Dienstag, 11. Dezember 2018

Flugautos Abgehobene Träume

Flugautos: Wennze wirklich fliechst
TMN

Der neue Porsche ist der peer group nur noch ein müdes Schulterzucken wert? Dann wird es Zeit für ein wirklich ausgefallenes Gefährt, mit dem sich auch Staus elegant umkurven lassen. Für Geschäftsleute könnten Flugautos sogar eine Alternative zum Business-Flieger werden, hoffen Entwickler.

Berlin - Der Traum vom Fliegen mit dem Auto wird schon lange geträumt: Bereits vor 100 Jahren, als manche Automobilmarke erst gegründet wurde, gab es ein erstes Flugauto. "1911 wurde in Paris ein Flugauto gezeigt, 1912 bestand es die ersten Erprobungstests", sagt John Brown, Chefredakteur der "Roadable Times", dem "Weltforum für Flugautos".

Auch heute arbeiten Tüftler an modernen Versionen des technischen Zwitters aus Fahrzeug und Fluggerät. "Wir sind die berühmte Nasenlänge vorn", sagt Brown. Der gebürtige Australier ist auch Projektleiter bei der Braunschweiger Firma Carplane und verfolgt seit Jahren ein Ziel: Sowohl ein gutes Auto als auch ein gutes Flugzeug zu bauen - und zwar in einem Fahrzeug vereint, erklärt er. Dass bisher noch kein Flugauto auf dem Markt ist, das den Namen auch verdient, hat Gründe.

Zwar können Produkte wie das britische Skycar des Unternehmers Gilo Cardozo bereits gekauft werden, und auch das Maverick genannte Flugauto des US-Amerikaners Steve Saint. Doch die Lösungen sind laut Brown "entweder Buggys mit einem Gleitschirm oder Flugzeuge, denen man Räder für die Straße anschraubt". Ein von Grund auf entwickeltes Flugauto ist dem Entwickler zufolge noch nicht zu haben, wenngleich ihm "mehr als 300 Flugautos" bekannt sind, die zu Testzwecken schon abgehoben sind.

Frühestens 2015 wird der Carplane auf den Markt kommen. Doch die Zielkonflikte, mit denen die Ingenieure generell zu kämpfen haben, glaubt Brown bereits gelöst zu haben. Schwierigkeiten mache bei der Entwicklung von Flugautos etwa die Gewichtsverteilung. "Ein Flugzeug muss für Start und Landung über die Hinterachse kippen können. Ein Auto dagegen benötigt gleich viel Gewicht vorn und hinten." Zudem werde ein Mechanismus für die Regelung von Auf- und Abtrieb gebraucht: Wird das Gefährt als Auto genutzt, muss es auch bei höheren Geschwindigkeiten am Boden bleiben. Als Flugzeug im Einsatz, ist genau das Gegenteil gewünscht.

Die Tragflächen werden im Straßenbetrieb eingeklappt

Beides soll der 7,60 Meter lange Carplane, ein Zweisitzer mit zwei Rümpfen, können. Für Vortrieb sorgt ein 97 kW/130 PS starker Subaru-Motor, der in der Luft maximal 120 Knoten (etwa 220 km/h) ermöglicht und an Land 176 km/h - in dieser Betriebsart sind die Flügel über dem Dach eingeschwenkt wie über einem Insektenkörper.

Einen Preis für sein Flugauto will Carplane erst festlegen, wenn die zu bauende Stückzahl anhand von Vorbestellungen abzuschätzen ist. Rund 100.000 Euro peilt das Unternehmen an. Carplanes Hauptkonkurrent Terrafugia geht da einen Schritt weiter. Das 2006 von einer Handvoll Piloten und Flugingenieuren gegründete Unternehmen im US-Staat Massachusetts nennt bereits einen Preis: 279.000 US-Dollar (rund 200.000 Euro) soll das Flugauto The Transition kosten. Ende 2012, so das Unternehmen, könnten die ersten Exemplare ausgeliefert werden. "Derzeit nehmen wir für Reservierungen erste Anzahlungen entgegen", sagt Richard Gersh, Vize-Chef von Terrafugia.

Den Kunden erwartet ein zweisitziges Flugauto mit einklappbaren Tragflächen, das einem Sportflugzeug ähnlich sieht und in der Luft maximal 185 km/h und auf dem Asphalt 105 km/h erreichen soll. Bilder erwecken den Eindruck, dass The Transition in eine Standardgarage passt, was bei einer Breite von 2,30 Meter gerade hinhauen würde.

Sobald solche Abmessungen realisiert werden, passen die Flugautos für den Fahrbetrieb auch auf normale Straßen - eine weitere Voraussetzung. "Hier gibt es ein Klischee, mit dem wir aufräumen müssen", wirft Brown ein. "Wir machen keine Produkte für die Städte der Zukunft." Mit einem Flugauto in einem dreidimensionalen Straßennetz einer Megacity zu cruisen, ist demnach nicht die Vision der Entwickler. "Unsere Zielgruppe sind die vielen Menschen in schwarzen Anzügen, die morgens zum Beispiel auf dem Berliner Flughafen Schönefeld in den Flieger steigen." Wer zwischen 350 und 1200 Kilometer Strecke zu bewältigen habe, für den wären Flugautos wie der Carplane die ökonomischste Lösung.

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