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10.12.2012
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Autos mit Autopilot
Der Mensch denkt, das Fahrzeug lenkt

Autonome Autos: Fahren unter Aufsicht
Fotos
TMN

Selbstfahrende Autos sind keine Fiktion mehr, auf deutschen Straßen rollen sie schon. Vom Zeitunglesen hinterm Steuer können Autofahrer aber weiterhin nur träumen - schuld daran ist der Gesetzgeber.

Stuttgart/Berlin - Es ist wie immer zur Feierabendzeit: Kaum hat man sich durch die Stadt gequält und die Autobahn erreicht, kommt der Verkehr schon wieder ins Stocken. Irgendwo ein paar Kilometer weiter vorn hat einer eine Panne, und tausende Autofahrer gehen vom Gas. Die Folge: Eine Stunde Stop-and-go, steigender Blutdruck und schlechte Laune. Wie schön wäre es, könnte man jetzt zur Zeitung greifen oder im Internet surfen - und das Auto bahnte sich von selbst seinen Weg durch den Stau.

Ganz so weit ist die Technik noch nicht, auch wenn erste Prototypen auf abgesperrten Testgeländen schon viel schwierigere Aufgaben bewältigt haben. Aber langsam nähert sich die Autoindustrie dieser Vorstellung. "Wir haben erkannt, dass Autofahren nicht immer Lust, sondern manchmal auch Last ist, und wollen dem Fahrer die Möglichkeit geben, gewisse Aufgaben zu delegieren", sagt Jochen Hermann, der bei Mercedes die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen leitet. Wie seine Kollegen bei anderen Herstellern arbeitet er schrittweise an der Einführung des Autopiloten, der den Fahrer zumindest in bestimmten Situationen zum Passagier macht.

"Die Autofirmen tasten sich ganz langsam an dieses faszinierende Thema heran", sagt Professor Raul Rojas, der an der Freien Universität in Berlin lehrt und dort in einem Robotik-Projekt schon verschiedene führerlose Fahrzeuge entwickelt hat. "Es gibt die automatische Notbremse, es gibt Hilfen bei der Spurführung, und es gibt eine zunehmende Unterstützung beim Einparken", fasst er den Entwicklungsstand zusammen. Mit ihren Prototypen könnten die Hersteller sogar noch viel mehr.

Bereits 2005 fuhren erste Autos ohne Fahrer durch die Wüste bei Las Vegas. BMW schickt seine Versuchsfahrzeuge autonom über die Autobahn von München nach Nürnberg. Und Rojas Studenten kurven freihändig mit ihrem VW Passat durch Berlin. "Doch generell befinden wir uns in einer Test- und Experimentierphase, und echte Produkte kristallisieren sich dabei nur langsam heraus", sagt er.

Zeitunglesen ist tabu

Mercedes will mit der nächsten Generation der S-Klasse im kommenden Jahr wieder einen kleinen Schritt mehr machen, kündigt Entwickler Hermann an. Weil die Luxuslimousine erstmals mit einer Stereokamera bestückt ist und deshalb räumlich sehen kann, übernimmt sie bisweilen auch das Steuer. Der Fahrer kann sich in diesen Phasen etwas entspannen und fühlt sich am Ende eines Staus nach Angaben Hermanns spürbar ausgeruhter.

Doch schon von Gesetz wegen ist der Griff zur Zeitung oder zum Telefon tabu: "Jeder Fahrer soll zu jeder Zeit sein Auto kontrollieren sowie rechtzeitige und angemessene Sorgfalt walten lassen können", heißt es in der sogenannten Wiener Konvention von 1968, die bis heute gilt. Deshalb misst Mercedes ganz genau, ob die Hände am Lenkrad sind, schlägt nach zehn Sekunden Alarm und schaltet das System nach 15 Sekunden ab, wenn sich der Fahrer zu sehr auf den Autopiloten verlässt.

Auch Volvo will dem Stau den Schrecken nehmen und dem Fahrer mehr Freiraum für andere Tätigkeiten einräumen: Dafür arbeiten die Schweden nach Angaben von Forschungschef Paul Mertens an einem System, mit dem sich der Wagen bis Tempo 50 einfach elektronisch an das vorausfahrende Fahrzeug hängt. Während ein Radar den Sicherheitsabstand hält und die Lenkung automatisch der Fahrspur folgt, kann sich der Fahrer zurücklehnen und zumindest auf dem Testgelände Zeitung lesen.

"Damit wird die monotone Fortbewegung im dichten Berufsverkehr der Innenstädte deutlich entspannter", verspricht Mertens. Wie das in den Gesetzesrahmen passt, lassen die Schweden allerdings noch offen und hoffen auf eine Klärung bis zur avisierten Serienreife im Jahr 2014.

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