Samstag, 21. April 2018

Oldtimer-Restaurierung Aus alt mach kostbar

Oldtimer-Restaurierung: So machen es die Profis
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TMN

Oldtimer sind beliebter denn je. Doch damit man an dem Altmetall auf Rädern echte Freude hat, muss man es erst einmal in Schuss bringen. Da wird das Auto schnell zum Lebensprojekt. Ein herrlich zeitfressender Traum für Schrauber. Aber wer einfach nur gepflegt fahren will, braucht Hilfe.

Rüsselsheim/Hannover - Immer mehr Autofahrer erliegen dem Charme eines Young- oder Oldtimers und schaffen sich einen Klassiker an. Doch solche Fahrzeuge sind teuer, und nach Angaben der Historic Automobile Group International ziehen die Kurse fürs Garagengold kräftig an. Wer aufs Geld schauen muss oder eine Rarität fahren will, muss daher oft mit einem stark reparaturbedürftigen Exemplar vorliebnehmen.

Fans nennen so ein Auto "Projekt" und brauchen manchmal Jahre, bis sie es wieder flott haben. Für Autoliebhaber, denen dafür die Zeit oder Muße fehlt, bieten nun immer mehr Autobauer einen Restaurierungsservice für hauseigene Klassiker an. Aber lohnt diese Alternative zum Selberschrauben?

"Für besondere PS-Pretiosen ist das sicher keine schlechte Sache", sagt Fritz Schmidt jr. aus Rüsselsheim mit Blick auf Werterhalt und Wertzuwachs eines Fahrzeugs. Er ist selbst Sammler, Szenekenner und Autor von Bildbänden über Oldtimer. Den Profi-Service bewertet Schmidt ansonsten aber kritisch: "Das Schrauben gehört zum Hobby genau wie das Fahren dazu. Außerdem spart man durch die Eigenleistung jede Menge Geld."

Die Hersteller bitten für ihre Oldtimerpflege nämlich kräftig zur Kasse. Genaue Preise nennt keiner. Hinter vorgehaltener Hand ist von sechsstelligen Beträgen die Rede: "Da kommen schnell mal 200.000 oder 300.000 Euro zusammen", sagt einer aus der Werkstatt eines süddeutschen Unternehmens.

Anderthalb Jahre für eine professionelle Restaurierung

Dafür lassen sich die Klassik-Abteilungen aber auch viel Zeit und gehen gründlich zu Werke. "Im Mittel dauert eine Restaurierung anderthalb Jahre", erklärt Porsche-Sprecher Hermann-Josef Stappen und berichtet von durchschnittlich 1000 bis 1500 Arbeitsstunden pro Auto. Damit die Kunden später keinen Schreck bekommen, gibt es für die etwa 20 Komplettrestaurierungen im Jahr vorab eine Detailanalyse und einen Kostenvoranschlag, sagt Stappen.

Fürs Aufarbeiten benötigen die Mechaniker neben handwerklichem Geschick auch detektivisches Gespür, berichtet Birgit Pillkahn, Pressesprecherin bei Daimler. Die Restaurierung des Mercedes Grand-Prix-Autos von 1908 habe unter anderem deshalb volle acht Jahre gedauert, weil die Experten vor dem ersten Handgriff monatelang im Werksarchiv und der zeitgenössischen Literatur stöbern mussten. Doch die Mühe habe sich gelohnt: "Als der Wagen zum 100. Geburtstag in Dieppe wieder auf seine alte Rennstrecke ging, sah er aus wie neu."

Weil solche Restaurierungen extrem aufwendig und teuer sind, engagieren sich in diesem Bereich vor allem Autobauer mit langer Tradition und teuren Klassikern. In Deutschland sind deshalb nur Porsche, Mercedes und BMW so aktiv. Audi etwa gibt seine eigenen Fahrzeuge zu externen Spezialisten, weil die Bayern im Werk dafür keine Kapazitäten haben, sagt Pressesprecher Peter Kober.

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