Mittwoch, 28. Juni 2017

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Polizeioldtimer Kommissare in der Knutschkugel

Eine Isetta ist der Sympathieträger der Sammlung. Das knuffige Fahrzeug wurde tatsächlich für Polizeieinsätze genutzt. Das Polizeioldtimer-Museum in Marburg besitzt rund 70 historische Vehikel aus dem Staatsdienst - vom Panzerwagen bis zum Gabelstapler mit Blaulicht.

Marburg - Die Knutschkugel mag Eberhard Dersch am liebsten. In dem BMW Isetta mit dem ulkigen Spitznamen fuhren Polizisten in den 60er Jahren zu ihren Ermittlungen - auch in Hessen, wie der Polizeihauptkommissar sagt. Das Fahrzeug mit der Fronttür, bei deren Öffnen die Lenksäule zur Seite schwingt, bietet Platz für zwei Personen. "Die Isetta ist so schön handlich", sagt Dersch.

Höchstens 85 Kilometer pro Stunde schafft das Zwölf-PS-Mobil von 1961, das im 1. Deutschen Polizeioldtimer-Museum im mittelhessischen Marburg zu sehen ist - mit Blaulicht und der weißen Aufschrift "Landespolizei". Rund 70 historische Vehikel gehören zu der Sammlung, die nach Derschs Angaben die bundesweit größte und in Hessen einzigartig ist.

Die meisten der Fahrzeuge sind früher tatsächlich viele Jahre lang im Polizeieinsatz gewesen, manche aber haben keine wahre Polizeivergangenheit, wie die Isetta. "Das sind zwar echte Oldtimer, aber wir haben sie originalgetreu als Polizeiwagen hergerichtet, weil es sie mit der Ausstattung, in der sie einst im Polizeidienst waren, gar nicht mehr gibt", sagt Dersch.

Gefangenenbus und Wasserwerfer

Der 49-Jährige ist Schatzmeister im Polizei-Motorsport-Club Marburg (PMC). Auf Initiative des Vereins wurde 2003 in ehemaligen Bundeswehrhallen im Stadtteil Cyriaxweimar das Museum eröffnet, das sich dem Erhalt historischer Polizeifahrzeuge widmet. "Hier wird Automobilgeschichte erfahrbar", sagt Dersch.

Zu den mobilen Zeugnissen, die hinter schweren Stahltüren in den zwei Ausstellungshallen aufbewahrt werden, gehören auch Motorräder, gepanzerte Sonderwagen, ein Gefangenenbus und ein Wasserwerfer von 1974, der bis 1996 von der Polizei eingesetzt wurde. Das älteste Exponat ist eine fahrbare Fernmeldeleitstelle von 1952/53, wie der zweite Vereinsvorsitzende und Polizeioberkommissar Jürgen Diehl sagt.

Der mit Tonband-, Kassetten- und Rundfunkgeräten, Lautsprecher, Funk und Fernschreiber ausgerüstete Bus habe früher zum Fuhrpark der hessischen Polizei gehört. "Weltweit gibt es nur dieses Exemplar, der Bus ist ein Unikat", sagt Diehl. Zu sehen ist auch ein Streifenwagen der DDR-Volkspolizei. "Diese Wartburg-Limousine war auf DDR-Straßen bis zur Vereinigung Deutschlands unterwegs", sagt Dersch.

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