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17.11.2010
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Tesla-Chef Elon Musk
Der Renaissance-Mann

Von Tom Hillenbrand

Elon Musk: Der Multivisionär
Fotos
REUTERS

Dotcom-Millionär Elon Musk möchte mit Tesla Motors die Pkw-Branche revolutionieren, Autobosse umwerben ihn. Nebenbei bastelt er an einer Mars-Rakete. Verzettelt sich das Multitalent bei seinen zahlreichen Mega-Projekten? Treffen mit einem Getriebenen.

Paris - Elon Musk müsste entspannt und erfrischt sein, er kommt direkt aus den Flitterwochen. Stattdessen sieht er aus wie ein Boxer kurz vor dem K.o. Der Hochzeitsurlaub mit Schauspielerin Talulah Riley dauerte nur drei Tage, es ist einfach zu viel zu tun. Nun ist Musk auf einer Automesse in Paris, am Abend muss er mit seinem Kumpel Leonardo DiCaprio ein Event bei Louis Vuitton absolvieren. "Gleich kommt der König, zur Foto-Opportunity", sagt sein Adlatus und zeigt auf einen knallorangenen Tesla-Elektrosportwagen. "Der von Holland."

Der 39-jährige Musk ist derzeit der Star der globalen Autobranche. Seine winzige Firma Tesla Motors hat das Elektroauto cool gemacht. Weitaus größere, weniger hippe Hersteller bandeln nun mit dem Amerikaner an, Daimler zum Beispiel oder Toyota. Kaum 800 Fahrzeuge liefert das kalifornische Start-up pro Jahr aus - dennoch hat sein Chef einer ganzen Industrie den Kopf verdreht. "Musk-chan", entfuhr es dem ansonsten eher spröden Toyota-Chef Akio Toyoda unlängst auf einer Pressekonferenz, "ich liebe ihn".

Irgendwo zwischen Arc de Triomphe und Trocadero soll Musk gleich einen Tesla-Shop eröffnen. Wenn man nicht wüsste, dass er der Stargast ist, übersähe man ihn. Zusammengekauert hockt er auf einer Stufe, liest E-Mails auf seinem iPhone. Er hat eigentlich keine Lust, das rote Band zu zerschneiden und - noch schlimmer - eine Rede zu halten.

Lieber würde er über den neuesten Plänen für Falcon 9 brüten. Das ist kein Elektroauto, sondern eine Rakete, die von Musks zweiter Firma Space X gebaut wird. Falcon soll Satelliten in den Orbit transportieren, die Nachfolgemodelle will der Kalifornier zum Mars schicken, irgendwann. Musk ist auch bei Space X CEO, außerdem Technikchef.

Erst Dotcom-Millionär, dann Autopionier

Der gebürtige Südafrikaner ist einer dieser etwas unheimlichen Erfindertypen, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nicht unähnlich. Mit zehn brachte sich Musk Programmieren bei, mit zwölf verkaufte er sein erstes Computerspiel. Später studierte er Physik und BWL, gründete die Internetfirma Paypal, verkaufte sie an Ebay. Schon mit 30 lag sein Privatvermögen jenseits von hundert Millionen Dollar.

Internetfirmen gründen, befindet Musk rückblickend, das sei ziemlich einfach. Autos zu bauen hingegen - das sei ziemlich schwierig. Kapitalintensives Produkt, sehr komplex, viele Wettbewerber. "Es ist fast unmöglich, damit Geld zu verdienen." 2004 investierte Musk viele Millionen in eine Autofirma.

Geld interessiert ihn nicht, es ist nur Mittel zum Zweck. Er will die ganz großen Probleme lösen. Globaler Zahlungsverkehr via Internet? Abgehakt. Die Energiefrage? In Arbeit. Die Besiedelung anderer Planeten? Später. Bei einem Vortrag vor Studenten der Elite-Uni Yale spricht er über "Multiplanetares Leben". Solches sei "erstmals in der Geschichte denkbar".

