Dienstag, 27. September 2016

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Autoklimaanlagen Ein Gefühl für die Kühle

Klimaanlagen-Experte: Immer schön kühl
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Er hat sie alle gehabt: Keine Automarke, deren Klimaanlagen nicht schon zigfach durch seine Hände gingen. Experte Axel Holler kennt alle Stärken und Schwächen - und verrät, worauf Fahrer achten müssen, damit es immer schön kühl im Auto bleibt. Ein Werkstattbesuch von mmo-Autor Linus Geschke.

Köln - Einige nennen ihn den "Kälte-Meister", andere den "Klimaanlagen-Papst": Axel Holler winkt ab und wirkt dennoch nicht so, als seien ihm diese Ehrerbietungen wirklich unangenehm. Der 50-Jährige ist Inhaber des Kölner Betriebes "Auto Clima Kornweibel" und ein bunter Vogel inmitten eines kühlen Themas - wer ein griffiges Statement zum Thema Klimaanlagen braucht, wird in seiner Halle gern bedient.

"Ich bin gelernter Klimatechniker und die Fahrzeug-Klimaanlage ist seit 34 Jahren alleiniger Inhalt meines Berufslebens. Das ist was anderes als bei einem normalen Automechaniker, der das Thema in der Ausbildung nur kurz gestreift hat. Ob Mercedes, Ford oder BMW: Wenn die Jungs in den Werksvertretungen mit ihrem Latein am Ende sind, dann landen die Problemfälle oft bei mir."

Dabei schützt der Begriff "Premiumhersteller" den Kunden nicht vor frühzeitig verendenden Klimaanlagen, meint der Experte. "Dieser Kondensator hier", sagt Holler und deutet auf ein schon augenscheinlich stark verwittertes Bauteil, "stammt aus einem Volvo V50, Baujahr 2009: Der ist jetzt schon komplett durch!" Aber das sei nicht nur bei Volvo so, betont er, dieses Problem treffe nahezu jeden Hersteller.

"Schuld daran ist die Materialauswahl. Bis in die 90er Jahre wurden Klimaanlagen aus einer Kupfer-/Messinglegierung hergestellt, heute nehmen die Zulieferer Aluminium. Das macht die Anlage zwar leichter, aber auch anfälliger - Aluminium hat, wenn es Umwelteinflüssen und Streusalzen ausgesetzt wird, nur eine beschränkte Lebensdauer."

In 70 Prozent der Fälle ist der Kondensator das Problem

Und so muss Holler immer öfter ran, wenn bei steigenden Außentemperaturen nur noch ein lauwarmes Lüftchen ins Auto weht. In 70 Prozent aller Fälle ist der Kondensator Schuld, 20 Prozent der Schäden liegen am Kompressor, der Rest verteilt sich auf Leitungen und Dichtungen.

Aber es gibt einiges, was Kunden vorbeugend gegen einen Ausfall unternehmen können. Ganz oben steht dabei der laufende Betrieb: Auch in der kalten Jahreszeit sollte die Klimaanlage Minimum einen Tag pro Woche laufen; noch besser durchgehend, so Holler.

"Optimal ist es, sie beim Neuwagenkauf einzuschalten und danach nicht mehr auszumachen. Ansonsten werden schnell die Dichtungen porös, Kühlflüssigkeit tritt aus, Schäden am Kompressor sind die Folge. Eine gut gewartete Anlage verbraucht im Schnitt nur 0,4 bis 0,6 Liter auf hundert Kilometer. Das ist nichts gegen den Schaden, der entsteht, wenn ein Kompressor kaputt geht: Dann kommen schnell 1500 Euro zusammen."

Ebenfalls wichtig: Eine regelmäßige Druckkontrolle - gerade für die feinen Lamellen des hinter der Stoßstange sitzenden Kondensators ist das im Winter verwendete Streusalz pures Gift. "Ich kenne Anlagen, da kannst du nach drei, vier Jahren mit dem Zeigefinger durchstechen, so zerfressen sind die Teile!"

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