Samstag, 21. April 2018

Autoklimaanlagen Ein Gefühl für die Kühle

Klimaanlagen-Experte: Immer schön kühl
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2. Teil: Wartungsfreiheit ist eine Illusion

Auch aus diesem Grund ist der regelmäßige Check unverzichtbar, der entweder alle zwei Jahre oder nach spätestens 30.000 Kilometern erfolgen sollte. Nur das Eigeninteresse eines Unternehmers, der damit sein Geld verdient? "So ein Quatsch!", sagt Holler. "Jede kaputte Klimaanlage bringt mir doch ein Vielfaches dessen, was ich an einen 80 Euro teuren Check verdiene. Und das Gerede der Hersteller von wegen "wartungsfreie Klimaanlage" kann man vergessen: Auch die besten Anlagen verlieren pro Jahr acht bis zwölf Prozent ihrer Kühlflüssigkeit."

Sparen kann man sich dagegen die von vielen Werkstätten angebotenen Desinfektion, so Holler: "Das ist kompletter Blödsinn und reine Geldmacherei. An die Stellen, wo die meisten Viren und Bakterien sitzen, nämlich unter dem Armaturenbrett, da kommt man gar nicht ran. Wer etwas für seine Gesundheit tun möchte, sollte lieber den Pollenfilter regelmäßig ersetzen."

Und so wird die Klimaanlage laut Holler am besten eingesetzt: Vor Fahrtbeginn einmal alle Türen öffnen, damit der erste Hitzeschwall abzieht und das Fahrzeuginnere durchlüftet wird. Dann die Anlage bei geschlossenen Fenstern auf mittlerer Stufe laufen lassen, während die Umluftfunktion eingeschaltet ist: Sie verhindert, dass sofort warme Frischluft von außen hinzu kommt.

Nach fünf bis zehn Minuten kann man die Umluftfunktion wieder ausschalten und die Klimaanlage runter regulieren: Zwischen Außen- und Innenraumtemperatur sollte der Unterschied maximal sechs Grad betragen. Laut vielen Studien führender Automobilclubs ist eine Klimaanlage im Sommer auch nicht nur Luxus, sondern trägt maßgeblich zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bei - zuviel Hitze lässt die Konzentrationsfähigkeit schnell absinken.

Gefahr durch ein neues Kältemittel?

Gerade um jene Sicherheit im Straßenverkehr macht sich Axel Holler momentan aber am meisten Sorgen. Grund hierfür ist das neue Kältemittel 1234yf, das bereits in mehr als 15 Fahrzeugmodellen eingesetzt wird: Vom Hyundai i30 bis zum Mercedes SL. Es ist zwar weit weniger klimaschädlich als das bislang verwendete R-134a, birgt dafür aber ein für den Menschen unkalkulierbares Risiko. Nicht nur Holler warnt: Auch die Deutsche Umwelthilfe sowie das Bundesamt für Materialforschung und -prüfung (BMA) ziehen ähnliche Schlüsse aus Tests, die sie mit dem neuen Mittel durchgeführt haben.

Bei dem Mittel handelt es sich um ein brennbares Gas, das bei Feuer oder dem bloßen Kontakt mit heißen Oberflächen wie Auspuff oder Krümmer einen Giftstoff freisetzt, der zusammen mit Feuchtigkeit zu Fluorwasserstoffsäure wird - besser bekannt als Flusssäure, ein Stoff, der selbst Glas ätzt und beim Einatmen in geringsten Mengen tödlich wirkt.

Selbst die Hersteller Honeywell und DuPont hatten zunächst in einem Sicherheitsdatenblatt zu R-1234yf darauf hingewiesen, dass zur Brandbekämpfung Schutzanzüge getragen werden müssen, wie Olaf Reichelt vom "Berufsverband Feuerwehr" betont: Mittlerweile wurde der Eintrag von Honeywell aber wieder entfernt.

Dass sich das neue Kühlmittel noch verhindern lässt, glaubt selbst Axel Holler nicht mehr. Zu groß seien da die Interessen der Lobbyisten. Aber er hat eine elektronische Sicherheitseinrichtung entwickelt ("Air-Alarm"), die automatisch Fenster und Lüftungsklappen im Fahrzeug verriegelt sowie die Klimaanlage ausschaltet, sobald ein Sensor im Motorraum das Austreten von Flusssäure meldet. Auf Interesse seitens der Hersteller wartet Holler bislang vergeblich: "Dann würden die ja damit auch indirekt zugeben, dass das Mittel deutlich gefährlicher ist, als sie es der Kundschaft bislang glauben machen." Kosten für ein solches Gerät in Serienfertigung: Weniger als 30 Euro.

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