Musk würde gerne die Raketen dafür bauen. Er hat ziemlich viele Visionen, mit denen er munter jongliert - und es besteht die Gefahr, dass er dabei die Balance verliert. Bei Tesla etwa wäre die Sache beinahe schiefgegangen. Die Neuerfindung der Mobilität war eigentlich nur ein Nebenprojekt Musks, das Marsding ist ihm wichtiger. Deshalb ließ er andere machen - ein Fehler. Ende 2008 war Tesla fast pleite. Der damalige Vorstandschef verkaufte die Flitzer für 92.000 Dollar - bei Produktionskosten von angeblich über 100.000 Dollar. Außerdem funktionierten die Autos mehr schlecht als recht.

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Tesla Motors & Lithium-Ionen-Batterie

  • Tesla Motors
    Tesla Motors, Inc. ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das Elektroautos entwickelt und vermarktet. Die Firma wurde 2003 mit der Idee gegründet, einen Sportwagen auf Basis des Lotus Elise zu konstruieren, der ausschließlich von Akkus angetrieben wird. Firmensitz ist San Carlos im kalifornischen Silicon Valley , dem Herzen der amerikanischen Computer- und Software-Branche. Entsprechend sind unter den Investoren auch die Google -Gründer Sergei Brin und Larry Page , der Ebay -Milliardär Jeff Skoll und Elon Musk, der den Online-Bezahldienst Paypal mitgegründet hat. 2008 beschäftigte die Firma etwa 250 Mitarbeiter. Das Motto des Unternehmens ist "Burn rubber, not gasoline." Namenspatron der Firma ist der Physiker Nikola Tesla .
    Am 17. März 2008 begann – nach einer Reihe von Verzögerungen – die Serienproduktion des ersten Modells, des zweisitzigen Sportwagens Tesla Roadster . In ihm steckt ein 250 PS starker Drehstrommotor , der den Wagen in rund vier Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer beschleunigt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 Kilometern pro Stunde, die Reichweite beträgt – bei zurückhaltender Fahrweise – 350 bis 400 Kilometer. Karosserie und Chassis des Wagens stammen vom britischen Sportwarenhersteller Lotus , der Motor aus Taiwan. Die Montage findet in San Carlos statt. Im Heck des Wagens sind 6831 Lithium-Ionen-Akkus untergebracht, wie sie auch in Handys und Notebooks zum Einsatz kommen. Der Kaufpreis liegt derzeit bei ungefähr 109.000 US-Dollar.
    Tesla Motors plant, im Jahr 2011 eine familientaugliche Stufenhecklimousine auf den Markt zu bringen. Der Preis soll bei 60.000 US-Dollar liegen, die Fertigung in einem eigens dafür errichteten Werk in Kalifornien stattfinden. Anvisiert ist, später einmal 20.000 der Limousinen und 3000 der Roadster pro Jahr zu verkaufen.
    Im Mai 2009 gab Daimler bekannt, mit knapp zehn Prozent bei Tesla einzusteigen. Der Konzern wird auch die nächste Batteriengeneration für den hauseigenen Elektro-Smart bei Tesla Motors beziehen.
  • Lithium-Ionen-Batterie
    Lithium-Ionen-Batterien sind wiederaufladbare Stromspeicher mit hoher Energiedichte, geringer Selbstentladung und ohne Memory-Effekt . In Handys und Laptops sind sie schon seit längerem Standard. Ihr hoher Entwicklungsstand macht es inzwischen möglich, mit ihnen auch Elektroautos anzutreiben. Marktführend arbeitet auf diesem Gebiet neben Tesla Motors vor allem die Daimler AG . Problem bei allen Herstellern ist die Entwicklung einer Batterie, die so leistungsstark ist, dass sie nicht bereits nach kurzer Zeit wieder aufgeladen werden muss. Zudem sind einige Akkus bei Überhitzung leicht entflammbar und reagieren sensibel auf Temperaturschwankungen, große Hitze und klirrende Kälte. Das größte Manko aber ist derzeit vor allem der Preis: Aufgrund der enormen Entwicklungskosten werden serienmäßig produzierte Elektroautos deutlich teurer als normale Benziner sein.
    Derzeit befinden sich bereits mehrere erfolgreiche Hybridmodelle wie der Toyota Prius auf dem Markt, die mit einem kombinierten Verbrennungs- und Elektroantrieb fahren. Dabei unterstützt der Elektromotor lediglich den Ottomotor und spart dadurch Sprit.
    Mercedes plant die Einführung von serienmäßigen Elektrovarianten des Smart sowie der Mercedes A- und B-Klasse ab 2012.









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