Montag, 23. Juli 2018

General Motors/PSA Verzweifelt in die Allianz der Schwäche

PSA: Frankreichs Autodynastie braucht die Amerikaner
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REUTERS

Die Allianz, in die sich der US-Konzern General Motors und der französische Autobauer PSA geflüchtet haben, ist zwiespältig. Für den traditionsbewussten Peugeot-Clan bedeutet sie eine Niederlage. Für die beiden Unternehmen ist sie wohl die letzte Chance, die Verluste in Europa zu begrenzen.

Paris/Detroit - Nach welchen Prinzipien er den Autokonzern führe, der seinen Namen trägt, ward Thierry Peugeot (56) vor zwei Jahren gefragt. "Wachstum, Rentabilität und Unabhängigkeit", antwortete das Familienoberhaupt der Peugeot-Familie. Sie kontrolliert PSA Peugeot Citroën seit mehr als einem Jahrhundert. Für Thierry Peugeot ist der Einstieg von General Motors (GM) bei PSA deshalb eine bittere Niederlage. Denn auch wenn der Anteil von GM an PSA nur 7 Prozent betragen soll und die Familie einen erheblichen Einfluss am Schicksal von PSA verteidigen dürfte: Die stolze Zeit der Unabhängigkeit ist mit der Unterschrift unter den Kooperationsvertrag vorbei.

Der Zwang zu einer Allianz hatte sich indes angekündigt. Denn die jüngsten Geschäftszahlen dürften Thierry Peugeot demonstriert haben, wie schlecht es um sein Familienerbe bestellt ist. PSA, Frankreichs Nummer eins, liegt hinter dem deutschen Primus Volkswagen Börsen-Chart zeigen beinahe uneinholbar zurück. Während VW-Chef Martin Winterkorn vom kleinen Up bis zum Bugatti alles im Sortiment hat, hängt das Wohl und Wehe von PSA-Boss Philippe Varin vom Massengeschäft im saturierten europäischen Markt ab: 60 Prozent seiner Autos verkauft er im Dreieck zwischen Lissabon, Kopenhagen und Rom. Bei VW sind es nur 25 Prozent.

Überall dort, wo andere Autokonzerne Geld scheffeln, ist PSA nicht vertreten. Starke Standbeine in China und zunehmend den USA wie Volkswagen? Fehlanzeige. Günstige Einstiegsmodelle für Schwellenländer wie Renault-Nissan? Fehlanzeige. Margenstarke Luxuskarossen wie BMW Börsen-Chart zeigen oder Mercedes? Fehlanzeige.

Im Lauf des vergangenen Jahres hat sich die Finanzsituation von PSA überdies bedrohlich zugespitzt. Die Nettoschulden stiegen von 1,2 Milliarden auf 3,4 Milliarden Euro. Im Autogeschäft schrieb PSA allein im zweiten Halbjahr 2011 einen Verlust von einer halben Milliarde Euro. Dass der Konzernumsatz um 7 Prozent auf knapp 60 Milliarden Euro wuchs, konnte Clanchef Thierry Peugeot daher kaum beruhigen.

Um die Löcher in der Bilanz wenigstens notdürftig zu stopfen, machte PSA-Boss Varin sogar Kronjuwelen wie die Logistiktochter Gefco zu Geld und fror die Expansion im Wachstumsmarkt Indien ein.

Streiff-Affäre gilt als größter Fehler des Clanchefs

Topmanager in Frankreich machen Familienoberhaupt Thierry Peugeot für die Misere mitverantwortlich. Er habe nicht nur zu lange an der Unabhängigkeit festgehalten und dem Management so zu enge Grenzen gesetzt, sagt einer, der die Autobranche gut kennt: "Er hat auch die falschen Leute gefördert" - eine Anspielung auf die Streiff-Affäre.

Als Thierry Peugeot Ende 2006 Christian Streiff als neuen Konzernchef durchsetze, verdarb er es sich nicht nur mit großen Teilen seiner eigenen Familie. Der für seine undiplomatische Art berüchtigte Streiff vergrätzte rasch auch zahlreiche PSA-Topmanager. Das war absehbar, halten Kritiker dem Clanchef vor. Thierry Peugeot holte Streiff von Airbus, wo der nur wenige Monate gebraucht hatte, um es sich mit allen zu verscherzen. Nach nur sechs Monaten als Airbus-Chef wechselte Streiff Anfang 2007 zu PSA Börsen-Chart zeigen. Im März 2009 setzte Thierry Peugeot dem Experiment ein Ende, setzte Streiff ab und sich selbst auf den Sessel des Vorstandschefs. PSA hatte zwei wertvolle Jahre verloren.

Und nun bleibt ihm nur noch, seinen Konzern an GM zu ketten. "Es handelt sich um eine Allianz, nicht um eine Fusion", beteuert PSA-Chef Philippe Varin. Die Familie behalte etwa 25 Prozent des Kapitals - derzeit sind es noch 30 Prozent und fast die Hälfte der Stimmrechte. Aber dass GM an der Börse achtmal so viel wert ist wie PSA, dürfte die Machtverhältnisse mit der Zeit klären. Von einer "Revolution für PSA" spricht etwa die Tageszeitung "Le Figaro".

Branchenexperten halten den Einstieg von GM gar für eine Rettung in letzter Minute für Thierry Peugeots Erbe. Der Deal mit GM "unterstreicht ein weiteres Mal, wie sehr sich die finanzielle Situation von PSA verschlechtert hat", schreiben die Analysten von Credit Suisse.

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