Dienstag, 31. März 2015

Konzeptautos der 70er Jahre Die Glücksflundern

Konzeptautos der 1970er: Flunderkisten auf Traumfahrt
Fotos
Rainer W. Schlegelmilch

Diese Traumautos blieben Träume. Ein Bildband des Formel-1-Fotografen Rainer W. Schlegelmilch versammelt die irrsten Konzeptfahrzeuge der 70er Jahre. Der Keil wurde zum Kern automobiler Ästhetik; manche Fahrzeuge wurden so tief gelegt, dass man unter Schranken hindurchbrausen konnte.

Hamburg - Die schönsten Träume hat man, scheint es, kurz vor dem Aufwachen. Die 1970er Jahre waren in der Automobilindustrie geprägt von der ersten Ölkrise. Insbesondere den Bundesbürgern machten hohe Benzinpreise, Sonntagsfahrverbote und ein rasanter Anstieg der Verkehrstoten zu schaffen (manchen allerdings noch mehr die Verschärfung der Promillegrenze von 1,3 auf 0,8 und die lästige neue Anschnallpflicht).

Aber noch kurz zuvor, Ende der 60er und in den ganz frühen 70er Jahren gab es auf den Autosalons der Welt keine dräuende Krise, keine lähmende Traditionshörigkeit, nur ein verheißungsvolles Übermorgen scheinbar unbegrenzter Mobilität. Designschmieden wie Bertone, Pininfarina, Italdesign und Michelotti setzten diese Vision in Formen um, die weit über ihre Zeit hinaus die Fahrzeuggestaltung prägten, auch wenn nur die wenigsten der von ihnen entworfenen Konzepte es zur Serienreife brachten. Aber die Impulse zählten.

Windkanäle kamen auf, Aerodynamik wurde wichtig, und der Keil wurde als kompromisslose geometrische Form auf die Straße oder zumindest die Ausstellungsflächen der großen Messen geklotzt - einzig die Räder waren noch rund, mit irrwitzigen Flügeltüren oder Dacheinstiegen ließen die Designer ihre Fantasie völlig von der Leine und testeten, was überhaupt möglich war. Die Technik setzte dabei kaum Grenzen, allenfalls, dass man für einen Vier-Flügel-Türer einen Überrollbügel ersinnen musste, ohne den die Konstruktion in sich zusammengeknickt wäre.

Immer mit dabei, wenn etwas Spektakuläres auf vier Rädern in Sicht kam, war der Formel-1-Fotograf Rainer W. Schlegelmilch. Die Konzeptautos setzte er damals mit schönen Frauen vor schönem Hintergrund wirkungsvoll in Szene, in dieser Zeit männlicher Unschuld noch vollkommen unbeschwert von politischer Korrektheit - die Frauen waren Deko, die Autos sahen schnell aus (auch wenn viele gar nicht fahren konnten, sondern reine Karosserieentwürfe waren).

Über den ästhetischen Wert hautenger Leoparden-Ganzkörperanzüge zu halb geöffneten, knallrot geschminkten Lippen und hochhackigen Stiefeln, kombiniert mit einem lasziven Vierfüßlerstand auf knallgelber Motorhaube mag man streiten können. Die Eleganz behaglich lang hingestreckter Karosserielinien ist dagegen schwer zu leugnen, und der Mut zu noch nie dagewesenen Formen und sprühender Experimentierlust ist in allen Entwürfen spürbar. Fast bedauert man, dass aus dem Übermorgen von Vorgestern nicht das Heute von Heute geworden ist.

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