Montag, 18. Juni 2018

Oldtimer von Opel Zu amerikanisch für die Deutschen

Opels KAD-Baureihe: Groß, größer, eingestellt
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TMN

Mitte der 60er Jahre trumpfte Opel groß auf: Die Modelle Kapitän, Admiral und Diplomat - bekannt als KAD-Baureihe - sollten US-Straßenkreuzer hierzulande salonfähig machen. Das Experiment scheiterte.

Rüsselsheim - Opel. Dieser Markenname steht gemeinhin für Vernunftautos mit solider Technik, aber nicht für dicke Luxusschlitten. Das Feld der automobilen Oberklasse beackern hierzulande traditionell andere Hersteller, sei es in Stuttgart oder in München. Was nicht heißt, dass das Unternehmen aus Rüsselsheim in seiner inzwischen 150-jährigen Geschichte und mit 114 Jahren Erfahrung im Automobilbau nie versucht hätte, der vornehmen Konkurrenz mit Nobelmodellen wenigstens auf Augenhöhe zu begegnen.

Rückblickend war kein Vorstoß in die Liga der motorisierten Gentlemen von bahnbrechendem Erfolg gekrönt, aber einer legendär: Mit Kapitän, Admiral und Diplomat präsentierte Opel 1964 gleich drei Große auf einen Streich.

Die Kleinfamilie der Riesen aus Rüsselsheim ging unter der internen Sammelbezeichnung KAD in die Automobilgeschichte ein. Alle drei waren Weiterentwicklungen der 1938 gestarteten Kapitän-Baureihe und teilten sich eine knapp 5 Meter lange und 1,90 Meter breite Karosserie. Die Rangordnung im Trio wurde durch Ausstattung und Motorisierung bestimmt.

Einstiegsmodell der A-Serie war der Kapitän mit 2,6 Liter großem und 74 kW/100 PS starkem Reihensechszylinder. Darüber rangierte der identisch angetriebene, aber besser ausgestattete Admiral. Weil der Motor für die Autos etwas zu schwach auf der Brust war, gab es wenig später Ersatz mit 2,8 Litern Hubraum und 92 kW/125, ab 1967 auch mit 103 kW/140 PS. Die Spitze der KAD-Gruppe markierte der Diplomat. Nur er hatte unter anderem elektrische Fensterheber, Nussbaumfurniere an Bord - und von Anfang an viel mehr Power unter der Haube.

Sachliche Harmonie statt Auto-Barock

"Die motorische Ausrüstung des Diplomat V-8 fällt völlig aus dem für deutsche Verhältnisse alltäglichen Rahmen", pries Opel bei der Markteinführung den von Chevrolet übernommenen Achtzylinder mit 4,6 Litern Hubraum, 140 kW/190 PS und Automatikgetriebe an. Typisch amerikanisch eben. Doch genau das könnte dem großen Durchbruch des Trios im Wege gestanden haben.

Das Design des Dreiergespanns war nämlich ebenfalls sehr amerikanisch, vom alten Kapitän war so gut wie nichts mehr zu erkennen. "An die Stelle des sogenannten Auto-Barock ist eine sachliche Harmonie von Form und Linie getreten", beschrieb das Unternehmen damals die grundlegend geänderte Optik mit großen, glatten Blechflächen und einem mächtigen Kühlergrill zwischen den eckigen Leuchten.

Vielen sagte dieser uneuropäische Auftritt von Kapitän, Admiral und Diplomat offenbar nicht zu. Oder ihnen waren die Autos schlicht zu groß. Denn bis 1968 wurden insgesamt nur 88 937 KAD-Fahrzeuge gebaut. Am besten verkaufte sich der Admiral mit einer Stückzahl von 55.876, gefolgt von Kapitän (24.249) und Diplomat (8812).

Durch die wenig berauschenden Verkaufszahlen ließ sich Opel nicht entmutigen und ging 1969 mit den drei Oberklassemodellen in die nächste Runde. Die Karosserie der KAD-Serie B schrumpfte in Länge und Breite um jeweils 5 Zentimeter, das Design wurde mehr an den Heimatmarkt angepasst. Technisch rüsteten die Rüsselsheimer ihre Großen weiter auf. Die aufwendige Hinterachse nach dem De-Dion-Prinzip zur Optimierung der Radführung bei verbesserter Federung und das hydropneumatische Fahrwerk waren echte Highlights.

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