Samstag, 18. November 2017

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Shanghai Motorshow Chinas Autobauer emanzipieren sich

Shanghai Motorshow: Die abgefahrensten Modelle
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TMN

Mit dem geistigen Eigentum nimmt man es in China nicht so genau. Bei den Autos ändert sich das gerade: Auf der Motorshow in Shanghai muss man die PS-Plagiate suchen. Stattdessen gibt es viele gute Entwürfe - aber auch einige Ausrutscher.

Shanghai - Original und Fälschung sind oft nur schwer zu unterscheiden. Das galt lange auch für Autos aus Fernost. Messegäste auf den Motorshows in China wunderten sich bislang amüsiert über die Anlehnungen an europäische Modelle, die den Originalen oft verblüffend nah kamen. Doch die Zeit der dreisten Plagiate im Reich der Mitte geht offenbar zu Ende.

Das jedenfalls ist der Eindruck, den Marken wie Geely, Chery, Brilliance, Haval oder Dongfeng auf der Motorshow in Shanghai (bis 29. April) erwecken. Was die Hersteller dort an neuen Serienmodellen und Studien zeigen, ist zwar nicht immer auf der Höhe der Zeit oder ganz nach dem globalen Geschmack. Doch es ist Eigenständigkeit angesagt: Nach Vorbildern aus dem Westen muss man bei Showcars wie dem MG CS, dem Geely KC oder dem BAIC 500 lange suchen. Gleiches gilt für neue Limousinen wie den Brilliance H330 oder den Soueast V7.

"Die Chinesen emanzipieren sich und leisten sich langsam ein eigenes Design", sagt der Münchener Designer Gert Hildebrand. Der ehemalige Mitarbeiter bei Mini gehört zum Team der neuen China-Marke Qoros und zeigt auf der Messe drei Modelle aus seiner Feder.

Designer häufig aus Europa

Während die Autos zunehmend eigene Gesichter mit protzigen Kühlergrills und großen Markenlogos bekommen, stammen ihre Schöpfer indes immer öfter aus Europa. Beim Hersteller Chery hat jetzt ein ehemaliger Opel-Designer das Sagen. Die beiden Messestudien Alpha 7 und Beta 5 stammen aus dem Skizzenblock eines abgeworbenen Porsche-Mitarbeiters. Und es gibt kaum ein italienisches Designstudio, das keine Dependance in China hat. Auch der Industriedienstleister Icon hat europäische Wurzeln. Das erklärt, weshalb die in China entworfene Sportwagenstudie Vulcano glatt als Ferrari durchgehen könnte.

Die chinesischen Hersteller haben aufgrund ihres heimischen Marktanteils von mehr als 40 Prozent eine gehörige Portion Selbstvertrauen. Dazu kommen üppige Entwicklungsbudgets und kompetente Neuzugänge in den Designbüros. Das sorgt auf der Messe für so manchen Achtungserfolg: Die vor Jahren aufgekauften Marken MG und Rover alias Roewe haben mittlerweile eine ansehnliche Modellpalette. Und der Flügeltürer von BAIC könnte auch als Forschungsfahrzeug von Mercedes durchgehen.

Die neue Eigenständigkeit ist auch bei den Geländewagen zu beobachten: Autos wie der Brilliance C51X oder der Leopard C5 müssen sich optisch nicht hinter BMW X1, Mazda CX-5 oder Honda CRV verstecken. Und selbst futuristische Studien wie der @Ant 2.0 für den teilautonomen Verkehr in den Großstädten von Übermorgen sehen nicht weniger abgefahren aus als die entsprechenden Vorschläge von Opel und VW namens RAK-e und Nils. Ein dreistes Plagiat wie die Cayenne-Kopie bei Hawtai, oder auch die plumpe SUV-Studie CS95 von Changan und der schrille Roadster Volare von Tongji-Auto sind deshalb kaum mehr als Ausrutscher.

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