Montag, 10. Dezember 2018

BMW 5er GT Voluminöser Wolpertinger

Dieses Auto ist ein fahrendes Rätsel: Seit BMW den 5er GT vorstellte, fragen sich Experten, wer genau den wunderlichen Grenzgänger zwischen Limousine, Kombi und Geländewagen eigentlich eigentlich kaufen soll. Eine rechte Antwort darauf lieferte die Testfahrt nicht - dafür aber durchaus Fahrspaß.

Hamburg - Spott und Häme begleiten ihn - zum 5er GT fällt einfach jedem ein blöder Spruch ein. "GT - wie gewaltiges Trumm" ist durchaus naheliegend, und auch als "buckliger Biber" wurde das Fahrzeug im Kollegenkreis bereits geschmäht. Schon in den vergangenen Jahren strapazierten manche BMW-Designs das Stilempfinden der Fans - und dieser Gran Turismo ist erneut eine schwere Prüfung für die Kundschaft.

Fünf Meter ist er lang, 1,55 Meter hoch - mit einer Karosserie, die wie eingeklemmt wirkt zwischen der flachen Dachlinie eines Coupés und der hohen Gürtellinie eines SUVs. Mit der Eleganz italienischer oder britischer Zweitürer, die einst die Gattung der großen Reisewagen begründeten, hat dieses Auto nichts gemein.

Die dritte Spielart der 5er-Baureihe, die sich weitgehend aus dem Baukasten des 7ers bedient, will drei Autos in einem sein. "Wir kombinieren den Luxus einer Limousine mit der Variabilität eines Kombis und der erhabenen Sitzposition eines Geländewagens", schwadroniert BMW. Ab 55.200 Euro gibt es das angebliche All-Inclusive-Auto mit zunächst drei Motorvarianten von 245 bis 407 PS; Ende Oktober beginnt der Verkauf.

Damit ist der 5er GT bei vergleichbarer Ausstattung etwa 3000 Euro teuer als der Kombi 5er Touring; jedenfalls in der Theorie. Denn in der Preisliste vom Format einer Zeitschrift finden sich so viele Extras - von Einzelsitzen im Fond über eine Aktivlenkung bis zum Nachtsichtsystem - dass man den Preis einzelner Varianten mühelos ins Sechsstellige treiben kann. Auch darin ist der Gran Turismo einer Luxuslimousine näher als einem Mittelklasse-Kombi.

Auch BMW spielt jetzt mit der doppelten Heckklappe

Auch wenn sich der Sinn dieses Autos nicht von selbst erschließt, hat der Wagen durchaus einen gewissen Reiz. Vor allem für die Hinterbänkler ist der Viertürer ein Genuss, weil sie auf den elektrisch um zehn Zentimeter verschiebbaren Einzelsitzen mehr Schulter- und Beinfreiheit genießen als im Fond vieler Luxuslimousinen. Und obwohl man höher sitzt als sonst, wird es nach oben nicht eng: Zwei Dellen im Dachhimmel sorgen für Kopffreiheit und das riesige Panoramadach auf Wunsch für unbegrenzten Weitblick.

Hinter den Fondsitzen geht es ungewohnt weiter. Erstmals baut BMW hier eine separate Rückwand ein, die sich unabhängig von der Sitzlehne umklappen lässt. Selbst wer innen ein wenig mehr Platz nutzen möchte, kann den Innenraum vor Außeneinflüssen isolieren. Flexibel ist auch die Hecklappe: Ähnlich wie beim Skoda Superb öffnet sich entweder eine Luke bis unter die Heckscheibe oder eine große Klappe bis ins Dach. Das Ladevolumen kann von 440 auf mehr als 1700 Liter erweitert werden; die hohe Stoßstange allerdings verlangt manchen Kraftakt.

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