff aus der Zukunft in Deutschland gelandet - und es hat einen unwirtlichen Planeten vorgefunden. Das Auto ist derzeit einfach zu gut für Deutschland. Damit ist es aber zugleich ein Ansporn für Industrie und Politik, endlich zur Aufholjagd zu blasen.

Und so urteilt mein Kollege Wilfried Eckl-Dorna über das Auto.

Hier der ganze Test zum Nachlesen.

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